LZ-Weihnachtsaktion über eine junge Alleinerziehende: «Ich habe einen grossen Fehler gemacht»

Eine familiäre Notsituation führt oft auch noch in die Schuldenspirale. Dank gezielter Hilfe hat Monika Bucher* wieder Tritt gefasst.

Arno Renggli
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Wenn Rechnungen zum Problem werden: Alleinerziehende tragen ein besonders hohes Risiko, in die Armut und in die Schuldenspirale zu geraten. (Symbolbild: Getty)

Wenn Rechnungen zum Problem werden: Alleinerziehende tragen ein besonders hohes Risiko, in die Armut und in die Schuldenspirale zu geraten. (Symbolbild: Getty)

Es sah wie die ideale Lösung aus: Auf einen Schlag ist der Druck weg, man erhält Zeit, das Problem in verdaubaren Etappen zu lösen. Es kommt doch noch gut, dachte Monika Bucher (* Name der Redaktion bekannt), alleinerziehende Mutter zweier Schulkinder. Genau das Gegenteil geschah: Das Problem wuchs.

Angefangen hat alles mit der Trennung von ihrem Mann. Mit nunmehr zwei Wohnungen wird das Geld sofort knapp, auch wenn die beiden nicht im Streit auseinandergehen. Aber der Mann arbeitet im Niedriglohnbereich, gerät ans betreibungsrechtliche Existenzminimum, die Alimente sind entsprechend tief. Monika Bucher kann sich einen 50-Prozent-Job besorgen, den grossen Lohn hat auch sie nicht. Für sie und die beiden Kinder reicht das Geld hinten und vorne nicht. Unbezahlte Rechnungen beginnen sich zu stapeln, dann kommt Unvorhersehbares, eine Brille für eins der Kinder, Zahnarztkosten, Reparaturen am alten Auto. «Immer öfter musste ich mich entscheiden: Bezahle ich eine Rechnung oder kaufe ich uns etwas zu essen?»

Die vermeintlich perfekte Lösung

Irgendwann betragen die Schulden 30000 Franken, es ist aussichtslos. Wirklich? Ein Kreditunternehmen bietet die perfekte Lösung: 30000 Franken sofort, damit sind die Schulden auf einen Schlag weg, der Kredit lässt sich in bequemen Monatsraten à 500 Franken zurückzahlen. «Im Grunde habe ich mir Zeit gekauft», sagt Monika Bucher. «Ich habe einen Fehler gemacht.»

Denn der Kredit – für einen effektiven Jahreszins von 11,9 Prozent! – lässt sich nicht tilgen. Jemand, der am betreibungsrechtlichen Existenzminimum lebt, kann kaum monatlich 500 Franken aufbringen. Der Kreditgeber droht mit Betreibungen. Und zahlt sie Raten, bleiben andere Rechnungen liegen. Nach kurzer Zeit ist die junge Mutter zurück im Teufelskreis, dem sie doch entfliehen wollte. Endlich macht sie den richtigen Schritt: Sie sucht Hilfe.

Spenden wirken vervielfacht

An dieser Stelle berichten wir exemplarisch, wie wir Spendengelder einsetzen. Gezielt helfen wir auch mit, Menschen von Schulden zu befreien. Dies, wenn sie aus sozialer Not hineingeraten sind, die Sanierung nachhaltig ist und mit dem Geld ein Erlass weiterer Schulden erreicht werden kann. Jeder Franken, den die LZ-Weihnachtsaktion hier einsetzt, hat also eine vervielfachte Wirkung.

Die Schuldenberatung Luzern hilft ihr zunächst, überhaupt wieder einen Überblick zu gewinnen. Vor allem aber wird festgestellt, dass der Bankkredit wegen der finanziellen Lage von Monika Bucher nicht in dem Umfang gewährt hätte werden dürfen: Ein Kredit darf nicht in eine Überschuldung führen. Die Schuldenberatung hilft ihr, aus dem Kredit rauszukommen, sodass sie über die Dauer von 36 Monaten monatlich 100 Franken abtragen muss. Eine Expertin der Schuldenberatung verhandelt mit der Kreditbank um einen teilweisen Erlass. Schliesslich einigt man sich. Auch die LZ-Weihnachtsaktion hat mit einem Beitrag an die Zahnarztkosten der Kinder geholfen, Monika Bucher aus der Schuldenfalle zu holen. «Das war eine enorme Entlastung, für die ich sehr dankbar bin.» Voraussetzung war, dass sie ihre Finanzen wieder im Griff hatte. Tatsächlich ist sie neben wenigen noch zu bezahlenden Rechnungen heute schuldenfrei.

«Ich möchte die Kinder vor der Armut schützen»

Noch immer lebt sie mit ihren Kindern am betreibungsrechtlichen Existenzminimum. Aber mittelfristig kann sie ihr Arbeitspensum erhöhen, zumal die Betreuung der Kinder allmählich etwas weniger zeitintensiv wird. «Es braucht viel Energie, immer so knapp kalkulieren zu müssen. Und ich möchte die Kinder vor der Armut schützen, obwohl sie genügsam sind und verstehen, dass wir nicht wie andere in die Ferien fahren können. Aber unsere Situation wird sich bessern, wir sind glücklich und schauen mit viel Zuversicht nach vorn.»

Die LZ-Weihnachtsaktion läuft:
So können Sie spenden und helfen

Am Freitag, 6. Dezember, liegt nochmals der Flyer mit Einzahlungsschein zur diesjährigen LZ-Weihnachtsaktion der Printausgabe unserer Zeitung bei. Zum 24. Mal sammelt sie mit ihren Regionalausgaben für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind. Spenden können Sie auf das Postkonto 60-33377-5 (IBAN-Nummer: CH89 0900 0000 6003 3377 5) und online via www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion. Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich!

Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2018 wurde mit rund 4,9 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. Total 16309 Spenderinnen und Spender halfen mit. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 54 Millionen Franken gesammelt.

Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf 3848 belief, ebenfalls ein neuer Höchstwert. Dieses Jahr haben wir, kaum ist die Sammlung gestartet, bereits rund 2000 Anfragen erhalten. Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen, nicht aber von Privatpersonen eingereicht werden. Jedes Gesuch wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfach­leuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die wieder vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird.

Geschäftsstelle LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Infos: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.