Ratgeber Gesundheit

Nachts habe ich ständig Durst

Ich (57) erwache nachts alle zwei Stunden mit ausgetrocknetem Mund und muss dann ein paar Schluck Wasser trinken. Im November letzten Jahres habe ich meine Hormonpflaster abgesetzt. Meine Hausärztin machte einen Diabetes-Bluttest, der negativ ausfiel. Was könnte der Grund für das häufige Aufwachen sein? Frau R. L. aus B.

Dr. med. Michael Egloff Leitender Arzt Endokrinologie/ Diabetologie, Kantonsspital Baden
Drucken
Teilen
Ratgeber Gesundheit

Ratgeber Gesundheit

Gesundheit Aargau

Durst ist eine wichtige Körperfunktion zur Regulation des Flüssigkeitshaushaltes. Ist das Durstgefühl gesteigert, kann ein starker Flüssigkeitsverlust, ein zu hoher Salzwert im Blut oder eine Störung des Durstzentrums im Gehirn die Ursache sein. Eine der häufigsten Gründe für einen übermässigen Flüssigkeitsverlust ist eine zuckerbedingt gesteigerte Urinproduktion beim Diabetes mellitus. Weitere Gründe können Wassertabletten, übermässiger Gebrauch von Abführmitteln und Wasserverlust durch starkes Schwitzen,Durchfall und Erbrechen sein. Ein zu hoher Salzwert entsteht durch übermässigen Salzkonsum oder durch eine gesteigerte Ausscheidung von freiem Wasser. Letztere wird reguliert durch das sogenannte Antidiuretische Hormon (ADH). Ist davon zu wenig vorhanden oder die Wirkung an der Niere abgeschwächt, kann Wasser nicht genügend im Körper zurückgehalten werden. Das führt zur Ausscheidung von meist mehr als vier Litern Urin pro Tag, die dann mittels Trinken wieder zugeführt werden müssen. Diese Störung heisst Diabetes insipidus. Durch einen spezifischen Hormontest kann die Diagnose gestellt werden. Die beschriebene Mundtrockenheit kann auch – unabhängig vom Flüssigkeitsbedarf – zu vermehrtem Trinken zur Befeuchtung der Schleimhäute führen. Verschiedene Medikamente können eine Mundtrockenheit verursachen Die gleichen Symptome können auch bei krankhaft vermindert er Speichelsekretion, bei rheumatischen Leiden oder nach Bestrahlung auftreten. Da Sie die Beschwerden aber vor allem nachts verspüren,ist die Mundtrockenheit auch durch vermehrte Mundatmung bei behinderter Nasenatmung oder durch trockene Luft in den Schlafräumen während der kalten Jahreszeit erklärbar.Der Symptom beginn im November würde dazu passen. Hier können das Vermeiden von zu starkem Beheizen oder zu langem Lüften des Schlafzimmers sowie der Einsatz eines Luftbefeuchters helfen. Ob ein Zusammenhang mit dem Absetzen der Hormonersatztherapie besteht, ist nicht klar. Allenfalls kann der Wegfall des Östrogens ein Durstgefühl anderer Ursache verstärken. Ich rate Ihnen, bei anhaltenden Symptomen nochmals Ihre Hausärztin zu konsultieren.

Gesundheit Ratgeber

Sie fragen – Fachleute antworten;
richten Sie Ihre Fragen an: Ratgeber Gesundheit Neumattstr. 1; 5001 Aarau Mail: gesundheitaargau@chmedia.ch www.gesundheitaargau.ch