Affäre Zuppiger
Neue Details im Fall Zuppiger: Er zahlte Löhne mit fremdem Geld

Nächste Woche steht Ex-Nationalrat Bruno Zuppiger (SVP) in Zürich vor Gericht. Er soll eine Erbschaft in der Höhe von 240 000 Franken veruntreut haben. Laut der Anklageschrift brauchte er das Geld, um die Schulden seiner Treuhandfirma zu zahlen.

Anna Wepfer
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Bruno Zuppiger muss kommende Woche vor Gericht (Archiv)

Bruno Zuppiger muss kommende Woche vor Gericht (Archiv)

Keystone

Die Affäre kostete Bruno Zuppiger nicht nur seine Bundesratskandidatur, sondern auch sein Nationalratsmandat für die SVP und seinen guten Ruf.

Inzwischen liegt nun die detaillierte Anklageschrift vor. Sie zeigt, wie sich Zuppiger des fremden Vermögens bedient hat und vor allem auch, wofür er das Geld ausgegeben hat. Angefangen hat alles im Jahr 2000, als eine ehemalige Mitarbeiterin der Firma «Zuppiger & Partner AG» verstarb.

Die Frau hatte ihren früheren Arbeitgeber als Willensvollstrecker eingesetzt. In ihrem Testament schrieb sie, «nach erfolgter Zahlung aller Rechnungen» solle der Rest ihres Vermögens «zu gleichen Teilen» an die beiden Stiftungen Pro Senectute und Krebsliga gehen.

Den Abschluss geschönt

Zuppiger kümmerte sich nicht persönlich um das Mandat. Zuständig war einer seiner Mitarbeiter, der nun ebenfalls der Veruntreuung angeklagt ist. Es dauerte fünf Jahre, bis dieser Mitarbeiter den Nachlass soweit bereinigt hatte, dass er die Zahlungen an die beiden Stiftungen hätte vornehmen können. Nach allen Abzügen lagen Anfang 2006 gut 240 000 Franken auf dem betreffenden Konto. Zuppigers Mitarbeiter hätte der Krebsliga und der Pro Senectute also je 120 000 Franken auszahlen müssen.

Doch das tat er nicht. Laut Anklageschrift blieb das Geld ein weiteres knappes Jahr bei der Bank. Dann überwies der Mitarbeiter in Absprache mit Zuppiger 140 000 Franken davon auf ein Firmenkonto. Zuppiger und sein Kollege waren aber in keiner Art und Weise befugt, diese Zahlung vorzunehmen. Den Betrag verbuchten die beiden unter dem Stichwort «Erlös Unternehmensberatung». Auf diese Weise schönten sie den Abschluss der Firma.

Das Geld aus der Erbschaft brauchte die Firma schliesslich zur Deckung ihrer laufenden Kosten. Die Zuppiger & Partner AG habe zu jener Zeit mit Liquiditätsproblemen gekämpft, heisst es in der Anklageschrift. Das Geld floss in die Löhne der Mitarbeiter und in die Zahlung offener Rechnungen - zum Beispiel der Hochschule für Technik und Architektur in Luzern, des Schweizerischen Kaderverbandes und mehrere Versicherungen. Daneben beglich Zuppiger Rechnungen des Seehotels Sternen in Horw und des Bellevue Palace Hotels in Bern. Im Nobelhotel Bellevue Palace residierte Zuppiger gemäss «Blick» jeweils während den Sessionen des Parlaments.

In zwei Monaten verprasst

Keine zwei Monate nach der Überweisung war von den 140 000 Franken nichts mehr übrig. Kurz darauf liess der zuständige Mitarbeiter die verbleibenden gut 100 000 Franken der Erbschaft auf Zuppigers Privatkonto überweisen. Wenige Tage später zahlte Zuppiger von diesem Konto 95 000 Franken an die eidgenössische Steuerverwaltung, um geschuldete Mehrwertsteuern zu zahlen.
Zuppiger und sein Angestellter seien sich bewusst gewesen, dass sie die Gelder pflichtwidrig verwendeten und dass weder Zuppiger selbst noch seine Firma in der Lage gewesen wären, das Geld zurückzuzahlen. Sie hätten dies auch gar nicht vorgehabt, so die Anklage. Beide Angeklagte werden voraussichtlich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten und einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Da die Beschuldigten geständig sind, haben sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung im sogenannten abgekürzten Verfahren auf dieses Strafmass geeinigt. Der Richter wird diese Vereinbarung nächste Woche nur noch absegnen. Gegen das Urteil kann danach nicht rekurriert werden. (awe)

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