Langenthal

Faszinierte Regierungsräte verteilten nur Bestnoten

Jede der fünf Vorstellungen des Musicaltheaters «Die Schöne und das Biest» des Gymnasiums Oberaargau war an diesem Wochenende ausverkauft. Zur Premiere kamen gar fünf Regierungsräte, die diesem Anlass einen zusätzlichen feierlichen Anstrich gaben.

Urs Mathys
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«Die Schöne und das Biest» Langenthal
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Musicaltheater «Die Schöne und das Biest» Langenthal
«Die Schöne und das Biest» Langenthal
«Die Schöne und das Biest» Langenthal
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«Die Schöne und das Biest» Langenthal
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«Die Schöne und das Biest» Langenthal
«Die Schöne und das Biest» Langenthal
«Die Schöne und das Biest» Langenthal

«Die Schöne und das Biest» Langenthal

Hanspeter Bärtschi

In Langenthal war am Freitagabend gewaltig viel los: Eishockey-Derby Langenthal gegen Olten (Schoren), Verleihung Design-Preis Schweiz (Markthalle), Musical «Die Schöne und das Biest» (Gymnasium).

Sechs der sieben Berner Regierungsräte sind gleichzeitig in Langenthal - die an Grippe erkrankte Barbara Egger muss das Handtuch werfen. Andreas Rickenbacher ist in der Markthalle, während Regierungspräsident Bernhard Pulver, Christoph Neuhaus, Hans-Jürg Käser, Philippe Perrenoud, Beatrice Simon sowie Staatsschreiber Kurt Nuspliger das Gymnasium beehren. «Das kommt sonst praktisch nie vor», kommentiert der Langenthaler Käser bei seinem Heimspiel die gemeinsame Präsenz der bernischen Kantonsregierung an einem kulturellen Anlass.

Vor dem Musical spricht Bernhard Pulver beim Apéro in der Mensa des Bildungszentrums Langenthal (BZL) zu den Gästen. Er bezeichnet das BZL als «innovativ und nachhaltig» und dankt allen, die hier «mit viel Herzblut und Sachkenntnis» arbeiten.

Markus Bösiger, OK-Präsident «1150 Jahre Langenthal», ruft in Erinnerung, dass dies der fünfte und letzte Jubiläumsanlass sei. «Bilden» laute das Leitmotiv. Die Präsenz des Regierungsrates fasse er als «Kompliment» auf und als «Signal», auf diesem Weg fortzufahren, sagt André Sommer, Präsident des BZL-Rates. Für Gymnasium-Rektor Thomas Multerer bedeutet der hohe Besuch aus Bern «eine ganz grosse, unerwartete Ehre».

Mut und Teamfähigkeit bewiesen

Bevor die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und die Jugendlichen des Orchesters «la pianta» der Oberaargauischen Musikschule und des Gymnasiums Langenthal sowie des Orchesters «Incanto» in der Aula des Gymnasiums loslegen, wendet sich der Regierungspräsident ans Publikum. Alle Beteiligten hätten bei diesem Musical-Projekt «Selbstdisziplin, Mut, Improvisations- und Teamfähigkeit» bewiesen: «Dinge, die unsere Gesellschaft braucht.»

Alle 306 Stühle sind belegt. Schwarz gekleidet erscheinen die Orchestermitglieder. Sie richten sich so ein, dass der Sichtkontakt zu dem auf einem Design-Stuhl sitzenden Dirigenten Markus Lehmann gewährleistet ist. «Tagein, tagaus der gleiche Trott», singt der Chor präzise und stimmgewaltig. Dafür gibt es den ersten Applaus. Den Zweiten erntet Bella, die Schöne, die als Einzige zum Biest steht. Der Lebensinhalt der zwei zickigen Schwestern von Bella sind Kleidung und Aussehen. Diese Rolle spielen sie vorzüglich. «Ich bin der Grösste - für die Liebe gemacht», prahlt Gustav, der Selbstbewusste mit dem Mini-Intelligenz-Quotienten. Er will Bella heiraten. Bei deren Schwestern hätte er leichteres Spiel.

Präsenz und Präzision zeichnen das Orchester aus. «Das macht mega Spass», lautet die Pausen-Bilanz der 19-jährigen Querflötistin Janina Misar. «Knackpunkt war die Hauptprobe. Da merkten wir, dass wir parat sind», lobt sie die beiden musikalischen Leiter Christoph Weibel und Markus Lehmann. In den Pausengesprächen wird das Musical euphorisch kommentiert. «Perfekt. Stimmen und Orchester sind super», sagt die Ursenbacherin Ursula Mosimann, «professionell; ich bin sprachlos» Fredy Amberg. «Toll», urteilt Sonja Heiniger. Sie drückt dem Frauenhelden Gustav alias Nicola Habegger die Daumen.

Auch Rolf und Sandra Kämpf (Rütschelen) schwärmen: «Schauspielerisch, gesanglich und musikalisch einfach traumhaft.» Zudem haben es ihnen die Lichteffekte und das einfache Bühnenbild mit unterschiedlich grossen, verschiebbaren Rahmen angetan - «sowie natürlich Selina Schütz, ein Mädchen aus unserem Dorf, als Bella». Dorette Balli bringt es so auf den Punkt: «Kurzweilig, von hohem Niveau.»

Das Ensemble gibt alles

Nach der Pause nehmen die Schöne und das Biest sogleich wieder Fahrt auf. In doppelter Hinsicht ergreifend ist jene Szene, als sich Bella und das Biest näher kommen - ihre Hände suchen und finden. Dies unterstützt mit einem Lichtkegel und feiner Klaviermusik. Das Stück überzeugt in allen Teilen. Das Ensemble gibt alles, wächst über sich hinaus, wird zuletzt mit Applaus überschüttet.

Als Erste steht Regierungsrätin Beatrice Simon auf, was zur Kettenreaktion führt, denn plötzlich stehen alle. Rund sechs Minuten klatschen die Besucher. Noch eine Zugabe, dann ist Schluss.
Die Statements der Regierungsräte decken die Bandbreite zwischen «unheimlich eindrücklich» und «genial» ab. Beatrice Simon windet den Jungen ein Kränzchen.

Leider seien meist nicht solche Vorbilder im Fokus, sondern jene Jugendlichen, die sich - aktuelles Beispiel «Pyros» - total danebenbenehmen würden. «Ich spüre eine grosse Erleichterung», sagt Regisseur Matthias Kunz, als sich die Aula leert. Er strahlt. Rund 1500 Leute haben am Freitag, Samstag und Sonntag die total fünf Musical-Vorstellungen besucht.