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Ruedi Winet sieht keine Mengenausweitung: «Wir füttern keine Sozialbranche auf»

Obwohl sich die Zusammenarbeit verbessert hat, wünschen sich die Gemeinden mehr Mitspracherecht.

Patrick Gut
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Die Kesb stellen den Schutz von Personen sicher, welche die notwendige Unterstützung nicht selber einholen können. Zu den häufigsten Aufgaben gehören Beratungsgespräche. Symbolbild Keystone

Die Kesb stellen den Schutz von Personen sicher, welche die notwendige Unterstützung nicht selber einholen können. Zu den häufigsten Aufgaben gehören Beratungsgespräche. Symbolbild Keystone

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Sind die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) im Spiel, geht es meist um die Fremdplatzierung von Kindern. So lautet eine Befürchtung, die sich spätestens seit dem Fall Flaach in den Köpfen der Bevölkerung festgesetzt hat. Dort hatte eine Mutter Anfang 2015 ihre beiden Kinder und später sich selbst getötet, nachdem die zuständige Kesb die vorübergehende Unterbringung der Kinder in einem Heim angeordnet hatte.

Tatsächlich macht die Platzierung von Minderjährigen deutlich weniger als 5 Prozent der Massnahmen aus, welche die 13 Kesb-Organisationen im Kanton jedes Jahr aussprechen. Ende 2015 bestanden kantonsweit 21 352 Massnahmen, wie gestern am Jahresmediengespräch der Zürcher Kesb zu erfahren war.

Damit ist die Gesamtzahl innert dreier Jahre – berücksichtigt man die Bevölkerungsentwicklung – stabil geblieben. Zwei Drittel der Massnahmen betreffen Erwachsene, ein Drittel Kinder. Im Vordergrund stehen Beistandschaften. Ende 2015 gab es 872 Platzierungen von Minderjährigen. Diese Zahl ist leicht rückläufig.

Es habe also keine Mengenausweitung gegeben, seit 2013 von den Vormundschaftsbehörden auf die Kesb umgestellt wurde. «Es ist nicht so, dass wir eine Sozialbranche auffüttern», sagte Ruedi Winet, der Präsident der Kesb-Präsidien-Vereinigung Kanton Zürich (KPV).

«Die Zürcher Kesb blicken auf ein herausforderndes Jahr zurück», sagte Winet. Man habe aus den Schwierigkeiten der Vergangenheit gelernt und arbeite an der Weiterentwicklung. Momentan erarbeite eine interne Arbeitsgruppe Kriterien dafür, wann ein Kind eine Begleitung benötige, die seine Interessen im Verfahren bei den Behörden vertrete.

Gemeinden als Schlüssel

Als Schlüsselfaktor bezeichnete Winet die Zusammenarbeit zwischen Kesb und Gemeinden. Sie bilde eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Kindes- und Erwachsenenschutz. Die Gemeinden bilden die Trägerschaft der Behörde und sie müssen die Unterstützungsmassnahmen wie zum Beispiel Heimaufenthalte finanzieren. Sie haben aber wenig Einfluss.

Nun haben der Gemeindepräsidentenverband des Kantons Zürich (GPV), der KPV und die Sozialkonferenz des Kantons Empfehlungen für eine gute Zusammenarbeit verabschiedet. Unter anderem wird der Informationsfluss verbessert. Der Leitfaden enthält verschiedene Massnahmen. So wird in jeder Gemeinde eine Kontaktperson für die Kesb bestimmt. Neu können die Gemeinden auch Stellungnahmen abgeben.

Noch nicht am Ziel

GPV-Präsident Jörg Kündig zog am Mediengespräch seitens der Gemeinden ein gemischtes Fazit: «Verbesserungen sind spürbar. Aber wir sind noch nicht am Ende der gewünschten Entwicklung.» Für die Gemeinden sei es nach wie vor schwierig,zu verstehen, dass das Sprichwort «Wer zahlt, befiehlt» im Zusammenhang mit der Kesb nicht gelte.

Ordne die Kesb eine Massnahme an, komme das einem Richterspruch gleich. Man könne sich nur vor Bundesgericht wehren. Auf nationaler Ebene wird jetzt ein Beschwerderecht für die Gemeinden diskutiert. «Aus unserer Sicht wäre ein solches wünschenswert», sagt Kündig. Für den GPV-Präsidenten ist es wichtig, dass die Absprachen zwischen Gemeinden und Kesb geschehen, bevor die Schutzbehörde einen Entscheid fällt.

Die Kesb stellen den Schutz von Personen sicher, welche die notwendige Unterstützung nicht selber einholen können. Sei dies, weil sie minderjährig sind und sich die Eltern nicht um sie kümmern können oder weil sie geistig behindert oder schwer suchtkrank sind. Erfährt die Kesb von einer Gefährdung, klärt sie ab, wie geholfen werden kann.