Schmuggel
90'000 Euro in der Unterhose versteckt

An der deutsch-schweizerischen Grenze haben Grenzbeamte 2014 weniger Leute mit Bargeld erwischt. Beim Schmuggeln sind die Täter aber immer noch sehr kreativ: Die einen verstecken ihr Geld in der Unterhose, andere in der Abdeckung des Reserverads.

Roman Seiler
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Die Fälle von Bargeldschmuggel sind rückläufig. (Symbolbild)

Die Fälle von Bargeldschmuggel sind rückläufig. (Symbolbild)

Keystone

So dummdreist agieren Geldschmuggler: Im vergangenen Herbst befragten Grenzbeamte des Hauptzollamts Ulm in Lindau am Bodensee ein Ehepaar. Die Zöllner fanden in deren Auto einen Brief, in dem ihre Bank die beiden aufforderte, sich bei ihren Steuerbehörden zu melden, erzählt Hagen Kohlmann, Pressesprecher des Hauptzollamts Ulm, das für den Grenzabschnitt zwischen Konstanz und Lindau zuständig ist. Die beiden reagierten auf die Befragung sehr nervös, so Kohlmann. Die Frau zog dann relativ rasch ihre Schuhe aus, in denen sie Bankbelege versteckt hatte. Weitere Unterlagen steckten in der Abdeckung des Reserverads. «Gemäss Depotauszug hatten sie 85 000 Euro in der Schweiz angelegt», sagt Kohlmann.

Fallzahlen dürften stagnieren

Das sei kein Einzelfall: «Wir entdecken immer wieder Briefe, in denen Schweizer Banken die kontrollierten Personen auffordern, ihre Vermögenswerte beim Fiskus zu deklarieren.» In diesen Schreiben setzen die Finanzinstitute den Kunden klare Termine, bis wann sie ihr Geld anmelden müssen.

Auch deswegen geht Kohlmann davon aus, dass die Steuerfluchtproblematik jetzt abnimmt: «Die Weissgeldstrategie der Schweizer Banken wirkt. Die Fälle, bei denen wir Barmittel aufgreifen, dürften stagnieren, die aufgegriffenen Summen weiter abnehmen.» Schliesslich wollen Banken nur noch versteuertes Geld aus dem Ausland verwalten. Das war 2010 noch anders: Damals kauften deutsche Bundesländer CDs mit Kundendaten von Schweizer Banken. So viele nicht deklarierte Barmittel wurden seither an der deutsch-schweizerischen Grenze nicht mehr gefunden. Wer am Zoll nicht angibt, mehr als 10 000 Euro auf sich zu tragen, macht sich nämlich strafbar.

Mittlerweile haben sich Zehntausende deutscher Steuersünder beim Fiskus angezeigt. Die Kontrollen im grenznahen Bereich des Bodensees werden aber nicht zurückgefahren, sagt Kohlmann: «Weder auf den Strassen noch in den Zügen.»

Im Raum Lindau stiegen 2014 die Schmuggelfälle im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht an. Aber die aufgefundenen Barmittel beliefen sich nur noch auf 1,2 Millionen Euro. Das ist ein Viertel weniger als 2013. Im Grenzabschnitt zwischen Bad Säckingen und Konstanz des Hauptzollamts Singen ging sowohl die Zahl der erwischten Schmuggler massiv zurück als auch die festgestellten Barmittel. Sie sanken um 60 Prozent auf 7,5 Millionen Euro.

Die höchsten 2014 festgestellten Schmuggelsummen beliefen sich in der Region des Hauptzollamts Singen auf 200 000 bis 400 000 Euro. Im Raum Lindau wurden Personen meist mit 20 000 bis 30 000 Euro erwischt. In einem Fall versuchte ein 49-jähriger Deutscher 90 000 Euro in der Unterhose über die Grenze zu schmuggeln. Als zu deklarierende Barmittel gelten nicht nur Geld, sondern auch Checks oder Goldmünzen. Zöllner des Hauptzollamts Singen erwischten am Grenzübergang Konstanz-Autobahn zwei Männer im Seniorenalter, die in ihrem Fahrzeug 20 Silberbarren im Wert von 9500 Euro nach Deutschland schmuggeln wollten. Sie seien zuvor im «Bankschliessfach eines namhaften Schweizer Kreditinstituts» deponiert gewesen, berichtete die Pressestelle des Hauptzollamts Singen gestern.

Edles Besteck erwischt

Am Grenzübergang Waldshut-Rheinbrücke fanden Zöllner im Kofferraum des Fahrzeugs eines 78-jährigen Schweizers in einem Paket Gold- und Silberbesteck im Wert von 15 000 Euro. Es stammte aus dem Nachlass einer vermögenden Person. Der Fahrer hatte angegeben, Lebensmittel zu transportieren. Er wollte das Paket per Post einem Deutschen zusenden. Mit dem Schmuggelversuch sollten die Einfuhrabgaben umgangen werden. Gegen den Mann wurde ein Verfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung eingeleitet.

Jeder Fall von Barmittelschmuggel wird den jeweils zuständigen Steuerbehörden gemeldet. Dazu kommen die Fälle, in denen Zöllner Bankunterlagen wie Depotauszüge in die Hände fallen. Ein Rentner aus Bayern zerriss im letzten Juni während einer Zollkontrolle Notizzettel und ass sie auf. Schliesslich kam aus, dass der Mann 150 000 Euro im Ausland parkiert hatte.

Das Hauptzollamt Singen leitete 1017 solche Vorkommnisse weiter – 634 weniger als 2013. Das Hauptzollamt Ulm fand so Hinweise auf total 200 bis 300 Millionen Euro. Die Steuerbehörden klären dann ab, ob die Vermögenswerte versteuert sind oder nicht, sagt Kohlmann: «Vor fünf Jahren wiesen Dokumente noch auf 1,8 Milliarden Euro hin.» In einem Fall fanden die Zöllner Unterlagen einer Stiftung mit einem Vermögen von 35 Millionen Euro.