Fachkräftemangel
Aargauer Firmen suchen verzweifelt Handwerker

Der Aargauer Wirtschaft geht es immer besser. Doch der Aufschwung bringt Probleme mit sich: In den letzten Monaten fehlten immer mehr Unternehmen die nötigen Fachkräfte.

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Fachkräftemangel spitzt sich zu

Fachkräftemangel spitzt sich zu

Maja Sommerhalder

Es geht aufwärts im Kanton. Dies zeigt das Resultat einer Quartalumfrage unter den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Aargau. Sie wurden vom Aargauischen Gewerbeverband (AGV) zu ihrem Geschäftsgang und zu ihren Erwartungen befragt. «So gut waren die Aussichten noch nie seit unserer ersten Befragung Ende 2008», sagt AGV-Präsident Kurt Schmid.

Doch dies heisst noch lange nicht, dass eine neue Hochkonjunktur bevorsteht, meint Schmid: «Wir hoffen natürlich, dass es so weitergeht.» Noch aber gibt es Unsicherheitsfaktoren wie die Entwicklung des Euros und der Wirtschaft im Ausland: «Vor allem die Exportindustrie hat immer noch zu beissen.»

Trotzdem: Das kantonale Gewerbe beurteilt die derzeitige Auftragslage als gut – Tendenz leicht steigend. Zudem zeigt die Umfrage, dass die KMU im nächsten Jahr mehr Mitarbeiter einstellen wollen. Allerdings ging es dem Gewerbe insgesamt auch nie schlecht, vor allem die Aargauer Binnenwirtschaft ist erstaunlich gut durch die Krise gekommen.

Der Hauptgrund ist die grosse Flexibilität der KMU, meint Schmid: «Sie haben auf die veränderten Bedingungen reagiert und andere Geschäftsfelder erschlossen.» Besonders innovativ mussten das grafische Gewerbe, die Gastro- und die Autobranche sein: «Sie leiden nicht nur unter der Wirtschaftskrise, sondern auch unter dem Strukturwandel.» Positiv für die Binnenwirtschaft ist auch, dass auch während der Krise auf hohem Niveau konsumiert wurde. «Zudem sind viele Unternehmen auf einen Auftragseinbruch vorbereitet gewesen.»

Es fehlen Lehrlinge

Doch der Aufschwung bringt auch Probleme mit sich. Denn der Fachkräftemangel hat in den letzten drei Monaten markant zugenommen. Während sich im ersten Quartal 61 Prozent der Gewerbler darüber Sorgen machten, sind es bei der neusten Umfrage schon 77 Prozent. «Handwerker sind heiss begehrt. Versuchen Sie einmal, einen ausgebildeten Maurer oder einen Haustechniker zu finden», bestätigt Schmid.

Dies trifft auch auf den Nachwuchs zu, denn 24 Prozent der KMU fehlt es an Lernenden. Vor drei Monaten machten sich nur 12 Prozent darüber Sorgen. «Handwerkliche Berufe haben bei der Bevölkerung nicht den besten Ruf, weil man sich die Hände schmutzig macht», so Schmid. Dabei hätte gerade dieser Berufsstand tolle Zukunftsaussichten: «Die Verdienstmöglichkeiten sind mindestens so gut wie bei einer kaufmännischen Tätigkeit.» In den nächsten Jahren wird sich der Kampf um die Lernenden sogar noch verschärfen: «Schliesslich gibt es künftig weniger Schulabgänger», so Schmid. Frisches Blut sei so wichtig: «Eine Branche ohne Nachwuchs kann längerfristig nicht überleben. Letztlich geht es auch um die Sicherstellung der Geschäftsnachfolge.»

Zu viele Vorschriften

Doch nicht nur der Fachkräftemangel bereitet dem Gewerbe Sorgen. 80 Prozent beklagen sich über den steigenden administrativen Aufwand und die vielen Vorschriften; vor drei Monaten waren es 50 Prozent. So stark sei diese Zahl noch nie gestiegen, sagt Schmid: «Speziell in der Produktion gibt eben immer mehr Vorschriften, die fast nicht zu erfüllen sind. Diese entstehen vor allem aus dem steigenden Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft.» Schmid räumt aber auch ein, dass das subjektive Empfinden ebenfalls eine grosse Rolle spielen würde, wenn es um die Vorschriften und den administrativen Aufwand geht: «Wenn gerade Quartalabschlüsse anstehen, ist der Ärger natürlich grösser.»