Christian Stucki

«Ich lebe nicht abstinent»

Er gehört zu den heissesten Kandidaten auf den Schwingerkönig-Titel: Christan Stucki. Er ist mittlerweile ein TV-Star, einer zum Anfassen. Aber deswegen hebt ein Christian Stucki nicht ab.

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Michael Lüthi

Er sticht einfach aus der Masse heraus. Dagegen kann er nichts machen. Er ist 1,98 m gross, wiegt 150 Kilo und trägt Schuhgrösse 51. Der Stucki «Chrigu» ist ein richtiger Brocken und mittlerweile in der ganzen Schweiz bekannt. In der TV-Sendung «SF bi de Lüt» (Die Bösen) wird den Zuschauern an sechs Freitagen eine grosse Portion Stucki in die Stuben serviert. «Seit diese Sendung läuft, werde ich überall erkannt», sagt Christian Stucki. Er war schon vorher populär, aber nun kennt ihn jedes Kind. «Das ist nicht schlecht, aber auch nicht immer von Vorteil. Manchmal ist es schon etwas mühsam, aber ich trage es mit Fassung.»

Der gelassene Riese

Der 25-jährige Schnottwiler bleibt trotz dem ganzen Rummel sich selber: Der bodenständige Typ, der «nicht altmodisch eingestellt ist» und sich als «Büezertyp» bezeichnet. Die Kameras für die TV-Aufnahmen haben den «Chrigu» nicht gross gestört. «Man gewöhnt sich an alles», sagt er. Verstellt habe er sich dabei nicht, «ich bin einfach natürlich geblieben». Seine TV-Auftritte gefallen ihm. «Man sieht, dass wir nicht nur Trainingsmaschinen sind, sondern auch mal Spass haben und rumblödeln.»

Der Stucki Chrigu ist keiner, der abhebt. Er würde wohl auch, wenn er eine Million gewinnen würde, genau gleich weiter Fleisch ausliefern. «Ich bin einer zum Anfassen, gehe gerne unter die Leute.» Was er zuletzt will, «ist arrogant rüberkommen». Der gelernte Forstwart versucht möglichst allen gerecht zu werden, die etwas von ihm wollen. «Aber durch zehn teilen kann ich mich nicht.»

Und die Medien, die wollen auch immer etwas von ihm. Im Umgang mit den Journalisten ist er mittlerweile ein Routinier. «Ich kann mich noch genau an mein erstes TV-Interview erinnern. Ich war unheimlich nervös.» Und rausgebracht habe er nicht viel. Das ist nun ganz anders. «Durch den ganzen Medienrummel bin ich schon wortgewandt geworden. Es redet jetzt einfach», sagt er. Viele Zeitungsartikel über ihn lese er gerne. «Aber bei einigen Überschriften muss ich schon leer schlucken.»

Er soll den Königstitel holen - für alle Berner

In neun Tagen nimmt der Mann vom Schwingklub unteres Seeland in Frauenfeld sein viertes Eidgenössisches in Angriff - genau gleich viele hat er schon im Hornussen bestritten. Zweimal gabs im Sägemehl bisher den Kranz (3. 2004 in Luzern, 4. 2007 in Aarau), im Hornussen übrigens jedes Mal. Nun erwarten viele vom Kilchberg-Sieger 2008, dass er den Königstitel endlich wieder einmal ins Bernbiet holt - das Zeug dazu hat er. In den letzten zwei Jahren hat der «Chrigu» nämlich nur einen einzigen Gang verloren. «Ich spreche nicht gerne über den Titel. Versprechen kann ich nichts, ich kann es nicht erzwingen. Es kommt, wies kommt. Zum Glück kann ich nicht in die Zukunft schauen», sagt er.

Typisch Stucki. Er bleibt gelassen, auch vor dem grossen Höhepunkt die Ruhe selbst. Auf der Schwägalp, der Hauptprobe für das Eidgenössische, konnte er nicht voll überzeugen. Genau gleich wie vor zwei Jahren - danach gewann er den prestigeträchtigen Kilchberg-Schwinget. «Vielleicht ein gutes Omen», sagt Stucki. Klar sei das Fest nun immer präsent. Aber verrückt machen lässt er sich dadurch nicht. «Ich gehe auch noch mit den Kollegen in den Ausgang und trinke ein Bier - abstinent lebe ich wegen Frauenfeld nicht. Das Leben neben dem Schwingen geht auch in dieser Phase weiter.»