Aarau

Bus soll Altstadt nur abends ab 20 Uhr umfahren

Der lang erwartete Bericht über alternative Linienführungen in der Altstadt Aaraus mündet in einem Kompromissvorschlag. Die Busse in Fahrtrichtung Süden sollen die Altstadt umfahren, aber erst ab 20 Uhr.

Thomas Röthlin und Deborah Balmer
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Bushaltestelle beim Amtshaus. BAL

Bushaltestelle beim Amtshaus. BAL

Darauf haben wohl alle Aarauerinnen und Aarauer gespannt gewartet, jetzt lässt der Stadtrat die Katze aus dem Sack: Er stellt dem Einwohnerrat den Bericht «Buslinienführung durch die Aarauer Altstadt» zu. Und publiziert hiermit seine Meinung zur umstrittenen Frage, ob Busbetrieb Aarau (BBA) und Postauto weiterhin durch den verkehrsberuhigten Stadtkern verkehren sollen.

Die Antwort der Behörde ist «Jein». In Fahrtrichtung Süden (zum Bahnhof) sollen die Busse die Altstadt via Mühlemattstrasse, Tellirain, Laurenzenvorstadt und Kasinostrasse umfahren – aber erst abends ab 20 Uhr. Tagsüber sollen die vier BBA- und die beiden Postauto-Kurse nach wie vor die Metzger- und Rathausgasse benützen, und zwar sieben Tage pro Woche. Dies gilt auch für Abend- und Nachtfahrten in Richtung Norden (ab Bahnhof).

Der Stadtrat stützt sich auf die Empfehlung einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadtentwicklung, der kantonalen Verkehrsabteilung und dem BBA. Diese wiederum hat fünf Varianten nach technischer Machbarkeit, Erschliessungsqualität, Kosten, stadträumlichem Konfliktpotenzial und Flexibilität für Angebotsausbau überprüft. Grundlage ist ein 55-seitiger Bericht des Beratungsbüros Infras. Der Einwohnerrat bewilligte 2007 hierfür 55000 Franken.

200000 Franken für Haltestellen

Die Arbeitsgruppe ist zum Schluss gekommen, dass «keine rundum befriedigende Alternative besteht», wobei nur eine Variante die Altstadt vollständig umfahren würde. Das Randstunden-Konzept bezeichnet sie als «Kompromiss». Verworfen wurden auch die Ideen, nur im Sommerhalbjahr auszuweichen oder in der Altstadt einen Shuttle-Bus zwischen den Haltestellen einzurichten.

Favorisiert wird die Kompromisslösung auch aus finanziellen Überlegungen. Geschätzte 200000 Franken würden die drei neuen Haltestellen beim Flösserplatz, beim Amtshaus an der Ecke Laurenzenvorstadt/Kasinostrasse und beim City-Märt kosten. Der Stadtrat beantragt deshalb jetzt einen entsprechenden Investitionskredit. Die teuerste Variante mit Verschonung der Rathausgasse käme auf 2,7 Mio. Franken zu stehen.

Mittelfristig will der Stadtrat aber die Auswirkungen des soeben eröffneten Staffeleggzubringers abwarten und die Varianten allenfalls wieder aus der Schublade holen. Die neue Umfahrungsstrasse hat noch nicht abschätzbare Auswirkungen auf die Reisezeiten der Busse und damit auf das Kriterium Betriebskosten, welche die Stadt – wie vom Kanton beschieden – allein tragen müsste.

Wirte begrüssen die Umfahrung via Tellirain

Erste Reaktionen zeigen, dass der Vorschlag ankommt. Im Namen der Wirte äusserte sich etwa Gastro-Altstadt-Präsident Othmar Gruber gestern gegenüber der az Aargauer Zeitung positiv: «Die Umfahrung via Tellirain zu Randzeiten ist ein Schritt in die richtige Richtung.» Und: «Wenn es nach mir ginge, sollte der Bus zwar eines Tages ganz aus der Altstadt verschwinden.» Bis es so weit sei, brauche es aber Zeit und Geduld. Deshalb begrüsse man vorerst diese Kompromisslösung, so Gruber, der an der Pelzgasse das «Camino» führt.

Nicht nur viele Wirte sind für eine busfreie Altstadt, auch «Lädeler» wünschen sich überraschenderweise den Bus von den Gassen weg. So etwa Jürg Giger an der Kronengasse, dem sogar die Kompromisslösung zu wenig weit geht: «Leute, die ‹lädelen›, wollen keinen Bus in der Stadt. Von mir aus sollte er also ganz aus der Stadt weg.» Seit die Kronengasse saniert sei, mache er in seinem Laden deutlich mehr Umsatz. Fahre jeweils ein Postauto fälschlicherweise durch die Gasse, würden die Leute beim Bummeln regelrecht erschrecken.

Auch Altstadt-Confiseur Mark Bachmann sieht es so: «Wenn es am Abend ohne Bus geht, ginge dies auch am Tag. Denn die Distanzen zur nächsten Bushaltestelle sind ja kurz.»