Reportage

25 Tonnen schwere Kräne und ein Volumen so gross wie eineinhalb Prime Towers: Roland Brack zeigt seinen neuen Bau in Willisau

Bei Competec in Willisau schreiten die Bauarbeiten am neuen Lagergebäude voran. Weil die Nachfrage seit dem Lockdown anhaltend hoch ist, wird der Bau nun wesentlich teurer als geplant. Die Belegschaft soll weiter wachsen.

Maurizio Minetti
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Competec-Gründer Roland Brack im Neubau, der in einem Jahr in Betrieb gehen soll.

Competec-Gründer Roland Brack im Neubau, der in einem Jahr in Betrieb gehen soll.

Eveline Beerkircher (Willisau, 2. Juli 2020)

Roland Brack zeigt in die Ferne und sagt: «Wir könnten noch zweimal ein solches Gebäude errichten, inklusive Zwischenbau.» Der 47-Jährige weiss, dass der Platz in Zukunft vielleicht wieder knapp werden könnte hier in Willisau. Seit acht Jahren betreibt der Aargauer Unternehmer im Rossgassmoos ein Warenlager für seine Competec-Gruppe, deren bekanntester Unternehmensteil der Onlinehändler Brack.ch ist. Jahr für Jahr ist seine Firmengruppe stark gewachsen. 240 Arbeitsplätze gingen in Willisau verloren, als der dänische Spielzeughersteller Lego der Gemeinde im Jahr 2006 den Rücken kehrte. Heute arbeiten hier wieder 350 Personen – Tendenz steigend.

Doch vor dem nächsten und übernächsten Ausbauschritt muss der Unternehmer noch den aktuellen Erweiterungsbau in Willisau fertig stellen. Nach einem langwierigen Streit mit Nachbarn gab das Bundesgericht letztes Jahr grünes Licht für den Bau eines neuen Gebäudes. «Wir rechnen damit, dass es Mitte des nächsten Jahres fertiggestellt sein wird», sagte Brack am Donnerstag bei einem Baustellenrundgang. 30 bis 40 Personen werden dann in dem Gebäude arbeiten, das über 30 Meter hoch ist. Das Volumen entspricht eineinhalb Mal dem Prime-Tower-Hochhaus in Zürich.

Firmeninhaber Roland Brack auf der Baustelle des neuen Gebäudes.
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Der Bau des Lagergebäudes schreitet zügig voran.
Die Nachfrage im Onlinehandel ist seit dem Lockdown anhaltend hoch – der Bau wird wesentlich teurer als geplant.
30 bis 40 Personen werden im Gebäude arbeiten, sobald es fertig ist.
Beim Baustellenrundgang erklärt Roland Brack: «Wir rechnen damit, dass das neue Logistikzentrum Mitte des nächsten Jahres fertiggestellt sein wird.»
Das Volumen des über 30 Meter hohen Gebäudes entspricht eineinhalb mal demjenigen des Prime Towers in Zürich.
Am Donnerstag wurden riesige Kräne angeliefert. Diese sorgen für den automatisierten Betrieb des Lagers.
Ein sogenanntes Regalbediengerät (gelb) – 25 Tonnen schwer und 35 Meter hoch.

Firmeninhaber Roland Brack auf der Baustelle des neuen Gebäudes.

Eveline Beerkircher (Willisau, 2. Juli 2020)

Bau kostet nun rund 70 Millionen Franken

Der Bau ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, denn hier war ursprünglich Moorgebiet. «Pfähle reichen so weit in den Boden wie das Gebäude hoch ist», erzählt Brack. Noch wird gehämmert, gesägt und geschweisst. Die Stahlgestelle für das Hochregallager sind aber bereits aufgebaut. Am Donnerstag wurden riesige gelbe Kräne angeliefert. Diese 25 Tonnen schweren und 35 Meter hohen Regalbediengeräte auf Schienen sorgen für den automatisierten Betrieb des Lagers. Auf der einen Seite werden Grossteile gelagert – dort bewegen sich die Kräne wie Lastwagen. Die andere Seite ist für mittelgrosse Stücke vorgesehen. «Dort bewegen sich die Kräne eher wie Sportwagen», so Brack, der in seiner Freizeit leidenschaftlich Offroad-Rallyes fährt.

Brack plante das Gebäude schon vor Jahren, als Corona noch weit weg war. Die Pandemie hat nun in den letzten Monaten für einen riesigen Ansturm gesorgt. Die Nachfrage ist in vielen bestehenden, vor allem aber auch in den neuen Supermarkt- und Drogerie-Sortimenten rasant gewachsen. «Zu Spitzenzeiten haben wir sieben Tage die Woche gearbeitet, heute sind es sechs», sagt Brack. Die Belegschaft wuchs zeitweise auf über 400 Personen. Brack holte viele Temporärleute von anderen Unternehmen, die während des Lockdowns ihre Angestellten nicht beschäftigen konnten. Nur so konnte die Logistik die hohe Nachfrage stemmen. Man sei «haarscharf am Kollaps vorbeigeschrammt», so Brack.

Nun hat sich die Nachfrage auf einem hohen Niveau konsolidiert. Zweischichtbetrieb und Sechs-Tage-Arbeitswochen seien aber nach wie vor erforderlich. Diesen Modus muss die Logistik voraussichtlich bis zur Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus beibehalten. Doch was ist, wenn die Nachfrage nachlässt? Brack glaubt nicht daran, im Gegenteil. «Wer einmal erlebt hat, wie schnell und effizient es ist, etwas online zu bestellen, geht kaum mehr zurück», sagt er.

Der Schub aus dem Lockdown lässt die Anforderungen an die Logistik steigen. Darum hat sich Competec nun für einen Vollausbau entschieden. Ursprünglich war ein etappierter Teilausbau geplant. Dies verteuert allerdings das ganze Projekt: Ursprünglich wurden 50 Millionen Franken für den Bau budgetiert, mittlerweile sind es bereits 70 Millionen.

Geste für das Gewerbe und Bonus für die Angestellten

Roland Brack ist ohne Zweifel ein Krisengewinner. Doch der zurückhaltende Unternehmer sieht sich nicht gern in dieser Rolle. «Auf Grund der äusseren Umstände sind wir während des Lockdowns auf der Seite der Glücklichen gelandet», sagt er fast entschuldigend. Den Branchen, die auf der anderen Seite gelandet sind, will er jetzt etwas zurückgeben. Ab sofort bietet der Onlineshop Brack.ch Wertgutscheine verschiedener Branchenvereinigungen an. Kunden können die Gutscheine zum halben Preis erwerben und später bei einem der angeschlossenen Betriebe einlösen. Unternehmen der ausgewählten Branchen – über 10'000 Restaurants, Kinos, Museen, Tourismusbetriebe – profitieren von den dadurch generierten Zusatzverkäufen. Brack.ch beteiligt sich mit 250'000 Franken an den Kosten für die Gutscheine. Freilich verdient der Onlinehändler an der Aktion keinen Rappen.

Einen Zustupf bekommen auch die Competec-Angestellten in Form einer Prämie in der Höhe von 500 Franken bei einem 100-Prozent-Pensum. Es sei grundsätzlich der Anspruch der Unternehmensleitung, in erfolgreichen Jahren den Mitarbeitenden etwas zurückzugeben, so Brack. Geht es nach den Vorstellung des Firmengründers, werden noch viele erfolgreiche Jahre folgen. Competec hat sich ein Kaufrecht für das angrenzende Industrieland von der Korporation Willisau gesichert. Im Kopf von Roland Brack fahren dort schon die ersten Kräne ein.

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