Gewerkschaften
300 Millionen gefordert

Die Gewerkschaften lassen nicht locker mit der Forderung nach einem Aargauer 300-Millionen-Konjunkturprogramm. Ein Modell, dass den Anstieg der Arbeitslosigkeit auf einen Blick anschaulich vor Augen führt, soll dabei helfen, die öffentliche Meinung auf die Seite des «Bündnisses gegen die Krise» zu bringen.

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Urs Moser

Über 14 000 Menschen sind im Aargau auf Stellensuche: So erschreckend hoch die Zahl ist, so abstrakt bleibt sie doch irgendwie. Die Gewerkschaften gehen deshalb mit einer einfachen, aber eindrücklichen Visualisierung des Ausmasses der Krise auf Tournee. Sie wollen damit in der Öffentlichkeit für ein um ein Vielfaches grösseres Konjunkturprogramm als das vom Kantonsparlament beschlossene werben.

Gestern war die Installation in der Aarauer Innenstadt zu sehen, sie soll in den nächsten Wochen und Monaten in weiteren Städten und grösseren Gemeinden aufgestellt werden. Ein kleines Kartonmännchen steht für 50 Stellensuchende, 300 Männchen in Reih und Glied aufgestellt ergeben eine Kolonne von 30 Metern. Seit Jahresbeginn ist die Reihe bereits um sechs Meter gewachsen.

Kanton soll 300 Millionen aufwerfen

Und sie wird noch viel länger, vor allem wenn der Kanton nicht mehr zur Konjunkturstützung unternimmt. Davon ist das «Bündnis gegen die Krise» der Aargauer Gewerkschaften überzeugt. «Wir gehen davon aus, dass die Krise ihren Tiefpunkt noch lange nicht erreicht hat», sagt Gewerkschaftsbund-Präsident Kurt Emmenegger. Und sie werde zumindest die exportorientierte Industrie im Aargau wohl noch härter treffen als anderswo.

Während der Grosse Rat bereits das 10-Millionen-Programm der Regierung zurechtstutzte, fordern die Gewerkschaften deshalb unbeirrt einen Massnahmenplan, der den Kanton satte 300 Millionen kosten würde. Dass sich der Kanton das leisten könne, habe das letzte Steuerpaket gezeigt, so Kurt Emmenegger gestern an einer Medienkonferenz. Unia-Sekretär und SP-Nationalrat Max Chopard doppelt nach: «Es ist sinnvoller, in Arbeit statt in Arbeitslosigkeit zu investieren.»

Aus- und Weiterbildung im Zentrum

Die Forderungen des gewerkschaftlichen «Bündnisses gegen die Krise» sind in den Grundzügen bekannt und haben sich auch nicht geändert: Maximal mögliche Ausschöpfung von Kurzarbeit statt Entlassungen, Investitionen in die Aus- und Weiterbildung von Kurzarbeitenden und Stellensuchenden, Investitionen in energetische Gebäudesanierungen etc.

Sie wurden und werden nun noch in verschiedenen Punkten konkretisiert. Noch einmal aufs Tapet bringen will man im Grossen Rat ein Programm, das den Kanton verpflichten soll, vor allem die energetische Erneuerung staatseigener Liegenschaften voranzutreiben. Ein Schwergewicht liegt auf Massnahmen, die dazu geeignet sein sollen, etwas gegen die zunehmende Jugendarbeitslosigkeit zu unternehmen.

Weit über 2000 unter 24-Jährige sind im Aargau als Erwerbslose erfasst, «das sind wahnsinnig viele», so Max Chopard. Juso-Vertreter Oliver Müller präsentierte gestern in Aarau die konkreten Vorschläge: Firmen und vor allem staatsnahe Betriebe sollen ihre Lehrlinge nach der Ausbildung weiterbeschäftigen. Teilfinanziert durch die Arbeitslosenversicherung sollen Lehrabgänger eine Beschäftigungsgarantie für vorerst 12 Monate zu einem leicht reduzierten Salär erhalten.

Hängig und von der Regierung bekämpft ist der Vorstoss, der Weiterbildungsgutscheine von 5000 Franken verlangt. Schliesslich wird die Äufnung eines Lehrstellenfonds verlangt, aus dem Betriebe Beiträge erhalten, die Lehrstellen schaffen.

Speziell fördern soll der Kanton die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze zum Fachangestellten Gesundheit. Der Bedarf im Pflegebereich steige im Aargau bis 2020 um 12 Prozent, das Potenzial für Ausbildungen werde aber nicht ausgenützt, so VPOD-Sekretär Jürg Keller. Deshalb soll der Kanton alle Spitäler, Heime und Institutionen verpflichten, die jeweils höchstmögliche Zahl an Ausbildungs- und Praktikumsplätzen in diesem Bereich zu schaffen.