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130 neue Stellen für Stans

Die Pilatus Flugzeugwerke haben das Übergangsjahr besser als erwartet abgeschnitten. Nun steht das «Jahr der Wahrheit» an. Und das Unternehmen wächst nochmals kräftig.
Ein Mechaniker der Pilatus Flugzeugwerke arbeitet an einer PC-12. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 5.4.2016))

Ein Mechaniker der Pilatus Flugzeugwerke arbeitet an einer PC-12. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 5.4.2016))

Der alleinige Blick auf die Geschäftszahlen von 2016 lässt einen Absturz befürchten: Im vergangenen Jahr erzielte der Stanser Flugzeugbauer Pilatus einen Umsatz von 821 Millionen Franken. Das ist ein Rückgang von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch das Betriebsergebnis ist geschrumpft, von 191 Millionen Franken auf 89 Millionen Franken. Doch wie so oft sagen die Zahlen alleine nicht alles: So spricht Pilatus-Präsident Oscar J. Schwenk von einem erfolgreichen Jahr. «Wir haben das vergangene Jahr viel besser abgeschlossen als erwartet», sagt er. Nach den Rekordjahren 2014 und 2015 hatte das Unternehmen mit einem gar noch stärkeren Rückgang gerechnet. «Wir wussten, dass der Grossauftrag für die australische Luftwaffe erst dieses Jahr umsatzwirksam wird. Hinzu kamen natürlich die hohen Investitionen im Umfang von rund 100 Millionen Franken für die Entwicklung des Businessjets PC-24», erklärt Schwenk. Ohne diese Investitionen würde der Gewinn deutlich höher liegen.

Ein noch stärkerer Umsatzrückgang konnte insbesondere dank zusätzlicher Verkäufe von Flugzeugen des Typs PC-12 aufgefangen werden. Während 2015 total 70 PC-12 verkauft wurden, gelang es Pilatus im vergangenen Jahr den Absatz auf 91 Flugzeuge zu steigern. «Und das, obwohl die Vorzeichen sehr schlecht waren», betont Schwenk. Branchenweit gingen die Absätze von Flugzeugen nämlich zurück. Laut dem Branchenverband General Manufacturers Association Gama hatten im vergangenen Jahr mit Ausnahme von Pilatus alle grossen Flugzeughersteller mit stagnierenden oder gar sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Für Pilatus-CEO Markus Bucher ist der Verkaufserfolg beim PC-12 vor allem auf die Weiterentwicklung des Fliegers zurückzuführen. «Wir haben die Leistung verbessert, einen neuen Propeller entwickelt, der das Motorengeräusch in der Kabine reduziert und das Produkt aerodynamisch angepasst. Das hat vermehrt Kunden zu einem Kauf überzeugt», sagt Bucher. Der PC-12 hat sich inzwischen von einem Nischenprodukt zu einem etablierten Produkt entwickelt. Im laufenden Jahr wird Pilatus die 1500. Maschine ausliefern. «Und sogar die Konkurrenz kopiert uns», sagt Schwenk. Für ihn ist dies das grösste Kompliment.

Insgesamt hat Pilatus im vergangenen Jahr 117 Flugzeuge verkauft - nur vier Stück weniger als im Vorjahr. 56 Prozent der verkauften Maschinen waren Zivilflugzeuge. Doch auch im militärischen Bereich konnte das Nidwaldner Unternehmen Erfolge verbuchen. Der Flugzeugbauer konnte 17 Turbopropeller-Maschinen des Typs PC-21 an die Französische Luftwaffe und je zwei weitere an die Jordanische Luftwaffe sowie an ein Flugversuchs- und Testpiloten-Zentrum in England verkaufen. Aufträge im Umfang von 300 Millionen Franken. Auf den neuen Kunden Frankreich ist Schwenk besonders stolz. „Dass Frankreich, ein Land mit einer starken nationalen Flugzeugindustrie und einer schlagkräftigen Luftwaffe auf uns setzt, ist ein tolles Zeichen“, sagt er. Die Flieger aus der Schweiz werden für die Ausbildung der Piloten verwendet, die später auf dem Kampfflugzeug Rafale zum Einsatz kommen. Schwenk ist zuversichtlich, dass auch andere Länder, die den Rafale einsetzen, künftig bei Pilatus anklopfen werden.

