Gschwind

Michael Gschwind will Most in Champagner verwandeln

Der Schwinger Michael Gschwind aus Hofstetten ist in der Form seines Lebens – der Kranz in Frauenfeld ist sein ganz grosses Ziel. Er hört lieber Ländler als Rockmusik. Ein Säuli und ein Rind hat er schon gewonnen. Als 15-Jähriger schien seine Karriere bereits zu Ende zu sein. Nun, elf Jahre später will Michael Gschwind in Frauenfeld seinen ersten Eidgenössischen Kranz.

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Von Michael Lüthi

Lachen ist gesund. Und das macht Michael Gschwind immer wieder. Der 26-jährige Binninger ist eine absolute Frohnatur, ein witziger Kerl. Bei ihm muss alles ziemlich gschwind gehen. «Ich packe gerne Sachen an und ziehe diese dann auch schnell durch», sagt er.

Der Elektromonteur langt aber auch gerne zu, wenn ein voller Teller vor ihm steht. «Fleisch muss es sein, viel Fleisch», sagt er und ergänzt: «Und zum Schluss eine feine Crèmeschnitte.»

Ist Gschwind zu dick?
Sein Arzt hat daran weniger Freude. Bei einer Körpergrösse von 1,86 Metern bringt er stolze 119 kg auf die Waage. «Mein Body Mass Index ist klar zu hoch. Aber ich fühle mich wohl, so wie es ist. Deshalb ändere ich daran im Moment auch nichts.»

Zumindest aus sportlicher Sicht gibt es keinen Grund dafür. Der 20fache Kranzgewinner ist «zwäg», so wie noch nie zuvor. Acht Kränze hat er in dieser Saison bereits nach Hause genommen. In der Nordwestschweiz ist dieses Kunststück nur noch Christoph Bieri, Bruno Gisler und Mario Thürig gelungen.

Damit mischt er an der Spitze mit den Eidgenossen mit - eine Überraschung. Auf der Rigi und dem Weissenstein hat Gschwind zudem seine beiden ersten Bergauszeichnungen geholt. «Es läuft ausgezeichnet. Die letzten drei Jahre war das Schwingen für mich die Nummer 1», sagt er. Aber das gehe nur, «weil meine Partnerin Sabrina mich dabei voll unterstützt».

Michael Gschwinds Biss hat sich in Form von Eichenlaub-Regen ausbezahlt. Denn zwischen 16 und 20 Jahren musste er seine Schwingerhosen im Keller versorgen. Wegen Wachstumsproblemen zwickte es in beiden Knien. Dann erhielt er vom Arzt wieder grünes Licht. Ein Jahr lang trainierte er «just for fun». Ende 2005 packte ihn das Fieber wieder.

Nun, fast fünf Jahre später ist der Unspunnen-Teilnehmer von 2006 auf dem Höhepunkt - just vor dem ganz grossen Höhepunkt der letzten drei Jahre.

Frauenfeld wird für den Baselbieter kein Neuland sein. Seine Eidgenössische Feuertaufe erlebte er vor drei Jahren in Aarau. «Ich habe dort immerhin acht Gänge geschwungen. Aber der Kranz lag ausser Reichweite», blickt Gschwind zurück. Im Thurgauischen will er in zwei Wochen den Most in Champagner verwandeln. Für ihn gibt es nur eines: «Der Kranz ist mein ganz grosses Ziel.» Wenn er eine normale Leistung abrufen könne, «dann ist das sicher machbar».

Nur zu gerne möchte Michael Gschwind ein Eidgenosse werden. «Man wird dann in der Szene ganz anders wahrgenommen.» Vorher muss er sich aber vor rund 50'000 Zuschauern beweisen. «Das macht mir nichts aus. Wenn ich im Ring stehe, nehme ich um mich herum nichts mehr wahr», sagt er. «Aber», fährt er fort, «wenn ich am Samstag morgen erstmals in die Arena einlaufen werde, dann gibts bestimmt viel Herzklopfen».