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LZ-Weihnachtsaktion: «Stimmen in meinem Kopf sagen mir, wie schlecht ich bin»

Er hört Stimmen, die nur in seinem Kopf existieren. Markus Imfeld leidet an einer schizoaffektiven Störung. Ein normales Leben wird er nie führen können. Aber mehr für seinen kleinen Sohn da sein: Das ist sein grösstes Ziel.
Arno Renggli
Seine Krankheit wird ihn ein Leben lang quälen: Markus Imfeld am Pilatusplatz in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 20. November 2018)

Seine Krankheit wird ihn ein Leben lang quälen: Markus Imfeld am Pilatusplatz in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 20. November 2018)

Markus Imfeld (Name geändert) ist ein kräftiger junger Mann. Auf dem Stuhl aber macht er sich klein, knetet seine Hände, bewegt den Oberkörper fast pausenlos vor und zurück. Schizoaffektive Störung, so lautet der Fachbegriff für die psychische Krankheit, die er hat. Ein Symptom ist, dass er Stimmen hört. «Sie sagen mir, was ich zu tun habe. Dass ich gehorchen und mich ducken soll. Wie schlecht und wertlos ich bin. Sie erniedrigen mich und machen mir Angst.»

Der 29-Jährige verbringt rund die Hälfte der Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Wenn es ihm besser geht, lebt er in einer sozialen Einrichtung mehr oder weniger selbstständig. Es wechselt immer wieder. Dank einer Medikamentation, die inzwischen gut eingestellt ist, hat er keine Psychosen mehr. Konkret heisst das: Wenn er Stimmen hört, behält er sein Bewusstsein und weiss auch, dass die Stimmen nur in seinem Kopf existieren. «Bei den Psychosen war ich jeweils nicht mehr bei mir selber, sondern total gefangen in meinem Wahn und in meiner Angst. Das war schlimm.»

Während mehrerer Monate in einem Isolationsraum

14 Jahre alt ist er, als die Diagnose gestellt wird. Über seine Kindheit will Markus Imfeld nicht gross reden. Geplagt worden sei er in der Schule, er sei halt anders gewesen, ein ADHS-Kind. Leistungsmässig bleibt er zurück, es kommt zu Ausrastern und Aufenthalten in der Jugendpsychiatrie. Dann stirbt sein Grossvater, ein Schlüsselereignis. Er erleidet die erste Psychose. «Sie war so schlimm, dass man mich mehrere Monate lang in einem Isolationszimmer einsperren musste. Ich habe kaum eine ­Erinnerung an diese Zeit.»

Spätestens ab da ist klar, dass Markus Imfeld psychisch schwer krank ist. Es ist eine Krankheit, von der es keine Heilung gibt. Nur Möglichkeiten, sie zu mildern und halbwegs zu kontrollieren. Genauso die Depressionen, die ihn ebenfalls quälen. Er wird wohl noch lange eine Betreuung brauchen, wie er sie heute durch eine Beiständin hat. Ein normales Berufsleben wird wohl nie möglich sein. Und wohl auch nicht, was man unter normalen Beziehungen versteht.

Und doch hat er inzwischen eine Familie – eine Partnerin und einen dreijährigen Sohn. «Sie sind mir wichtig. Aber es ist für mich schwierig, Freude darüber zu empfinden. Diese Verantwortung ist auch eine Belastung. Vor allem, weil ich den beiden viel mehr geben möchte, als ich es wirklich vermag.»

Der Traum von einer kleinen Reise zu dritt

Alleine zu seinem Sohn schauen, das funktioniert nicht. Zu wenig gut kann er sich konzentrieren. Und wenn es ihm besonders schlecht geht, schafft er es gar nicht, Mutter und Sohn zu besuchen. Auch jetzt ist so eine Phase. Seit vier Wochen hat er die beiden nicht mehr gesehen. Dass seine Partnerin durch alle Auf und Ab immer noch zu ihm hält, dafür ist er dankbar. Zumal er weiss, wie schwer es auch für sie als praktisch Alleinerziehende ist, nicht zuletzt finanziell. «Wenn ich kann, gebe ich ihr etwas, obwohl ich selber kaum etwas habe», sagt er. Kürzlich wollte er sich über einen geschützten Arbeitsplatz in einer Küche erkundigen. Dafür hätte er schwarze Hosen gebraucht. Aber er hatte kein Geld dafür.

Immerhin: Sein Sohn, der ihn trotz der seltenen Präsenz «Papa» nennt, stellt für ihn ein Ziel dar, auf das er hinarbeiten kann. Zum Beispiel, dass er irgendwann in der Lage sein wird, ihn alleine zu betreuen, eine Beziehung zu ihm aufbauen kann. Ein Traum von Markus Imfeld wäre, dass sie einmal zu dritt für ein paar Tage ins Tessin reisen. Es mögen bescheidene Ziele sein. Doch an vieles andere darf er realistischerweise nicht denken. «Ich weiss, ich werde wohl nie meinen Lebensunterhalt so bestreiten können, dass ich unabhängig bin. Und mir und meiner Familie etwas Schönes leisten kann. Dieser Gedanke macht mir oft zu schaffen.»

Spontanes Geschenk eines Unbekannten

Auch auf Medikamente wird er wohl sein ganzes Leben lang angewiesen sein. Und muss hoffen, dass sie ihm die Stabilität geben, die er braucht, um dennoch Fortschritte erzielen zu können. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihm mit einem Beitrag. Dieser soll ihm auch Mut machen und ihn eine gesellschaftliche Solidarität spüren lassen, die er lange Zeit vermisst hat. Obwohl es auch andere Beispiele gegeben hat: «Einmal war ich in einem psychotischen Anfall draussen unterwegs, barfuss und völlig neben mir. Da hat mich ein unbekannter Mann zu einem Kebab eingeladen. Und mir dann seine Schuhe geschenkt. Ich habe mich nie richtig bei ihm bedanken können.»

Am Freitag Einzahlungsschein:
So können Sie spenden

Am Freitag, 7. Dezember, wird ein zweites Mal der Einzahlungsschein zur diesjährigen LZ-Weihnachtsaktion unserer Zeitung beiliegen. Zum 23. Mal sammelt sie mit ihren Regionalausgaben für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind.
Spenden können Sie ab sofort auf das Postkonto 60-33377-5 und auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion.
Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich für jeden Beitrag!
Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2017 wurde mit rund 4,79 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. Die Zahl der Spenderinnen und Spender wuchs auf 16557, was ebenfalls Rekord ist. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 49 Millionen Franken gesammelt.
Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf rund 3700 belief. Dieses Jahr haben wir schon vor dem Start bereits wieder rund 2000 Anfragen erhalten.
Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen, nicht aber von Privatpersonen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.
Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird.
Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.

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