Autosalon Paris
70 Modelle: Die Zukunft ist elekrisch und vernetzt – so richtig aber wohl erst ab 2030

Da der Absatz voll elektrischer Fahrzeuge noch nicht anzieht, setzen die Hersteller auf Hybridmotoren.

Stefan Brändle, Paris
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VW-CEO Herbert Diess präsentiert in Paris den neuen Elektro-Volkswagen. Michel Euler/AP/Keystone

VW-CEO Herbert Diess präsentiert in Paris den neuen Elektro-Volkswagen. Michel Euler/AP/Keystone

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Gleich 70 Modelle mit ganz- oder teilelektrischem Antrieb dominieren die neuste Ausgabe des Pariser Autosalons, der am Wochenende beginnt. Volkswagen etwa zeigt die Designstudie I.D., die nach dem Käfer und dem Golf eine dritte VW-Ära einläuten soll. «Unsere Zukunft wird elektrisch und voll vernetzt sein», erklärte VW-Markenchef Herbert Diess am Donnerstag in Paris. «Wir erwarten den Durchbruch für die E-Mobilität für 2020. Bis 2025 wollen wir eine Million rein elektrische Fahrzeuge verkaufen und in diesem Bereich globaler Marktführer werden.»

Bereits im letzten Jahr verkaufte der Renault Zoé, einer der Stars an der zweiwöchigen Messe, mit 18'700 zwei Drittel mehr Fahrzeuge als im Vorjahr. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich indes, dass der stark subventionierte Zoé in Frankreich vor allem von der öffentlichen Hand und Flottenbetreibern erstanden wird. Bei Privaten bleiben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück. Das gilt auch für den vollelektrischen Cityflitzer von BMW, den i3. Die kommerzielle Wirklichkeit ist noch hart: Weltweit kommen E-Autos erst auf einen Marktanteil von 0,6 Prozent.

Die beiden Haupthürden sind stolze Preise und bescheidene Reichweiten. Der Zoé fährt mit geladener Batterie offiziell 210 Kilometer weit, laut Testfahrten auf der Autobahn aber nur 110 Kilometer. Deutsche Hersteller wie Opel oder Daimler präsentieren in Paris nun Modelle mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern.

Der ganze Pariser «Mondial» zeigt immerhin, dass die Branche Kurs auf die E-Sparte nimmt und sich von Diesel abwendet. Der Abgasskandal bei Volkswagen hat das Umdenken beschleunigt. In Paris wird das über den Autosalon hinaus ersichtlich: Die Stadtregierung verbietet dieselgetriebene Autos ab 2010 in den Strassen der französischen Hauptstadt. Und Frankreich, bisher ein ausgesprochenes «Dieselland», verteuert den Dieseltreibstoff via Steuern.

Aber eben: Die Umstellung wird dauern. Laut einer neuen Studie des Beraterbüros Alix Partners wird erst 2030 jedes fünfte verkaufte Auto einen vollelektrischen Antrieb aufweisen. Deshalb konzentrieren sich derzeit noch viele Hersteller auf die Hybrid-Technologie mit Kabelstrom und Benzintank. Als überholt gelten die ersten Hybridmotoren, die wie beim Toyota Prius die Batterie mit der Bremsenergie aufladen, den Treibstoffmotor aber damit nur geringfügig unterstützen. In Paris dominiert die Plug-in-Technologie, bei der die Batterie auch an der Steckdose aufgeladen werden kann – deren ökologischer Gewinn aber beschränkt ist.

Führend sind deutsche Hersteller. Französische und japanische Autobauer sind abgesehen von Mitsubishi in diesem Segment noch kaum präsent. Renault-Boss Carlos Ghosn, ein leidenschaftlicher E-Befürworter, meint, der doppelte Plug-in-Motor nehme bis in den Kofferraum viel Platz weg und erhöhe die Kosten um weitere 7000 Euro. Neutraler meint der Vorsteher des grössten französischen Autobestandteilherstellers Valeo, Jacques Aschenbroich: «Noch weiss niemand genau, welcher Mix sich durchsetzen wird. Wahrscheinlich fällt die Antwort je nach Weltgegend unterschiedlich aus.»

Dies dürfte auch deshalb der Fall sein, weil die Gesetzgebung von Land zu Land anders ist. Dass in China in diesem Jahr am meisten E-Autos verkauft wurden (bisher 240 000), hat mehr mit den Engpässen bei der Neuwagenzulassung zu tun als mit einer ökologischen Einstellung wie in Norwegen (28 000 Verkäufe bis August).