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A380: Trotz arabischer Hilfe – ein Gigant will nicht durchstarten

Gross, grösser, A380: Kein anderes Passagierflugzeug weist solche Ausmasse aus wie das Vorzeigeprojekt von Airbus. Emirates wird bald über 100 Stück des Riesenfliegers im Verkehr haben. Trotzdem ist die Zukunft des A380 unsicher.
Eine Maschine des Typs A380 auf dem Flughafen von Dubai. (Bild: Christopher Furlong/Getty (18. November 2013))

Eine Maschine des Typs A380 auf dem Flughafen von Dubai. (Bild: Christopher Furlong/Getty (18. November 2013))

Amin Hassanali Javer entgeht nichts, fast nichts. Er findet bei einem neuen Airbus A380 immer etwas, das ausgebessert werden muss. Selbst wenn Javer eine Maschine zum wiederholten Mal inspiziert, wird er noch fündig. Da können die Arbeiter im Airbus-Werk in Hamburg noch so gute Arbeit leisten. Das führt so weit, dass ihn seine Frau manchmal auffordert, zu Hause doch bitte seinen Job abzulegen. «Ein Haushalt sei nie perfekt, meint sie dann», erzählt er und lacht.

Javers Job ist es, Mängel zu finden. Der 56-Jährige ist bei Emirates zuständig für die Übernahme von neuen Fliegern. ­«Manager A380/B777 Accep­tance Engineering Projects, Hamburg & Toulouse» steht auf seiner Visitenkarte. 95 Passagierflugzeuge vom Typ A380 hat ­Javer schon abgenommen – so viele wie kein anderer. 47 weitere kommen noch hinzu.

Der A380 des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus ist ein Gigant. Mit 72,7 Metern Länge und 79,8 Metern Spannweite sowie einer Höhe von 24,1 Metern bietet das Flugzeug auf zwei Etagen Platz für durchschnittlich gut 500 Personen. Solche Ausmasse weist kein anderes Passagierflugzeug auf. Emirates war die erste Airline, die im Jahr 2000 einen Airbus A380 bestellt hatte; sie nahm damit eine wichtige Rolle bei der Lancierung des neuen Flugzeugtyps ein. Heute ist die arabische Fluggesellschaft mit ihren inskünftig 142 Maschinen der grösste und wichtigste A380-Kunde. Und genau dies ist das Problem.

Dunkle Wolken hängen über dem Vorzeigeprodukt von Airbus. Zwar haben 18 weitere Airlines Flieger vom Typ A380 bestellt – insgesamt sind es 317 –, doch handelt es sich im Vergleich zu Emirates um bescheidene Stückzahlen. Und von den 317 Maschinen wurden 213 bereits ausgeliefert. Um neue Bestellungen hatten die Verantwortlichen von Airbus in den vergangenen zwei Jahren ­vergebens gebuhlt (Listenpreis: 437 Millionen Dollar). Die Produktion wurde deshalb bereits zurückgefahren. Jetzt muss sie noch mehr gedrosselt werden, wie Airbus-Finanzchef Harald Wilhelm am vergangenen Donnerstag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen einräumte. Ab nächstem Jahr will Airbus nur noch acht A380-Jumbojets pro Jahr ausliefern. Vor einem Jahr hatte Airbus die Produktion bereits von 28 Maschinen pro Jahr auf 15 gesenkt. Für Branchenkenner kommt eine Produktion von weniger als einem Exemplar pro Monat einem Aus des Grossraumflugzeuges gleich. Allerdings heisst es dies auch vom 747, dem Prestigeprojekt des US-Konkurrenten Boeing.

Davon ist in Hamburg keine Rede, als Emirates jüngst eine Gruppe von Schweizer Journalisten zur Besichtigung der Airbus-Werke nach Deutschland einlud. Viel lieber hebt man die Vorzüge des Riesenvogels hervor: Mit dem A380 lassen sich mehr Menschen transportieren als mit herkömmlichen Passagierflugzeugen. Die Flieger sind zwar grösser, aber leiser und verbrauchen pro Sitzplatz weniger Kerosin. Bei den Passagieren steht der Flieger eh hoch im Kurs: Der A380 wird im Web fünfmal mehr erwähnt als jedes andere Flugzeug, und laut einer Umfrage, die Airbus in Auftrag gegeben hat, sind 20 Prozent der Fluggäste bereit, mehr zu zahlen, um einmal mit einem A380 zu fliegen. Derzeit hebt der Gigant zweimal pro Tag in Zürich ab. Die Auslastung lässt kaum zu wünschen übrig.

Spa-Dusche in der First Class

Das liegt wohl auch am Komfort, den die Gäste an Bord geniessen. Der Airbus A380 der neueren Generation bietet mehr Stauraum und in der Business und First Class mehr Luxus als andere Flieger: Es gibt eine Board Lounge mit einer Bar, Privatsuiten und Spa-Duschen. Entworfen wird dies schon lange nicht mehr am Reissbrett, sondern via virtuelle Technologie. Das Interieur eines A380 wird zusammen mit der Airline definiert und mittels Computeranimation überprüft: Der Kunde kann mit einer VR-Brille den Flieger erkunden. «Er sieht, was funktioniert und was nicht. Denn hier geht es nicht darum, dass wir ihm einfach etwas Tolles verkaufen, das er eigentlich nicht will», betont Dieter Kasch, Virtual Reality Expert bei Airbus.

Amin Hassanali Javer verfolgt all dies mit ungebrochener Begeisterung, doch letztlich strebt er nur eines an: einen möglichst tadellosen Flieger übergeben zu können. Er sehe leider auch nur 80 Prozent aller Mängel, meint er schon fast entschuldigend. Doch zu verbessern gibt es immer was. In der Regel sind es 100 Beanstandungen pro Flieger. Als Kritik an Airbus will Javer dies nicht verstanden wissen. «Wir pushen Airbus auf ­einen noch höheren Level», sagt er. Und schon wieder gleiten seine Augen durch das Interieur des nächsten A380, den Emirates bald in Empfang nehmen darf.

Dominik Buholzer

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