Roggwil

Dieser Flohmarkt lässt Musiker-Herzen höher schlagen

Der Anblick lässt Musiker-Herzen höher schlagen: Instrumente, Schallplatten und Lautsprecher so weit das Auge reicht. 1000 bis 1500 Besucher lockte der 20. Musik-Flohmarkt in die Eventhalle.

Christoph Neuenschwander
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Der Musik-Flohmarkt in Roggwil stiess auf reges Interesse
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Der Musik-Flohmarkt in Roggwil stiess auf reges Interesse

AZ

Auf 3000 Quadratmetern wird an rund 80 Marktständen so ziemlich alles zum Verkauf oder Tausch angeboten, was Töne und Geräusche hervorbringt – und noch vieles mehr. Die Rede ist vom «Grössten Schweizer Musik-Flohmarkt».

Dieser findet in der Eventhalle Roggwil statt und hat am Sonntag bereits zum 20. Mal zahlreiche Plattensammler, Musikanten und Schnäppchenjäger herbeiströmen lassen. Der Flohmarkt, der zweimal jährlich (im März und November) durchgeführt wird, habe sich inzwischen etabliert, beobachtet der Presseverantwortliche Peter Fibich von der Agentur Werbetrommel. «Es ist ein toller Anlass, an dem die Leute den Plausch haben und immer wieder gerne hin kommen.» Auch dieses Mal seien etwa 1000 bis 1500 Besucher in die Eventhalle gepilgert.

Grammofone und Stereoanlagen

Verübeln kann man’s ihnen gewiss nicht, denn der Flohmarkt hat in der Tat einiges zu bieten. Das fängt schon bei der Stimmung an, die man aufsaugt, sobald man zu Tür hereinkommt. Überall wird bestaunt und bewundert, geblättert und gesucht, Interesse bekundet, verhandelt und über Musik geplaudert. Da steht eine alte Jukebox, dort ein noch älteres Radio.

In die Jahre gekommene Plattenspieler gesellen sich zu modernen Hi-Fi-Anlagen. An etlichen Ständen türmen sich Plastik- und Kartonkisten, rappelvoll mit Vinylplatten, CDs, Konzert-DVDs und einigen VHS-Kassetten, die nicht mehr gerade frisch aussehen. Unter den Tonträger lässt sich für jeden Geschmack etwas finden: von Jazz und Folk über Schlager bis Heavy Metal.

Entsprechend kakofon ist der Klangteppich, der das geschäftige Treiben in der Eventhalle untermalt. Von überall her schallt Musik, Stereoanlagen und Lautsprecher werden getestet, Instrumente probegespielt. Reggae vermischt sich mit Après-Ski-Disco. Aus einem Nostalgie beschwörenden Grammofon ertönt Frank Sinatra mit «Love and Marriage». Und irgendwo demonstriert ein Verkäufer einigen Interessenten eine Gitarre, wobei er nebst gelegentlichen Hendrix- und «Dire Straits»-Höhenflügen mehrheitlich unkoordiniert über die Saiten schrummelt und dabei das Griffbrett malträtiert.

Raritäten und Tauschgeschäfte

Apropos Gitarren: Für Fans derselben gibt es allerhand. Da wären etwa akustische und elektrische Modelle, Banjos und sonstwie mit der Klampfe Verwandtes, Saiten und Gurte, Verstärker und Effektgeräte.

Ein Verkäufer letzterer Geräte steht gerade hinter einem Tisch, der mit den kleinen Fusspedalen überhäuft ist, und argumentiert: «Das kriegst du sonst nirgends mehr.» Er unterhält sich mit einem Kunden, der einige seiner eigenen Effektgeräte gegen einen alten und seltenen Hall erzeugenden «Reverb» tauschen will.

Mindestens drei der angebotenen Stücke müsse er für die Rarität schon haben, feilscht er. Schliesslich habe er von der offerierten Tauschware selbst einen ganzen Stapel, den er kaum loswerde. Der Handel kommt zustande, glücklich sind am Ende beide. Das Geschäft laufe gut, sagt der Verkäufer und fügt augenzwinkernd hinzu: «Man muss halt immer ein wenig um den Preis kämpfen.»

Musikalische Paraphernalien

Kurz darauf geht der Lärm los: Ein Schlagzeugverkäufer macht vor, wie viel Dezibel sich aus seiner Ware herauskitzeln lässt. Bis er schliesslich von Besuchern und anderen Verkäufern ausgepfiffen und mit wüsten Flüchen bedacht dazu aufgefordert wird, doch nicht einen solchen Krach zu veranstalten. Ansonsten läuft der Flohmarkt aber friedlich ab.

Natürlich sind nebst Gitarre und Schlagzeug auch andere Instrumente gut vertreten. Besonders populär sind etwa Zieh- und Mundharmonikas, aber auch die eine oder andere Geige ist am Flohmarkt zu finden. Dazu kommen (unter vielen anderen) Tubas, Djembes und exotische Blechtrommeln aus Trinidad.

Was es für manch ein Musiker-Dasein offenbar auch braucht, sind Accessoires. So werden Gürtelschnallen genauso verkauft wie Feuerzeuge mit aufgedrucktem Pin-up-Girl – oder Pappkarton-Aufsteller von Robbie Williams und Parfüm von Avril Lavigne. Und bald wird dann bereits wieder aufgeräumt. Eine Verkäuferin mit weissem Haar führt letzte Verkaufsverhandlungen. Sie bietet allerlei an: Schwyzerörgeli, eine riesige Zapfsäule, Vespa-Werbetafeln, Modellautos, CDs und Schallplatten (die Aufzählung liesse sich schier endlos erweitern).

Heuer sei das Geschäft weniger gut gelaufen als sonst, aber schlecht sei es auch nicht gewesen. An der konstanten Besucherzahl habe auch das Jubiläum nichts geändert. «Nur eines ist mühsam«, sagt die Frau und lässt ihren Blick über den Stand schweifen. «Die ganze Ware wieder einzupacken und nach Hause zu schaffen.»