U-Abo

Das verbindende Element zwischen den Kantonen

Das U-Abo ist zu billig, unfair und nicht mehr zeitgemäss. Warum der Tarifverbund dennoch unabdingbar für die Partnerschaft zwischen Stadt und Land ist.

David Sieber
Drucken
Teilen
Das U-Abo ist so etwas wie das (bald) letzte verbindende Element zwischen Basel-Stadt und Baselland.

Das U-Abo ist so etwas wie das (bald) letzte verbindende Element zwischen Basel-Stadt und Baselland.

archiv/bz

Das U-Abo ist billig. Denn es wird massiv subventioniert. Und es ist unfair, zahlen doch alle gleich viel, unabhängig von der Streckenlänge. Eigentlich müssten sich also die städtischen Benützerinnen und Benützer des öffentlichen Verkehrs (öV) benachteiligt fühlen. Im Verhältnis zahlen sie mehr als die Einwohnerinnen und Einwohner peripherer Gemeinden, die täglich in die weiter weg gelegenen Zentren pendeln. Das U-Abo entspricht weder der Marktlogik noch dem Verursacherprinzip. Es ist ein Anachronismus in einer Welt, die sich nur noch über Leistung definiert. Insofern hat die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro recht, wenn sie von einem «Auslaufmodell» spricht.

Doch dieses «Auslaufmodell» erfreut sich noch immer grösster Beliebtheit. Selbst in der Stadt. Aus Kundensicht gibt es keinen Bedarf an einer Änderung. Die Kurzstreckenfahrer nehmen in Kauf, im Verhältnis etwas stärker belastet zu werden als jene, die weite Wege haben. Denn die Vorteile sind offensichtlich: Nie muss man sich Gedanken machen, ob das Abo auch in der nächsten Zone noch gilt. Nach Lust und Laune kann man Tram, Bus und Bahn besteigen – und lernt so zum Beispiel auch einmal das Laufental oder Läufelfingen besser kennen. Und vor allem ist es einfach unglaublich praktisch und bequem. Das hat mittlerweile auch der zuständige Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels eingesehen, der noch 2011 einer Zonierung das Wort redete. Gestoppt wurde er ein Jahr später von den Kollegen aus den anderen TNWKantonen – darunter Sabine Pegoraro.

Heilige Kuh in Rot-Grün

Das Waldsterben, das damals, 1984, als das (U)mweltschutz-Abo eingeführt wurde, in aller Munde war, fand zwar nicht statt. Dafür trat das U-Abo einen unvergleichlichen Siegeszug an. Es wurde zur Ikone, zur heiligen Kuh der links-grünen Politik. Deshalb überrascht der fundamentale Widerstand aus diesen Kreisen auch nicht. Dass es ihnen gelungen ist, im Baselbiet in Rekordzeit eine Initiative gegen die geplante Streichung der Subventionen (immerhin 25 Franken pro Monatskarte) zustande zu bringen, zeigt aber auch, wie fest verankert diese Pionierleistung im Bewusstsein der Bevölkerung ist. Ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern wurden dank des U-Abos auf den öffentlichen Verkehr eingeschworen. Später, als Eltern, gaben und geben sie diesen Virus weiter.

Profitiert hat davon nicht zuletzt die Wirtschaft. Vor allem die grossen Arbeitgeber der Region, etwa Novartis und Roche. Sie sparen viel Geld, weil sie weniger Parkplätze bauen müssen. Der gut ausgebaute, günstige öV ist ein wichtiger Faktor für das ökonomische Wohlergehen der Region. Diesen zu schwächen, könnte sich ziemlich direkt negativ auf die Steuereinnahmen auswirken. Daran kann eigentlich niemand ein Interesse haben. Unbelebter wäre auch die städtische Kultur- und Ausgangsszene, die weit weniger geflutet würde, gäbe es diese günstige Transportgelegenheit nicht. Und schliesslich profitiert auch das Baselbiet ganz handfest: Der Sog der Stadt als Wohnort wäre deutlich grösser, würde das Pendeln weniger attraktiv. Auch dies wäre mit weniger Steuereinnahmen verbunden.

Die Büchse der Pandora

Doch da ist noch eine andere Ebene jenseits der rein pekuniären Betrachtung. Das U-Abo ist so etwas wie das (bald) letzte verbindende Element zwischen Basel-Stadt und Baselland. Wer, wenn nicht die Menschen, die sich unkompliziert in der Grossregion bewegen, können das Auseinanderdriften der beiden Kantone verhindern?

Politisch haben sich die Abkapslungstendenzen seit der Fusionsabstimmung verstärkt. Die Regierungen reden zwar gut, freundlich und konstruktiv miteinander. Aber auf der Ebene darunter, also in den Parlamenten und Parteien, hört der Spass dann auf. Das Baselbieter Referendum gegen die Ausfinanzierung der Uni-Pensionskasse ist ein deutliches Zeichen dafür. Lieber verzichtet man auf 80 Millionen Franken aus der Stadt, als dass man sich auf eine langfristige Zusammenarbeit in den für die Region eminent wichtigen Bereichen Bildung und Kultur einlässt.

Auf der anderen Seite gibt es in Basel nicht wenige, die angesichts der blendenden Finanzlage mit breiter Brust Partnerschaft als «wer zahlt, befiehlt» missverstehen oder sich gleich am liebsten vom Nachbarkanton abwenden würden. Wenn sich diese Fraktion das U-Abo als Ziel aussucht und eine Zonierung durchsetzt, dann fällt ein Symbol, das trotz allem für die Zusammengehörigkeit (und Abhängigkeit) der beiden Kantone steht. Mit allen genannten Folgen. Bei allem Verständnis für Pegoraros vom Spardruck beeinflusste Sichtweise: Es ist nicht ohne Ironie, sollte ausgerechnet eine Baselbieterin die Büchse der Pandora geöffnet haben.