Tourismus
Aargauer Knecht Reisen erzielt Rekordumsatz – dank diverser Fernreisen

Während andere grosse Schweizer Reiseveranstalter in den letzten Jahren von ausländischen Firmen aufgekauft wurden oder sich schwertun, wuchs die Knecht Reisegruppe in den letzten Jahren stetig. Auch dank dem Trend zu speziellen Reisezielen.

Philipp Felber
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Reisen in den hohen Norden, etwa zum Wasserfall Kirkjufellsfoss, boomen bei Knecht Reisen.

Reisen in den hohen Norden, etwa zum Wasserfall Kirkjufellsfoss, boomen bei Knecht Reisen.

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Der Nummer 4 in der Schweizer Tourismusbranche geht es gut: Zum ersten Mal in der über 100-jährigen Geschichte der Knecht Reisegruppe betrug der Umsatz über 200 Millionen Franken. Das Unternehmen setzt vor allem auf Spezial- und Fernreisen. Und profitiert von einem steigenden Bedürfnis nach individuelleren Reisezielen sowie der Kaufkraft der Schweizer Bevölkerung.

Während andere grosse Schweizer Reiseveranstalter in den letzten Jahren von ausländischen Firmen aufgekauft wurden oder sich schwertun, wuchs Knecht in den letzten Jahren stetig. Das Wachstum seit 2012 beträgt 25 Prozent. Dies zeigt sich etwa am Sterben der Reisebüros in der Schweiz. Im Jahr 2000 waren noch über 3700 Reisebüros in der Schweiz tätig, 2016 waren es nicht einmal mehr 1800.

Doch während die Anzahl der Reisebüros sank, kaufte Knecht nach und nach grössere Büros auf. «Das ist sehr wichtig für uns. Auch in der digitalen Zeit setzen wir auf die Beratung vor Ort», sagt Roger Geissberger, CEO der Knecht Reisegruppe. Gut ausgebildete, langjährige Mitarbeitende seien nötig, um sich von der Onlinekonkurrenz abzuheben.

Rund 100 000 Kunden griffen im letzten Jahr auf das Angebot des Reisekonzerns zurück. Auch hier zeigt sich eine Aufwärtstendenz: Vor einem Jahr waren es noch 11 Prozent weniger. Gewachsen sei vor allem das Geschäft mit Reisen in die USA, nach Kanada, Südafrika, Australien sowie Neuseeland. Insbesondere Heliskiing-Reisen nach Kanada hätten positiv zum Ergebnis beigetragen. «Aktivferien boomen zurzeit», sagt Marcel Gehring, CEO der Knecht Reisen AG.

Knecht profitiere davon, dass das Unternehmen bereits seit über 25 Jahren im Heliskiing-Geschäft präsent sei. Und auch bei anderen Spezialreisen hat sich die Strategie der Firma offenbar bewährt: Man kauft spezialisierte Firmen, welche unter den Top 3 in ihrer Sparte sind und baut sie in den Konzern ein. So wie dies bei Glur Reisen passiert ist – ein Spezialist für Reisen nach Skandinavien.

Das Geschäft mit Reisen in den hohen Norden sei in den letzten Jahren stets grösser geworden, sagt Geissberger. Eine Erklärung dafür kann er jedoch nicht geben, warum gerade Reisen etwa nach Norwegen, Schweden und insbesondere Island beliebt sind: «Reisen sind wie Kleider. Manchmal ist etwas in Mode, ohne dass wir genau wissen warum», sagt Geissberger. Was aber auffällt: Schweizer Touristen würden sich den überlaufenen Trenddestinationen eher entziehen. «Das hat sicher mit der Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer zu tun», sagt Gehring.

Megatrends sichtbar

Doch offenbar funktionieren bei Knecht Reisen auch die Megatrends des Tourismus: Die Kreuzfahrtsparte wuchs im letzten Jahr innerhalb des Konzerns am schnellsten. «Man kann den Sinn schon hinterfragen, wenn grosse Kreuzfahrtschiffe Städte wie Venedig anfahren und die Stadt dadurch von Touristen überfüllt werden», sagt Geissberger. Knecht bemühe sich jedoch um Nachhaltigkeit, sagt Geissberger.

2017 betrug der Umsatz 205,7 Millionen Franken. 2016 lag der Umsatz noch bei 185,5 Millionen Franken – ein Plus von fast 11 Prozent. Laut Roger Geissberger wuchs das Geschäft organisch und durch Zukäufe je um die Hälfte. Den grössten Teil dieses Plus machte dabei die Knecht Reise AG: Im eigentlichen Hauptgeschäft des Konzerns stieg der Umsatz um 16 Prozent von 124 auf 144 Millionen Franken.

Die Spezialreiseveranstalter der Knecht Reisegruppe arbeiteten unterschiedlich. So machte etwa die Osteuropasparte von Kira Reisen weniger Umsatz: «Da macht uns weiterhin die Krise in der Ukraine und auf der Krim zu schaffen. Auch wenn es langsam aufwärtsgeht», sagt Knecht-CEO Roger Geissberger. Wobei Kira Reisen noch immer profitabel sei. Andere Veranstalter des Konzerns wie zum Beispiel Baumeler Reisen und Lohri hätten jedoch sehr erfolgreich gearbeitet. Der Reiseveranstalter gibt keine konkreten Gewinnzahlen heraus. Doch: «Für einen Tourismuskonzern sind wir sehr profitabel.»

Die Knecht Reisengruppe gehört zur Knecht Holding. In der Holding sind etwa auch Firmen wie Umzugsspezialist Welti+Furrer sowie das Busunternehmen Eurobus.