Erdbeeren

Ohne Plastik-Tunnel gewinnt der Geschmack der Beeren

In der Region sind die Erdbeeren noch nicht reif. Wo auf Plastik verzichtet wird dauert es noch ein paar Tage, bis die ersten Früchte reif sind.

Hannes Rettenmund
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Noch muss Karl Schenk die ersten roten Beeren auf seinem Feld suchen.

Noch muss Karl Schenk die ersten roten Beeren auf seinem Feld suchen.

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«Die Schweizer Erdbeeren sind da», verkündet der Schweizer Obstverband, «Die inländische Beerenernte hat begonnen». Allerdings könnte sich manch einer aus der Region Oberaargau ob dieser Nachricht zu früh freuen: Im Oberaargau sind die meisten Erdbeeren nämlich noch grün. So auch auf dem Bio-Gut der Familie Schenk in Madiswil. Manche Stauden blühen noch, doch bei den meisten sind bereits winzige, kleine Erdbeeren erkennbar. An einigen hängen bereits grössere, aber eben noch grüne Beeren.

Der Frühling war zu kühl

Dass ihre Beeren noch nicht reif sind, sei normal, so Karl Schenk. «Letztes Jahr gab es bereits im Mai Erdbeeren. Das lag aber am ausserordentlich warmen Frühling. Dieser Mai war eher kühl, deshalb braucht es noch gut zwei Wochen, bis wir ernten können». Die Schweizer Erdbeeren, die jetzt schon auf dem Markt sind, stammten aus Kulturen, die mit Plastik abgedeckt seien. «Wir decken unsere Pflanzen nicht ab, weil wir sie natürlich wachsen lassen wollen. Das merkt man dann auch geschmacklich.»

Um einen guten Geschmack zu erhalten, sei aber ein anderer Faktor noch wichtiger, sagt Erdbeerbauer Schenk: «Die Wahl der Sorte ist entscheidend. Wir bauen eine Sorte an, die sehr süsse und geschmacksvolle Beeren gibt.» Der Nachteil dieser Sorte: Die Erdbeeren sind nicht lagerfähig und müssen bald nach dem Pflücken gegessen werden.

Deshalb findet man Schenks Erdbeeren nicht im Laden. Verkauft werden sie jeweils am Samstag auf dem Hof-Märit sowie während der Hauptsaison durch einen Stand an der Hauptstrasse. Die Erdbeeren aus Madiswil scheinen tatsächlich etwas Besonderes zu sein: «In den letzten Wochen werde ich dauernd gefragt, wann unsere Erdbeeren endlich reif seien», verrät Schenk. «Dass die Leute gespannt auf unsere Beeren warten, obwohl es bei den Grossverteilern seit Weihnachten welche zu kaufen gibt, macht mich stolz und bestätigt mir die Qualität unserer Ware.»

Auf der halben Hektare Erdbeerfeld im Säget wachsen etwa 10000 Stauden, von denen jede gut zwei Kilo Ertrag liefern wird. Genau lasse sich das aber nicht sagen, so Schenk. Erdbeeren seien eine Risikokultur. Der Anbau kann also sehr gut herauskommen, oder aber schlecht sein, wenn die Bedingungen nicht stimmen.

Viel Handarbeit

Da das Bio-Gut ohne jegliche Spritzmittel produziert, ist umso mehr Handarbeit nötig. So müssen die Furchen zwischen den Pflanzen regelmässig gejätet werden. «Was nicht gerade die Lieblingsarbeit unserer Lehrlinge ist», sagt Schenk und schmunzelt. Zwischen die Pflanzen wird von Hand Stroh gelegt, damit die Beeren nicht faulen oder dreckig werden, sobald sie schwer werden und den Boden berühren.

Auch gepflückt werden die Bio-Erdbeeren von Hand. Dabei kommen aber nicht ausländische Erntehelfer zum Einsatz, sondern Hausfrauen aus dem Dorf. So wird dann während der Saison jeden Morgen von Acht bis Zehn geerntet.

Erdbeerfest

Obwohl die Erdbeeren sicher das Aushängeschild des Bio-Guts sind, machen sie nur einen kleinen Teil des Angebots aus. Auf dem Betrieb wachsen auch diverse Früchte, Gemüse und Getreide, und es werden Schweine und Kühe gehalten. Ein Teil derer Milch wird gleich auf dem Hof zu Butter und Joghurt verarbeitet. Trotzdem scheint die Erdbeere den Takt anzugeben: Am 16.Juni findet auf dem Hof von 9 bis 16 Uhr das Erdbeerfest statt. «Da wird es Erdbeeren zum Essen geben ohne Ende!»