Begegnung

Er stand mit Jazz-Grössen auf der Bühne

Als Musiker aus Leidenschaft ist Peter Frei durch halb Europa getourt. In dieser Zeit nahm der Kontrabassist 50 Langspielplatten auf.

Margret Stöcklin
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Tourneen sind für Peter Frei passé.

Tourneen sind für Peter Frei passé.

Margret Stöcklin

Der Birmensdorfer Peter Frei ist ein eher bescheidener und zurückgezogen lebender Mensch, dem es sogar ein bisschen peinlich ist, von seiner Musiker-Karriere und den damit verbundenen berühmten Namen zu sprechen. Ein introvertierter Musiker, geht das überhaupt? «Wenn ich Musik mache, bin ich in einem anderen Universum. Dann fallen alle negativen Wahrnehmungen und Selbstzweifel weg», sagt Frei.

Er erblickte am 18. Juli 1943 in Zürich das Licht der Welt, wo er auch aufwuchs und zur Schule ging. Mit 17 fing er eine dreijährige Ausbildung zum Hochbauzeichner an. Nach geglücktem Abschluss war er noch acht Jahre in seinem Lehrberuf tätig. Parallel dazu begann er 1962 Kontrabass zu spielen. «Von einer Minute auf die andere hat mich ein am Radio gespieltes Jazzstück dermassen elektrisiert, dass ich gar nicht mehr anders konnte. In der Folge begann ich, mir das Kontrabassspielen selbst beizubringen», so Frei. Zu seinem Glück gab es damals wenig Bassisten, sodass er mit seinem Instrument schnell Arbeit bei angesagten Jazz-Formationen fand, in denen ehemalige Musiker von solch berühmten Bands wie jenen von Frank Sinatra oder Count Basie mitspielten.

Auf Roger Cicero aufgepasst

Peter Frei ist Autodidakt, allerdings nur zu 80 Prozent, weil er Lektionen beim Bassisten des Tonhalle-Orchesters nahm. 1972 machte er seine Leidenschaft zum Brotberuf und hatte Auftritte im In- und Ausland. Unter anderem spielte er Konzerte mit dem Jazz-Life-Trio des Schweizer Radios und tourte mit Eugen Cicero durch Deutschland. «An diese Zeit denke ich gerne zurück, weil sein Sohn Roger damals noch klein war und ich oft auf ihn aufgepasst habe. Roger Cicero konnte sich als Sänger und Teilnehmer am Eurovisionsfestival einen Namen machen.»

Ein anderer bekannter Name ist derjenige des deutschen Schauspielers Gert Westphal, mit dem Peter Frei eine Jazz-Lyrik-CD mit Brecht-Texten aufnahm. Unter anderem tourte der Birmensdorfer mit bekannten Frank-Sinatra-Musikern durch halb Europa. Eine Karriere in Übersee vermasselte er sich aufgrund seiner Flugangst. «Ich dachte lange, mit dem Schiff könnte es klappen und hatte bereits ein Engagement auf der MS Europa unterschrieben, wo ich auch aufgetreten wäre. Aber dann habe ich meinen Vertrag einen Tag vor dem Auslaufen des Luxusdampfers gekündigt, was mir eine Menge Ärger eintrug», erinnert sich Frei.

Obwohl Autodidakt, unterrichtete Peter Frei über 23 Jahre an Musikhochschulen, darunter an den Jazz-Schulen St. Gallen und Bern. Bei letzterer war er als Dozent tätig. Traurig und nachdenklich wird Frei ob der Tatsache, dass Jazz-Musik in den Medien praktisch nicht mehr vorkommt, weil sie angeblich zu kompliziert sei für den normalen Zuhörer. « Was heisst da kompliziert. Jede Art von Kunst braucht Zeit, um sie sich zu erschliessen», resümiert er. Seit einiger Zeit sind grosse Tourneen passé und auch auf Konzerten tritt der 72-Jährige eher selten auf. An ihrer Stelle stehen Jamsessions auf dem Programm. Ab und zu konzertiert er trotzdem noch vor Publikum. Im Oktober spielte er im Basler «Birdseye», wo er mit seinem Kontrabass solistische Glanzlichter setzte, was ihm grosse Freude bereitete. Um solch anspruchsvolle Konzerte weiterhin bestreiten zu können probt er mehrere Male in der Woche. «Das hält mich fit.»