1000er-Note scheint am beliebtesten zu sein – doch viele Schweizer kennen sie nur vom Hörensagen

Die Nationalbank kann sich der ungebrochenen Nachfrage nach dem neuen 1000-Franken-Schein sicher sein. Trotzdem bekommen Durchschnittsbürger die Note nur alle paar Jahre zu Gesicht.

Daniel Zulauf
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Am beliebtesten ist offensichtlich der Tausender. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl des wertvollsten Frankenscheins auf 47 Millionen Stück verdoppelt. Die Nachfrage nach dem violetten Wertpapier wächst doppelt so schnell wie der Durchschnitt der sechs umlaufenden Frankenscheine. Und die Schweizerische Nationalbank ist sich sicher, dass die Note auch in Zukunft heiss begehrt bleiben wird. Deshalb darf sie auch in der neuen Notenserie nicht fehlen.

In unveränderter Farbe aber kleiner und vor allem kürzer kommt das neue Stück daher, verziert mit Symbolen, welche die Vielseitigkeit der Schweiz darstellen sollen. Gedruckt auf einem Substrat, das die Bezeichnung «High-Tech» verdient. Es ist die zweitletzte Ausgabe im Rahmen der neunten Notenemission. Das Grossprojekt, des sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts und seit 1911 unter der alleinigen Regie der Nationalbank in regelmässigen Abständen wiederholt, wird im Herbst mit der Lancierung des neuen 100-Frankenscheins beendet werden.

Die Nationalbank präsentierte die neue 1000er-Note am Dienstag in Zürich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Die Nationalbank präsentierte die neue 1000er-Note am Dienstag in Zürich. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Grosse Noten werden seltener

Die Beliebtheit der 1000er-Note ist allerdings gar nicht so eindeutig, wie die Statistik suggeriert. Viele Schweizerinnen und Schweizer kennen das Papier nur vom Hörensagen. Eine vor der Nationalbank selber durchgeführte Umfrage über die Verwendung von Zahlungsmitteln zeigt, dass 60 Prozent der Leute innerhalb von zwei Jahren nie im Besitz eines solchen Scheines gewesen waren. Viele 1000er Noten bleiben offensichtlich lange Zeit in Tresoren und in anderen sicheren Orten liegen, statt dass sie für Einkäufe im Alltag eingesetzt würden. Im Durchschnitt kommt eine verbrauchte 1000er Note nur 0,34-mal im Jahr zur Nationalbank zurück um dort ausgetauscht zu werden. Bei allen andern Stückelungen ist die Umtauschquote mehr als doppelt so hoch. Unbestritten ist, dass die grosse Note im Zug der Finanzkrise und des Vertrauensverlustes der Banken als Wertaufbewahrungsmittel stark an Bedeutung gewonnen hat. Weniger klar ist, für welche Zwecke sie sonst noch eingesetzt wird. Die erwähnte Nationalbank-Umfrage zeigt zwar, dass viele Menschen ihre monatlichen Zahlungen immer noch gern am Postschalter erledigen und dafür auch die Tausender einsetzen. Doch dieses schweizerische Phänomen vermag den Hauptteil der Nachfrage nicht zu erklären.

Die Neuemission in der Schweiz steht auch im internationalen Kontext einigermassen Quer in der Landschaft. Die 2017 beschlossene Abschaffung der 500-Euro-Scheine wurde von der Europäischen Zentralbank mit dem Argument begründet, die grossen Noten seien ein geeignetes Mittel für Kriminelle, ihre illegalen Finanzflüsse zu verschleiern. Gleich argumentieren auch die Behörden in Singapur, die seit 2014 den wertvollsten Schein, eine 10000 Singapur-Dollar-Note im Gegenwert von rund 7500 US-Dollar aus dem Verkehr ziehen. Auch die Schweiz wurde 2016 von der Financial-Action-Task-Force, dem internationalen Gremium zur Festlegung von Standards zur Bekämpfung von Geldwäscherei, aufgefordert, die Risiken im Zusammenhang mit der Bargeldverwendung in der Schweiz zu untersuchen. In dem im Oktober abgelieferten Bericht werden diese Risiken aber als «moderat» eingestuft. Zwar bestehe ein «reales Missbrauchsrisiko» für Bargeld im Umgang mit Erlösen aus Drogenhandel, Betrug, Diebstahl und anderen Verbrechen sowie bei Steuervergehen, räumen die Schweizer Behörden ein. Doch der wachsende illegale Handel im Darknet, wo typischerweise Kryptowährungen als Zahlungsmittel eingesetzt würden zeigten, dass es für die Abwicklung des kriminellen Finanzverkehrs kein Bargeld brauche.

Grosse Nachfrage jeweils im Dezember

Verdächtig erscheinen auch saisonale Muster in der Nachfrage nach 1000er-Noten. Diese nimmt im Dezember jeweils markant zu. Für die SNB und ihren Vizepräsidenten Fritz Zurbrügg ist dieses Phänomen dem Weihnachtsgeschäft und den Gratifikationen geschuldet, die offenbar immer noch viele Firmen ihren Mitarbeitern in bar zukommen lassen. Doch an dieser These gibt es auch qualifizierte Zweifel. So glaubt der Basler Ökonom Yvan Lengwiler, dass manche Steuerpflichtige ihre Bankonti vor dem Jahresende leeren bzw. das Geld in den Banksafe verschwinden lassen, um so den Steuerbehörden ein geringeres Vermögen vorzugaukeln.

Ganz untätig will die Schweiz aber auch mit der neuen 1000er-Note nicht bleiben. In dem zu verschärfenden Geldwäschereigesetz sollen Edelmetall- und Edelsteinhändler künftig schon bei Barzahlungen von 15000 Franken besondere Sorgfaltspflichten walten lassen. Zurzeit liegt der Wert noch bei 100000 Franken. Auch für alle anderen Kassageschäfte soll der Schwellenwert ab 2020 auf 15000 Franken sinken. Dafür sollen die neuen Noten künftig für die Ewigkeit gültig sein. Ein Gesetzesvorschlag zur Abschaffung der 20-jährigen Umtauschfrist wird derzeit vom Parlament behandelt.