Glosse
Die Schweiz sucht diesen Mann: Wer zahlt für Chen Feng?

Chen Feng und seine HNA haben beim Kauf von Gategroup geschwindelt. Warum deren Ex-Präsident Andreas Schmid die Millionenbusse bezahlen sollte.

Daniel Zulauf
Merken
Drucken
Teilen
Chen Feng hat die Gategroup gekauft - und einen Scherbenhaufen zurückgelassen.

Chen Feng hat die Gategroup gekauft - und einen Scherbenhaufen zurückgelassen.

South China Morning Post

3'002'080 Franken, so viel Geld schuldet der chinesische Staatsangehörige Chen Feng dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), liest man am Dienstag im Bundesblatt. Die Behörde belangt den früheren Chef des längst zusammengebrochenen Finanzkonglomerates HNA für dessen Schummeleien beim Kauf der früheren Swissair-Tochter Gategroup.

Chen Feng hatte bei der Übernahme der Catering-Firma die Gategroup-Aktionäre in die Irre geführt, in dem er diesen im Angebotsprospekt unwahre Angaben über die Besitzverhältnisse bei HNA unterbreitet hatte. Doch als der Schwindel aufflog war die Transaktion längst über die Bühne. Schliesslich hatte es auch der seinerzeitige Gategroup-Verwaltungsrat eilig mit dem Verkauf.

Für den damaligen Gategroup-Präsidenten Andreas Schmid kam der Käufer aus China wie gerufen.

Für den damaligen Gategroup-Präsidenten Andreas Schmid kam der Käufer aus China wie gerufen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Der Zürcher Hedge-Fonds-Manager Rudolf Bohli wollte den Präsidenten Andreas Schmid verjagen und dem Unternehmen ein neues Management verpassen. Der Chinese kam für Schmid wie gerufen. Er spielte die Rolle des weissen Ritters und ersparte Schmid die Schmach der Niederlage. Danach geriet Gategroup vom Regen in die Traufe. HNA und Feng überspannten den Bogen bei ihrer wilden Einkaufstour in der westlichen Unternehmenswelt und hinterliessen dem chinesischen Staat einen Schuldenberg von über 100 Milliarden Dollar.

Feng muss gemäss einem chinesischen Gerichtsentscheid vom vergangenen September das Leben in Enthaltsamkeit lernen. Aus der kommunistischen Partei wurde er ausgeschlossen. Sein Aufenthaltsort ist gemäss EFD «zurzeit unbekannt».

Schmid verdiente 13 Millionen Franken mit dem Verkauf von Gategroup

Wer soll die Rechnung nun bezahlen? Vielleicht sollte man den chinesischen Staat belangen, der Feng zulange gewähren liess. Fairer wäre aber, wenn Andreas Schmid diesem zu Hilfe käme. Immerhin verdankt der Zürcher Multi-Verwaltungsrat seinem einstigen Retter, dass er immer noch im Verwaltungsrat von Gategroup mitwirken und mitverdienen darf. Vor allem aber verdiente Schmid am Verkauf von Gategroup an HNA dicke mit: 13 Millionen Franken hatte ihm der Verkauf seiner eigenen Aktienbeteiligung an die Chinesen eingebracht. Davon ist für einen kleinen Freundschaftsdienst für Chen Feng bestimmt noch etwas übrig.