4 Prozent sind «Working Poor» – oder mehr?

Die Caritas Aargau lud gestern zur Medienkonferenz. Das Hilfswerk präsentierte Forderungen und Massnahmen zur Halbierung der Armut in der Schweiz.

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4 Prozent sind «Working Poor» – oder mehr?

4 Prozent sind «Working Poor» – oder mehr?

Sabine Kuster

Die Caritas fordert statt des Jahrs der Armut eine «Dekade der Armut»: Bis 2020 soll Armut in der Schweiz ein Gesicht kriegen und die Zahl der betroffenen Personen um die Hälfte reduziert werden. Im Rahmen des kantonalen Aktionsplans der Caritas Aargau baut das Hilfswerk im Juni die Sozial- und Schuldenberatung in Aarau und Baden aus, klärt die Wirtschaftlichkeit eines Caritas-Marktes im Kanton ab und lanciert per 1. Januar 2011 eine so genannte «Kulturlegi». Diese berechtigt zu einem Rabatt von 30 bis 70 Prozent bei Kultur-, Bildungs- und Sportangeboten. Der Kanton beteiligt sich für drei Jahre mit 160000 Franken aus dem Swisslos-Fonds an den Kosten.

Doch wie viele arme Aargauer gibt es überhaupt? Die Caritas kann die Zahl lediglich schätzen: 60000 sollen es sein. Das Statistische Amt erfasst Sozialhilfebezüger. Doch jene Menschen, die unter der Armutsgrenze leben und trotzdem keine Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen beziehen, werden nicht registriert.

Der Bund schätzt, dass zusätzlich rund 4 bis 5 Prozent der Bevölkerung so genannte «Working Poor» sind. Rund 30000 Familien also, in denen der Lohn nicht reicht, um «am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen». Dies ist laut Kurt Brand, Geschäftsführer der Caritas Aargau, die hiesige Definition von «arm». Was ein zu tiefes Einkommen ist, hat der Bund festgelegt (siehe Tabelle).

Über das Ausmass und die Entwicklung der Armut im Aargau soll der Regierungsrat nun regelmässig berichten. Dies fordern Nicole Meier (CVP, Baden) und eine Gruppe von Grossräten aller Parteien mit Ausnahme von SVP, BDP und SD. Ausserdem soll er Ziele und Massnahmen aufzeigen, wie die kantonale Armutsrate effektiv gesenkt werden kann. «43 Prozent der Sozialhilfebezüger sind unter 25 Jahre alt», sagt Nicole Meier, «das sollte uns zu denken geben.» Denn wer schlecht ins Berufsleben starte, habe oft Mühe, den Armuts-Teufelskreis zu durchbrechen.

Obwohl in der Schweiz niemand Hunger leidet, kommt auch die relative Armut den Staat teuer zu stehen: Wer zu wenig verdient, muss Schulden machen und wird öfters krank.