Erfolge bei PC-12 und PC-21 hin oder her: Auch im vergangenen Jahr stand das jüngste Kind von Pilatus, der PC-24, im Rampenlicht. Für den Businessjet ist 2017 das entscheidende Jahr. Derzeit testet Pilatus den dritten Prototypen, bereits wurde die Serienproduktion des Fliegers bereits aufgenommen. Noch muss Pilatus aber die letzte und wichtigste Hürde überspringen: Vor der Auslieferung an die 84 Käufer muss der Flieger zertifiziert werden. «Ein Riesenaufwand», sagt Schwenk. Er rechnet damit, dass die Zertifikate der europäischen und der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde gegen Ende Jahr eintreffen werden. Erst dann kann Pilatus die Flugzeuge an die Kunden ausliefern. «Ich gehe aber nach wie vor davon aus, dass wir den ersten PC-24 noch dieses Jahr ausliefern können», betont Schwenk. Mit den 84 Bestellungen, die Pilatus angenommen hat, ist die Produktion bis Ende 2019 ausgelastet. Noch ist nicht bekannt, wann es ein neues Bestellfenster gibt.

An Aufträgen mangelt es jedoch nicht. Der Bestellungseingang ist im vergangenen Jahr auf über 1,7 Milliarden Franken angewachsen. «Darin sind die bestellten PC-24 im Wert von rund einer Dreiviertelmilliarde Franken noch nicht einmal eingerechnet», sagt Bucher. Erst wenn die Zertifizierung für den PC-24 vorliegt, werden die Bestellungen offiziell zum Bestellungseingang hinzugezählt. Bucher spricht deshalb auch von einem «Jahr der Wahrheit».

Die Entwicklung des PC-24 hat das Unternehmen in den letzten Jahren stark wachsen lassen. Seit 2009 hat Pilatus pro Jahr über 100 neue Stellen geschaffen. Auch im letzten Jahr kamen 56 Stellen hinzu. Insgesamt arbeiten 1961 Personen für Pilatus, davon ein Grossteil in Stans. Bucher rechnet, dass in diesem Jahr nochmals 130 Personen in Stans hinzukommen werden. Im Werk in den USA in Broomfield, Colorado wird ebenfalls ausgebaut. Die Mitarbeiterzahl dürfte sich 2017 verdoppeln – von 75 auf 150 Personen. Mit dem Markteintritt des PC-24 wird der dortige Personalbestand schliesslich auf rund 200 Mitarbeitende ansteigen.

Auch baulich hat das Wachstum Spuren hinterlassen. Auf dem Areal in Stans gibt es gleich mehrere Baustellen. So wurde ein neues Oberflächenzentrum gebaut, in dem die Flieger unter anderem lackiert werden. Fast fertig gestellt ist auch die 10000 Quadratmeter grosse Montagehalle. Beide Gebäude werden im Laufe des Jahres in Betrieb genommen. In Stans hat Pilatus zudem 40 Millionen Franken in neue Fräsmaschinen investiert.

Ab 2018 dürfte sich das Wachstum bei Pilatus wieder etwas verlangsamen. «Dann gilt es zu konsolidieren und effizienter zu werden», sagt Bucher, der sich freut, wenn die Firma wieder etwas zur Ruhe kommt. Denn eigentlich sei Pilatus etwas zu schnell gewachsen. «Das starke Wachstum ist eine grosse Herausforderung und für die Mitarbeitenden bisweilen auch belastend», sagt er. Mehr wachsen will auch Pilatus-Präsident Schwenk nicht. «Im Vergleich zu anderen Flugzeugherstellern sind wir ein kleiner Player. Dies ist ein Vorteil, den wir behalten wollen – small is beautiful!», sagt er.

Roman Schenkel

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