Polizei führt Pfarrer im Gottesdienst ab – weil er abgewiesenem Asylbewerber Unterschlupf bot

Die Staatsanwaltschaft Neuenburg verurteilt einen Pfarrer zu einer Geldstrafe, weil er einen Togolesen beherbergte. Jetzt startet eine Jungpartei eine Sammelaktion für den Gottesmann. Es gehe nicht, dass Nächstenliebe kriminalisiert werde.

Kari Kälin
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Des nuages et le ciel au soleil couchant sont photographies en dessus du clocher de l' Eglise rouge ce samedi 27 mai 2017 a Neuchatel. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Des nuages et le ciel au soleil couchant sont photographies en dessus du clocher de l' Eglise rouge ce samedi 27 mai 2017 a Neuchatel. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Norbert Valley hält an einem Sonntag im Februar einen Gottesdienst, als ihn zwei Polizisten in der evangelischen Kirche in Le Locle NE zu einem Verhör abführen. Eine andere Person muss den Gottesdienst zu Ende führen.

Valley hat einem abgewiesenen Asylbewerber aus Togo Unterschlupf gewährt und ihn verköstigt. Unterdessen hat ihn die Neuenburger Staatsanwaltschaft per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 1000 Franken verurteilt wegen «Förderung des rechtswidrigen Aufenthalts». Dazu kommen 250 Franken für Verfahrenskosten. Das evangelische Internetportal www.lafree.ch hat den Fall vor gut einer Woche publik gemacht.

«Ich habe einer Person in Not geholfen»

Valley ist sich keiner Schuld bewusst und hat das Urteil angefochten. «Ich habe nichts anderes getan, als einer Person in Not zu helfen. Das entspricht einem Grundprinzip der Menschlichkeit, des Evangeliums und des Rechtsstaats.» Der evangelische Verband Schweiz mit Sitz in Genf verurteilte die Strafe. Es dürfe nicht sein, dass Personen, die Solidarität zeigten, wegen eines Gesetzesartikels verurteilt würden, der für Schlepper gedacht sei. Der Verband kritisierte auch die Polizei für ihr «mangelndes Fingerspitzengefühl», Valley mitten im Gottesdienst abzuholen.

Norbert Valley ist nicht der Einzige, der wegen eines «Solidaritätsdelikts», wie es der evangelische Verband nennt, zur Rechenschaft gezogen wird. Nachdem sein Fall bekannt geworden war, meldeten sich beim Verband andere Betroffene. Unter ihnen beispielsweise auch eine 27-jährige Frau, die einem abgewiesenen Asylbewerber ein Zimmer untervermietete.

Valley erhält nun Unterstützung von politischer Seite. Die Junge Evangelische Volkspartei (JEVP) hat am Freitagabend ein Crowdfunding lanciert, um Valleys Unkosten von 1250 Franken zu decken. «Dass solidarisches Handeln als Delikt verurteilt wird, ist der humanitären Tradition unseres Landes unwürdig», schreibt die JEVP in einer Medienmitteilung. Es dürfe nicht sein, dass Nächstenliebe kriminalisiert werde. Bis gestern Abend hatte die Partei via Internet 485 Franken für Valley gesammelt.