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LZ-Weihnachtsaktion: «In mir ist so viel zerbrochen» – Junge Mutter über die Drogensucht des Kindsvaters

Sara Müller (31) weiss nicht, wie es für sie und ihre kleinen Töchter weitergeht. Deren Vater ist nach jahrelangem Drogenmissbrauch in einer Entzugsklinik. Vorangegangen sind dramatische Erlebnisse.
Arno Renggli
Die Luzernerin Sara Müller (alle Namen geändert) mit ihren Töchtern Jessica und Chiara. Inwieweit die Kinder ihren Papa zurückbekommen, ist völlig ungewiss. (Bild: Pius Amrein, 31. Oktober 2018)

Die Luzernerin Sara Müller (alle Namen geändert) mit ihren Töchtern Jessica und Chiara. Inwieweit die Kinder ihren Papa zurückbekommen, ist völlig ungewiss. (Bild: Pius Amrein, 31. Oktober 2018)

«Wenn ich damals gewusst hätte, was es bedeutet, hätte ich mich nie darauf eingelassen.» Sara Müller (alle Namen von der Redaktion geändert) spricht von ihrer Beziehung mit einem Mann, der regelmässig harte Drogen nahm. Kennen gelernt haben sie sich vor gut sieben Jahren am Luzerner Fest. «Zuerst habe ich gar nichts gemerkt. Und als ich allmählich dahinterkam, unterschätzte ich das Problem. Ich war naiv, hatte keine Ahnung von Drogen.» Nachdem ihr Freund einen Entzug gemacht hatte, schien alles gut zu werden. «Wir liebten einander, wollten eine Familie gründen, und rasch war ich schwanger.» Vor knapp vier Jahren kommt Töchterchen Jessica auf die Welt.

Zunächst läuft alles gut. Aber der junge Vater ist nicht nur familiär gefordert. Ihn drücken geschäftliche Probleme. Er hat mit einem Kollegen eine Firma gegründet, doch die Finanzen kriegen sie nicht in den Griff. Der Stress führt dazu, dass er wieder zu den Drogen greift. Wieder gibt ihm Sara Müller Chance um Chance, glaubt weiterhin an ihre Liebe, mit Chiara kommt ein zweites Töchterchen zur Welt.

Er bewaffnet sich mit einem Messer

Doch die Situation eskaliert immer mehr. Sara Müllers Partner wird zunehmend unberechenbar, hat unkontrollierte Wutausbrüche auch vor den Kindern, beschimpft und verteufelt seine Partnerin, macht Schuldzuweisungen, setzt sie enormem Druck aus. «Geschlagen hat er mich nicht. Hierauf hätte ich klar reagieren können. Mit dem ständigen Psychoterror hingegen kann man kaum umgehen. Das machte mich kaputt. Eines Nachts hat er sich in seiner Drogenparanoia mit einem Messer bewaffnet. Was wäre passiert, wenn eines der Kinder aus dem Schlafzimmer gekommen wäre?» Lange hält sie aus und durch. Auch weil sie mittlerweile weiss, dass ihr Partner eine schlimme Kindheit gehabt hat, in einer Familie, wo der Vater ein gewalttätiger Alkoholiker war. Lange versucht sie zu verstehen, zu vergeben, natürlich auch, um die Familie zusammenzuhalten. Irgendwann kann sie nicht mehr.

«Der ständige Psychoterror machte mich kaputt.»

An einem Abend im letzten Juni bringt ein vergleichsweise harmloser Streit das Fass zum Überlaufen. Sara weist ihren Partner aus der Wohnung. «Er hat es zögerlich akzeptiert. Vielleicht war es eine Art Weckruf für ihn. Vielleicht hat er endlich realisiert, dass er wirklich ein Problem hat. Und dass er seine Familie verlieren könnte.» Er kommt in die Entzugsabteilung einer psychiatrischen Anstalt, demnächst wird er in eine Institution wechseln, welche die Suchtproblematik auch von der psychischen Seite her angeht und erste Schritte für einen sozialen Wiedereinstieg versucht. Dies wird sicher ein halbes Jahr dauern, der Ausgang und vor allem der nachhaltige Erfolg ist ungewiss.

