Industrie
ABB-Chef preist kritischen Grossaktionär – Cevian zeigt die kalte Schulter

Das «Übergangsjahr» abstrampelnd, findet Ulrich Spiesshofer sogar lobende Worte für Cevian Capital.

Daniel Zulauf
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Höhere Rohstoffpreise machten dem Elektrotechnikkonzern ABB im ersten Halbjahr zu schaffen. Gaetan Bally/Keystone

Höhere Rohstoffpreise machten dem Elektrotechnikkonzern ABB im ersten Halbjahr zu schaffen. Gaetan Bally/Keystone

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Glänzend waren die Zahlen nicht. Die Ergebnisse, mit denen ABB-Chef Ulrich Spiesshofer gestern den Geschäftsverlauf des Elektrotechnikkonzerns im ersten Halbjahr nachzeichnete. Der Firmenchef spricht selber von einem «Übergangsjahr» das für die verbleibenden Monate nicht mehr als einen «vorsichtig optimistischen» Ausblick zulasse. Den verwöhnten Investoren ist dies aber zuwenig. Sie straften ABB trotz Vorlage der längst ersehnten Auftragszunahme für eine leichte Verschlechterung der betrieblichen Profitabilität. Der Aktienkurs sackte am Donnerstag zeitweise mehr als drei Prozent auf rund 23 Franken ab.

Auch der Investmentgesellschaft Cevian Capital dürfte der Geschäftsverlauf nicht wirklich gefallen. Die Schweden besitzen 5,2 Prozent aller ABB-Aktien. Und in der Person von Lars Förberg konnten sie im April auch einen Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden. Das Verhältnis zwischen Cevian und der ABB-Führung war in der Vergangenheit nicht spannungsfrei. So hatte Förberg behauptet, eine ABBAktie könnte 35 Franken Wert sein, wenn sich der Konzern von der grossen Stromnetzsparte verabschieden und sich auf die verbleibenden drei Divisionen konzentrieren würde. Doch Spiesshofer erteilte diesem Vorschlag eine klare Absage.

Cevian zeigt die kalte Schulter

An der gestrigen Telefonkonferenz fand der deutsche Manager für sein Verhältnis zu Förberg und Cevian aber nur lobende Worte. Die Beziehung sei «sehr gut» und «sehr konstruktiv», sagte Spiesshofer im Wissen, dass sich die Schweden angesichts des rückläufigen Aktienkurses auf die Lippen beissen dürften. Sie waren vor zwei Jahren bei einem Kurs von 21 Franken eingestiegen und haben seither nicht einmal halb so viel verdient wie der Index der europäischen Industriewerte (Euro Stoxx Industrial). Cevian wollte Spiesshofers nette Steilvorlage auf Anfrage nicht annehmen. Dessen freundliche Worte bleiben deshalb unerwidert im Raum stehen, was – durchaus im Sinne Förbergs – die Spannung erhält.

Die von Spiesshofer selber gepriesene schonungslose Strategieumsetzung («relentless execution») liess im gestrigen Zwischenbericht Resultate erkennen. Der seit 2015 rückläufige Auftragseingang konnte im zweiten Quartal endlich wieder einmal gesteigert werden. Doch auf Halbjahresbasis verharrte das Bestellvolumen in Lokalwährungen dennoch mit 16,8 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau.

Hohe Rohstoffpreise belasten

Enttäuscht zeigten sich viele Investoren über den Rückgang des operativen Semestergewinns um zwei Prozent auf knapp zwei Milliarden Dollar. Spiesshofer erklärte den Rückgang mit höheren Rohstoffpreisen wie auch mit Überkapazitäten in der Fertigung grosser Elektromotoren. ABB ist ein grosser Verbraucher von Kupfer und Stahl. Kupfer ist im Vergleich zum Vorjahr aufgrund spekulativer Nachfrage rund 20 Prozent teurer geworden.

Eine automatische Weiterverrechnung höherer Rohstoffpreise gebe es nur bei Aufträgen zum Bau von Stromnetzen, sagte Spiesshofer. Bei Elektrifizierungsprodukten und Antriebsmotoren einschliesslich Industrierobotern wo der Kupferverbrauch erheblich ist, sei dies nicht der Fall. Dennoch räumte Spiesshofer ein, dass man die Preise im zweiten Quartal vielleicht schneller hätte erhöhen können. Ironischerweise galten die tiefen Preise für fossile Brennstoffe bislang stets als Grund für den schwachen Auftragseingang. Den Förderunternehmen in der Erdöl- und Erdgasindustrie wie auch im Bergbau fehle das Geld für Investitionen, hiess es. Die Zukunft wird zeigen, ob sich ABB das Wachstum in anderen Geschäftsbereichen mit zu tiefen Preisen erkauft hat.