Stadt Luzern
Umfrage zur Corona-Politik: Aus Angst vor Reaktionen bleibt die Kamera aus

PilatusToday hat die Bevölkerung am Mittwoch in der Luzerner Altstadt nach ihrer Meinung zur Corona-Politik der Schweiz gefragt. Zu streng? Zu locker? Gut so, weiter so? Eine Umfrage, die viel Zündstoff beinhaltet. Dass aus Angst vor Reaktionen aber keine einzige Person vor unsere Kamera stehen will, das haben wir nicht erwartet.

Livia Barmettler
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«Grüezi, wir sind von PilatusToday und machen eine Umfrage zur Corona-Politik der Schweiz. Wie fühlen Sie sich in der aktuellen Lage mit den steigenden Fallzahlen? Finden Sie die Massnahmen angemessen?» «Ähm…», der Blick fällt auf die Kamera, «ich möchte lieber nichts dazu sagen». Dieses Szenarium kennen wir zwar, weil es bei Umfragen immer wieder Menschen gibt, die sich lieber nicht äussern möchten. Voll okay. Dass aber jede einzelne Person, die wir ansprechen, so reagiert, das ist ungewohnt.

Wir fragen nach den Gründen und merken schnell: Es liegt nicht daran, dass die Menschen keine Meinung zur Corona-Politik des Bundes haben. Viel eher ist es die Angst vor negativen Reaktionen «der Kunden» oder «der Nachbarn» oder vor einem «vollen Briefkasten mit Hassbriefen», die sie an einem Statement hindern.

Also schalten wir unsere Kamera aus. Das Mikrofon ebenfalls. Und kommen auf einmal mit ganz vielen Menschen ins Gespräch.

Die Resonanz bezüglich der Corona-Politik des Bundes fällt mehrheitlich positiv aus. Ein grosser Teil der Befragten findet die Massnahmen angemessen. «Ich finde das in Ordnung so», sagt ein Mann. Je nach Dialekt und Wortwahl zwar leicht anders, inhaltlich aber eins zu eins gleich, hören wir das heute zigfach.

Einige äussern im Gespräch sogar den Wunsch nach strengeren Massnahmen, beispielsweise einen Lockdown für Ungeimpfte oder eine generelle Impfpflicht. Viele sehen die Impfung als einzige Lösung, um die immer wiederkehrenden Pandemiewellen einzudämmen. Eine Frau bringt auf den Punkt, wovon viele der Befragten sprechen:

«Man soll sich einfach impfen lassen.»

Eine andere Frau schlägt vor, dass Menschen sich trotz Impfung testen sollen, um sich Zutritt zu den Restaurants und Bars sowie Kulturveranstaltungen zu verschaffen. Jemand findet 2G die passende Massnahme, sodass «ich als Geimpfte auch mal eine Art Belohnung kriege für das, was ich mache», so die Befragte.

Ist die Coronapolitik zu lasch oder doch zu streng?

Auch wenn viele sagen, dass sie mit dem Bundesrat und seiner Corona-Politik zufrieden sind, wirft man ihm zum Teil auch vor, insbesondere am Anfang viel zu lasch gehandelt zu haben. Weiter zweifeln einige der Befragten in Bezug auf die Massnahmen den Föderalismus an und wünschen sich mehr Einheit.

Ein paar der Befragten empfinden den Fahrplan des Bundes als zu streng. Ihrer Meinung nach sollte mehr an die Eigenverantwortung der Gesellschaft appelliert und alle Massnahmen aufgelöst werden. «Nur auf diese Weise lernen wir, damit zu leben», heisst es.

Auch nach den persönlichen Gesprächen wollen die Befragten ihr Statement nicht vor laufender Kamera wiederholen. Einige von ihnen stimmen allerdings zu, dass wir ihr Statement aufnehmen dürfen. Mit dem Mikrofon, aber ohne Namen und Kamera. Damit sie niemand erkennt, weder die Kunden noch die Nachbarn. Die anonymen Statements sind im Video zusammengeschnitten.

«Dass Gegner und Befürworter wieder mehr miteinander reden und sich weniger extrem verhalten», das wünscht sich einer der Befragten am Ende des Gesprächs. Wir wünschen uns das auch. Damit hoffentlich bald wieder freier entschieden wird, was man vor laufender Kamera bei einer Strassenumfrage sagen will. Denn darum geht es schliesslich in unseren Umfragen: Um die Möglichkeit, seine persönliche Meinung zu äussern.

Auf die Gespräche am Vormittag folgte am Nachmittag eine Konferenz des Bundesrates. Dieser schätzt die Corona-Lage zwar als kritisch ein, wartet jedoch mit Verschärfungen noch ab. Weil sich die Pandemie regional unterschiedlich entwickle, sollen die Kantone notwendige Massnahmen ergreifen. Hier noch das wichtigste zur gestrigen Medienkonferenz:

  • Die Kantone müssten die Verantwortung übernehmen und regional angebrachte Verschärfungen verordnen.
  • Die Kantone sollen in den Schulen repetitive Tests durchführen und die Zertifikatspflicht für Mitarbeitende und Besuchende in Gesundheitseinrichtungen einführen.
  • Das Volk müsse konsequent weiter die Basismassnahmen einhalten: Abstand halten, Maske tragen, regelmässiges Lüften und Testen.
  • Impfturbo noch einmal zünden – vor allem die Auffrischimpfungen sollen so rasch wie möglich durchgeführt werden.
  • Zeigen die kantonalen Massnahmen keine Wirkung, werde der Bund schweizweit verschärfen.

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