Töchterchen kennt ihren Papi gar nicht

Dies gilt auch für die Beziehung der beiden Eltern. «Ich weiss es nicht», antwortet Sara Müller auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, wieder mit ihm zusammenzukommen. «In mir drin ist so viel zerbrochen. Ich war auch sehr wütend auf ihn. Vor allem, weil er dies den Kindern angetan hat. Es war gewissermassen eine Erleichterung, als er gegangen ist.» Auch in Bezug auf die Kinder weiss sie nicht, ob sie ein solches Wagnis eingehen würde. «Chiara ist noch so klein, die kennt ihren Papi gar nicht. Jessica hat eine Zeit lang oft nach ihm gefragt und versteht ein Stück weit, dass er krank ist. Er wird die Kinder sicher regelmässig sehen können. Auch unbegleitet, wenn das irgendwann möglich ist. Wobei ich keinerlei Risiko eingehen werde.»

Die Verantwortung für die Kinder wird wohl bei ihr allein bleiben. Auch finanziell muss sie selber über die Runden kommen. Schwierig genug, zumal sie früher allzu oft Schulden ihres Partners bezahlt hat. Mit einem Teilpensum im Pflegebereich und regelmässigen Nachtschichten versucht sie, möglichst viel selber zu stemmen. Doch sie hat Angst, etwa die Wohnungsmiete nicht mehr bezahlen zu können und sich etwas anderes suchen zu müssen. Dabei wäre gerade für die Kinder auch in dieser Hinsicht Stabilität nötig. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihr mit einem Beitrag.

«Wenn ich damals gewusst hätte, was es bedeutet, hätte ich mich nie darauf eingelassen.» Dieser Satz von Sara Müller basiert auf all dem Schlimmen, was sie erleben musste. Und doch ist er auch relativ. Denn ohne all dies hätte sie auch ihre beiden Töchter nicht gehabt. «Zum Glück habe ich die Kinder. Sie geben mir so viel Kraft. Für sie tue ich alles.»

Die LZ-Weihnachtsaktion ist gestartet:
So können Sie spenden

Am Samstag, 17. November, wird der Einzahlungsschein zur diesjährigen LZ-Weihnachtsaktion unserer Zeitung beiliegen. Zum 23. Mal sammelt sie mit ihren Regionalausgaben für Menschen in der Zentralschweiz, die in Not geraten sind.
Spenden können Sie ab sofort auf das Postkonto 60-33377-5 und auf www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion.
Auch SMS-Spenden sind möglich: Wählen Sie Nummer 488 und schreiben Sie LZWA plus Frankenbetrag (nur Zahl). Wir danken herzlich für jeden Beitrag!
Die LZ-Weihnachtsaktion ist in unserer Region fest verankert. 2017 wurde mit rund 4,79 Millionen Franken ein Spendenrekord realisiert. Die Zahl der Spenderinnen und Spender wuchs auf 16557, was ebenfalls Rekord ist. Seit der Gründung im Jahr 1996 wurden total über 49 Millionen Franken gesammelt.
Wie willkommen diese Hilfe ist, zeigt die Zahl der Hilfsgesuche, die sich letztes Jahr auf rund 3700 belief. Dieses Jahr haben wir schon vor dem Start bereits wieder rund 1000 Anfragen erhalten.
Gesuche können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen, nicht aber von Privatpersonen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus 13 ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus der ganzen Zentralschweiz. Beiratspräsident ist Urs W. Studer, alt Stadtpräsident von Luzern.
Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen in unserer Region helfen und neue Hoffnung geben wird. (are)

Hinweis
Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, Tel. 041 429 54 04.

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