Fussball

Schlechte Stimmung und Geldprobleme? Schlieren wehrt sich gegen Störfeuer

Der 2.-Liga-Aufsteiger ist vor und hinter den Kulissen erfolgreich. Doch hinter vorgehaltener Hand machen unschöne Gerüchte die Runde. Trainer Caputo und Präsident Fulginei halten die sportliche Bilanz dagegen.

Raphael Biermayr
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Antonio Caputo bleibt in Schlieren – als Sportchef.

Antonio Caputo bleibt in Schlieren – als Sportchef.

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Ein Team ist auf Kurs. Der FC Schlieren steht auf Platz 3 in der 2.-Liga-Meisterschaft. Zuletzt feierte der Aufsteiger vier Siege in Serie, darunter gegen das Spitzenduo. Trainer Antonio Caputo verwies dabei stets auf die vielen Verletzten und wertet seine Arbeit damit selbst auf.

Vor zwei Wochen machte er öffentlich, dass er Ende Saison zurücktreten wird. Nach drei Jahren sei seine Mission erfüllt, begründete er seine Entscheidung sinngemäss. Beste Voraussetzungen also, dass Caputo, der den FCS nach 28 Jahren wieder in die 2. Liga geführt hat, als Held abtreten wird.

Caputo: «Dummes Gerede»

Doch die Angelegenheit mutet seltsam an. Der ehrgeizige Trainer hat erst im Winter enorme Verstärkungen für die Mannschaft geholt. Das Potenzial für weitere Höhenflüge in der Zukunft ist zweifelsohne gegeben.

Steckt mehr hinter dem Abgang? Auf der langen Absenzenliste, auf die sich Caputo gern beruft, finden sich Spieler, die nachweislich nicht verletzt und/oder nicht mehr im Kader sind. Hinter vorgehaltener Hand kritisierten auch aktuelle Kaderspieler die Qualität der Trainings oder die taktischen Vorgaben.

Das heisst es von Spielern, die nicht mehr dabei sind. Und weil das einige sind, musste Caputo kürzlich für die Ersatzbank auf altgediente Kräfte wie Sven Seifriz und Michi Costantino aus der zweiten Mannschaft zurückgreifen.

Wer den Trainer auf diese Sachverhalte hinweist, bringt ein Fass voller Herzblut zum Überlaufen. In einem langen Monolog redet sich Caputo den angestauten Frust von der Seele. Es geht um die ständigen Seitenhiebe von aussen, dass die Mannschaft zusammengekauft sei, und vor allem geht es um die geringe Wertschätzung seiner Arbeit. Seine Konklusion: «Man soll aufhören, etwas Negatives zu suchen – das ist dummes Gerede.»

Erfolgreich wie seit 1969 nicht mehr

Caputo hat starke Argumente, die ihn stützen: die Resultate. Der zahlenfeste Inhaber einer Treuhandfirma führt in atemberaubendem Tempo durch bald 100 Jahre Vereinsgeschichte, und kommt zum Schluss: «Wir erleben gerade den Höhepunkt im Bestehen des FC Schlieren!»

Die Helden von 1969, als der Verein als Zürcher Regionalmeister in den Aufstiegsspielen zur 1. Liga stand, werden möglicherweise gegen diese Behauptung protestieren. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass seit Caputos Übernahme im Sommer 2013 Enormes geleistet worden ist. Gerade auch, was die positive Entwicklung bei den Strafpunkten angeht – vor dem Italiener ein Grund für Kummer.

Der Aufschwung betrifft nicht nur die Arbeit auf dem Fussballplatz. Im März 2014 wurde Mauro Fulginei zum Vereinspräsidenten gewählt. Mit ihm hielten ein frischer Wind und eine neue Generation Einzug in den Vorstand. Das einstige Motto der Stadt trifft auf ihren Fussballklub zu: Schlieren macht vorwärts.

Es sind Dinge wie die Anzeigetafel oder das moderne Vereinsmagazin, das zwecks Nähe zur Bevölkerung in die Schlieremer Haushalte verschickt wird, die das nach aussen hin verdeutlichen. Die neue Lebendigkeit im Klub und die Verjüngung zeigt sich auch in der digitalen Welt: Die Social-Media-Aktivitäten, die auf der modernen Homepage zum Ausdruck kommen, suchen ihresgleichen in der Region. Dass der als wählerisch bekannte Laurent Fessel als Juniorenobmann gewonnen werden konnte, ist ein weiteres Indiz für die guten Bedingungen.

Fulginei: «Eine Form der Anerkennung»

Wie Caputo trifft es deshalb auch Fulginei schwer, wenn er hört, was man sich über die Stimmung in der ersten Mannschaft erzählt. Besonders, wenn es um das Thema Geld geht. «Solche Äusserungen bin ich leid und empfinde sie als schlichtweg lächerlich und unüberlegt. Wie sonst will man sich vier Siege in Folge erklären? Ich komme leider nicht drum herum, zu diesem mühseligen Thema Folgendes zu zitieren: Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.»
Geradezu bestürzt reagiert Fulginei, als er hört, dass auf der LiZ-Redaktion ein – nicht belegter – Hinweis eingegangen ist, wonach Caputos Rücktrittsentscheidung mit ausgebliebenen Überweisungen des Trainerhonorars zusammenhänge.

«Solche Ammenmärchen überraschen mich nicht, ich habe dafür lediglich ein Lächeln übrig. Nur über die Erfolgreichen wird spekuliert, wir stehen folglich nicht ohne Grund im Fokus. So freut es mich umso mehr, mitteilen zu dürfen, dass Caputo als neuer Sportchef im Vorstand ernannt wurde. Würden diese Gerüchte stimmen, wäre er sicher nicht dem Vorstand beigetreten.»

Ein Denkmal für Caputo?

Der weiterführende Erfolg soll auch das Fanionteam betreffen, «sofern es mit der Philosophie und der Vereinsentwicklung des FC Schlierens übereinstimmt.
Wir sind und bleiben ehrgeizig», hält der Präsident fest.

Der neue Trainer ist noch nicht bestimmt. Es soll «ein würdiger Nachfolger» für Caputo werden. Einer also, der die Qualitäten mitbringt, das Team gegebenenfalls noch weiter nach oben zu führen. Caputo sagt, er selbst könne nicht mehr erreichen.

Die grösste Leistung des künftigen Sportchefs ist wahrscheinlich, trotz der bissigen Kommentare und der vielen Änderungen im Kader eine Mannschaft geformt zu haben, die auch Aufstiegskandidaten an die Wand spielen kann.

«Wenn alles stimmen würde, was man sich erzählt», sagt Caputo mit der Ruhe eines Siegers, «müsste man mir angesichts des Erfolgs ein Denkmal auf dem Zelgli errichten.»