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Der Revolutionär mit dem «Stieregrind»

«Kuscheln bringt uns doch nichts. Da haue ich lieber auf den Tisch», sagt Damian Zurfluh (32), der gebürtige Urner mit dem «Stieregrind», lässt sich nichts gefallen. Beim Eidgenössischen Schwingfest hat Damian Zurfluh aus Känerkinden ein grosses Ziel vor Augen: Seinen dritten Kranzgewinn.

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Michael Lüthi

Er ist der «Revoluzzer» unter den Schwingern. Ein Blatt vor den Mund hat er noch nie genommen. Wenn ihn etwas stört, dann sagt er das sofort. Anstatt die Faust im Sack zu machen, haut er lieber einmal zu viel auf den Tisch.

Damian Zurfluh ist ein emotionaler Typ. Aber auch ein sozialer. Wenn er das Gefühl hat, dass jemand ungerecht behandelt wird, schreitet er ein. Sei das nun im Schwingen oder sonst im Leben. «Ich habe mich schon immer für schlecht Behandelte oder Schwächere eingesetzt», sagt der Mann aus Känerkinden. Mit dieser Eigenschaft hat sich der 32-jährige Spitzenschwinger aus dem Baselbiet in der Vergangenheit wohl nicht nur Freunde gemacht.

Der «Bad Boy» der Szene

Beispiel 1: 2008 verlässt er den Bezirks-Schwingklub Waldenburg und damit in Sachen Schwingen den Kanton Baselland. Er habe damals ganz andere Ziele verfolgt. «Dort wurde einfach zu wenig professionell gearbeitet», sagt Zurfluh. Seither steigt er für den Schwingklub Solothurn in die Hosen. Ein Wechsel, den er bis heute nicht bereut.

Beispiel 2: Ende Juni dieses Jahres stellt er beim Basellandschaftlichen Kantonalen drei Gänge, geht zum Jurytisch und zerreisst sein Notenblatt. Er ist mit der Einteilung alles andere als zufrieden, fühlt sich hintergangen. «Ich habe einen Stieregrind, den ich zum Wohl des Schwingsports eingesetzt habe.

Das Kuscheln miteinander bringt uns doch nichts, da haue ich lieber auf den Tisch», sagt der «Bad-Boy» der Szene. Der Nordwestschweizer Verband brummt Zurfluh in der Folge zwei Sperren auf - das kann er verkraften.

Zweimal schon den Kranz geholt

Der Schweissfachmann und Sieger des diesjährigen Nordwestschweizerischen in Grenchen bestreitet in Frauenfeld sein allerletztes Eidgenössisches. Zweimal (Luzern 2004 und Aarau 2007) holte er sich schon den Kranz. Im Thurgauischen sollen aller guten Dinge drei werden.

Ein schwieriges Unterfangen: Seit dem letzten Jahr laboriert er an einer hartnäckigen Schulterverletzung, die nicht mehr ganz ausheilen will. «Mit einer normalen Leistung reicht es nicht zum Kranz. Ich muss über mich hinauswachsen.»

Er hofft, dass er in Frauenfeld nochmals einen Meilenstein setzen kann. «Irgendwann kommt das Ganze retour. Für mich darf das in Frauenfeld sein.» Über den Rücktritt dürfe er dabei nicht nachdenken. «Ich werde im nächsten Jahr noch ein einziges Schwingfest machen. Dann kommen auch keine Dopinggerüchte auf», sagt er und lächelt. Der zweifache Familienvater ist gebürtiger Urner. Wurzeln, auf die er sehr stolz ist. «Ich bin Urner im Herzen. Nicht Baselbieter oder Solothurner.»

Das Urnerland ist für ihn die Kraftquelle schlechthin. Am nächsten Wochenende besucht er dort seinen Firmgötti auf der Ebnetalp. «Um die Batterien nochmals aufzuladen», wie er sagt. Dort werde vor allem übers Bauern und nicht übers Schwingen geredet. «Ich werde einige Milchkannen rumtragen, mehr nicht.»

Damian Zurfluh, ein spezieller Schwinger, einer, der stolz ist, ein «Böser» zu sein. Aber: «Die Fussballer haben mehr Chancen bei den Frauen - aber ob sie das glücklicher macht?»
«Es ist reiner Zufall»

Damian Zurfluh lacht und lacht und lacht. Er ist damit beschäftigt, in Thomas Zindels Garten einem Alphorn Töne zu entlocken. Peter Baumann, seit 30 Jahren mit dem Traditions-Instrument aktiv, führt ihn in die Kunst ein. «Ich werde kein Weltmeister in dieser Disziplin», sagt Zurfluh und schüttelt den Kopf. «Hei, ei, ei», ruft er immer wieder.

Aber so schlecht geht es gar nicht. Es tönt zumindest. Der Baselbieter entlockt dem Alphorn verschiedene Klänge. «Es ist reiner Zufall, wenn mal zwei Töne gleich sind», sagt er. Peter Baumann ist mit seinem Schützling zufrieden: «Damian ist in dieser kurzen Zeit schnell auf Touren gekommen. Eine zweite Stimme zu Thomas Zindel würde ich ihm jederzeit zutrauen.» Und Zurfluhs Fazit: «Eine zweite Karriere als Alphornbläser werde ich nicht starten.»