Schwingen

Keiner pöbelt ihn in der Schule an

Der knapp 20-jährige Binninger Henryc Thoenen steht vor seinem ersten Eidgenössischen Schwingfest. Als zweitjüngster Nordwestschweizer darf der Baselbieter Henryc Thoenen in Frauenfeld zupacken. «Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt der Teenager.

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Michael Lüthi

«Ich denke jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde ans Schwingen», sagt Henryc Thoenen mit leuchtenden Augen. Der 19-jährige Schüler wuchtete sich bisher mit viel Schwung durch die Saison. Er ist mitten in die Elite vorgeprescht, hat den Durchbruch definitiv geschafft.

Fünfmal durfte er sich mit einem Kranz schmücken lassen. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft.» Die Qualifikation für Frauenfeld - das war sein grosses Ziel - hat er damit locker geschafft. «Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen - es ist das Grösste», sagt er.

Damit hat sich erstmals seit 2001 (Rolf Klarer) wieder ein Athlet vom Schwingklub Basel-Stadt für ein eidgenössisches Fest qualifiziert. Und der junge Mann weiss genau, was er will. Zielstrebig und mit stolzer Stimme spricht er über seine Ziele. «Ich bin heiss. Angst habe ich keine.

Ich will in Frauenfeld zeigen, was ich kann und gesund heimkehren.» Acht Gänge wolle er schwingen. «Der Kranz wäre eine Überraschung», sagt der Schlussgang-Teilnehmer des diesjährigen Baselbieter Kantonalschwingfestes.

Im letzten Jahr gewann Henryc Thoenen beim Baselländischen Schwingfest in Lausen seinen ersten Kranz. «Das hat mir viel Druck genommen.» Und das hat ihn in dieser Saison so richtig explodieren lassen.

In Frauenfeld geht es für den Teenager in erster Linie darum, wichtige Erfahrungen zu sammeln. Dass er längerfristig einmal Schwingerkönig werden könnte, darüber will er nicht zu viel sagen. «Das kann man nicht trainieren. Dazu muss man geboren sein und es braucht auch das nötige Glück.»

In Reinach besucht der Binninger die Wirtschaftsmittelschule. Er muss noch eine einjährige Ehrenrunde drehen. «Ich habe mich zu wohl zu sehr aufs Schwingen konzentriert», sagt Thoenen und lächelt. Danach will er eine Metzgerlehre absolvieren, um danach im Fleischhandel einen Bürojob machen zu können.

«In der Schule bin ich ein Exot», sagt der 1,85 Meter grosse und 110 Kilo schwere Schwinger. «Die meisten meiner Mitschüler denken, dass Schwingen ein Bauernsport ist», erzählt er mit etwas verfinsterter Miene. «Aber die können denken, was sie wollen. Das ist mir egal.» Der Grossteil seiner Kollegen komme sowieso aus dem Schwingen.

Henryc Thoenens Oberarme lassen Otto Normalverbraucher alt aussehen. Er ist ein richtiges Kraftpaket. Das kommt ihm nicht nur im Sägemehl-Ring zugute, sondern auch in der Schule. «Angepöbelt wurde ich dort noch nie.» Kein Wunder: Denn wer will sich schon ausserhalb eines Sägemehlrings von Thoenen auf den Rücken wuchten lassen.