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2019 stehen nochmals mehr Wohnungen leer - gibt es noch Wohnungsnot?

Rund 75000 Wohnungen werden nicht genutzt. Welche Folgen das hat, ist umstritten.
Niklaus Vontobel
Wie lange stehen die neuen Wohnungen leer? (Bild: Sandra Ardizzone)

Wie lange stehen die neuen Wohnungen leer? (Bild: Sandra Ardizzone)

In der Schweiz werden mehr Wohnungen gebaut, als es braucht. Die Zahl der leeren Wohnungen ist auf einen Rekordwert angestiegen. 75232 Wohnungen standen diesen Sommer leer – und damit nochmals 3029 Wohnungen mehr als im Vorjahr. Das hat eine Erhebung ergeben, die das Bundesamts für Statistik gestern veröffentlichte. Damit ist der Boom ungebrochen, der den Bau von Wohnungen vor sechs Jahren erfasst hat. Ab 2013 steigt die Zahl der leeren Wohnungen steil an, Jahr für Jahr kletterte darum die Leerwohnungsziffer ein Stück höher.

Eine wichtige Veränderung gab es dieses Jahr dennoch. 2019 zeigt sich eine Verlangsamung des Booms: So stieg die Zahl der leerstehenden Wohnungen weniger stark an als in den Vorjahren: Um rund 4 Prozent. Zuvor waren Zuwächse von durchschnittlich 12 Prozent zu beobachten.

Der Trend ist jedoch klar: Die Leerstände haben in der Schweiz erneut zugenommen. Das zieht einen langen Rattenschwanz von Folgen nach sich. Wobei teilweise heftig darüber gestritten wird, was der Boom der Bevölkerung bringt.

"Wer immer noch von Wohnungsnot spricht, der verkennt die Realität"

Von einer Wohnungsnot könne keine Rede mehr sein, findet der nationale Hauseigentümerverband. «Wer heute noch immer davon spricht, verkennt die Realität», steht in einer Medienmitteilung zu den neuen Leerstands-Zahlen. Der Vorwurf ist an den Schweizer Mieterverband gerichtet. Der Konter kam noch gleichentags. Es gebe zu wenig leere Wohnungen in den Agglomerationen. Also dort, wo viele Menschen eigentlich leben wollen, fand der Mieterverband. In den meisten grossen Städten bleibe die Leerwohnungsziffer tief. Die Auseinandersetzung wird noch an Schärfe gewinnen. Anfang 2020 wird über eine Initiative des Mieterverbandes abgestimmt, die mehr öffentliches Geld für bezahlbare Wohnungen fordert.

Unbestritten ist: Die regionalen Unterschiede sind gross. In Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf liegt die Leerwohnungsziffer nur bei durchschnittlich 0,46 Prozent, wie die Credit Suisse geschätzt hat. In der übrigen Schweiz ist sie 4 Mal so hoch: 1,9 Prozent.

Eine Berner "Geisterstadt"

Unbestritten ist auch: Mit den Leerständen nehmen die Risiken für die Investoren zu. Davor hatte Mark Branson bereits letztes Jahr gewarnt. Der Direktor der Finanzmarktaufsicht Finma illustrierte das Ausmass der Leerstände mit einem Vergleich. Man müsse sich eine «Geisterstadt» in der Grösse von Bern vorstellen. Jede einzelne Wohnung stehe in dieser Geisterstadt leer.

Daraus ergebe sich das Risiko, dass die Preise von Wohnungen fallen. Als Zweitrundeneffekt würden Banken hohe Verluste erleiden auf Kredite, die sie an Investoren vergeben hatten. Die Ausfälle würden Banken in Schieflage bringen, die dann weniger Kredite an Unternehmen vergeben. Dadurch würde die Wirtschaft auf Jahre hinaus geschwächt.

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