Quartalszahlen 
ABB mit weniger Umsatz und weniger Aufträgen

Schwierige Bedingungen auf den Öl- und Gasmärkten sowie die gebremste Nachfrage in China und den USA machen ABB zu schaffen.

Johannes Brinkmann
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ABB.

ABB.

Keystone

Der Elektrotechnik- und Automationskonzern ABB ist im dritten Quartal erheblich im Gegenwind gestanden. Inmitten des Firmenumbaus kämpft das Unternehmen mit schrumpfenden Einnahmen aus der Öl- und Gasbranche sowie mit schrumpfenden Einnahmen in China und den USA.

Der Umsatz fiel um 13 Prozent auf 8,519 Milliarden Dollar, wie ABB am Mittwoch bekannt gab. Der operative Betriebsgewinn vor Amortisationen (Ebita) sank um 9 Prozent auf 1,081 Milliarden Dollar.

Unter dem Strich verdiente ABB zwischen Juli und September noch 577 Millionen Dollar. Das sind 21 Prozent weniger als vor einem Jahr. Allerdings sei vor einem Jahr der Gewinn durch Verkäufe von Unternehmensteilen begünstigt worden, die nach Steuern etwa 100 Millionen Dollar in die Kasse gespült hätten, sagte Konzernchef Ulrich Spiesshofer in einer Telefonkonferenz.

Damit hat ABB die Erwartungen der Finanzgemeinde teilweise verfehlt. Analysten hatten gemäss der Nachrichtenagentur AWP im Durchschnitt mit einem Umsatz von 8,755 Milliarden Dollar und einem operativen Ebita von 1,040 Milliarden Dollar gerechnet. Beim Reingewinn hatten sie im Schnitt 551 Millionen Dollar vorhergesagt.

Aktie steigt

ABB macht die schwierigen Bedingungen auf den Öl- und Gasmärkten sowie die gebremste Nachfrage in China und den USA für die schwächeren Zahlen verantwortlich. Der Auftragseingang fiel um 22 Prozent auf 8,767 Milliarden Dollar. Damit ging der Umsatz insgesamt in den ersten neun Monaten um 11 Prozent auf 26,239 Milliarden Dollar zurück. Während der operative Ebita um 7 Prozent auf 3,088 Milliarden Dollar schrumpfte, fiel der Reingewinn um 10 Prozent auf 1,729 Milliarden Dollar.

Analysten lobten indes die operative Ebita-Marge, die über den Erwartungen ausgefallen sei. Diese erfreute die Anleger. An der leicht schwächeren Schweizer Börse legte die Aktie bis Börsenschluss um 0,3 Prozent zu.

Keine News zum Sparprogramm

Keine Neuigkeiten gab es zum Sparprogramm, mit dem ABB eine Milliarde Dollar bis Ende 2017 beim Personal einsparen will. Es gebe nur ein Sparziel, aber kein Ziel für einen Stellenabbau, sagte Spiesshofer. Dabei setze er auf die natürliche Fluktuation. «Wie in den vergangenen Jahren arbeiten wir eng mit unseren Leuten zusammen, um die Produktivität zu steigern.»

Vom Sparprogramm ist gemäss früheren Angaben vor allem die Konzernzentrale in Zürich Oerlikon betroffen. Dort sei die Atmosphäre angespannt, aber konstruktiv, gestand Spiesshofer ein: «Es ist total verständlich, dass die Leute um ihre eigene Zukunft besorgt sind.»

Die Belegschaft werde so weit als möglich in die Restrukturierung einbezogen. Es sei erstaunlich, wie viele Verbesserungsvorschläge die Leute selber einbringen würden, sagte Spiesshofer: «Wir haben einen konstruktiven Dialog mit den Personalvertretern.» Es gebe ein grosses Verständnis, dass ABB einen Wandel nötig habe.

Als er als Chef von ABB gestartet sei, habe der Konzern 152 000 Angestellte gehabt, sagte Spiesshofer: «Heute sind wir 137 500 Angestellte.» Der Abbau sei durch ein Strukturverbesserungsprogramm erreicht worden.

Zudem habe man auf die natürliche Fluktuation gesetzt und Unternehmensbereiche verkauft. «Wir haben das immer in enger Zusammenarbeit mit den Personalvertretern gemacht. An diesem Weg halten wir auch für die Zukunft fest», sagte Spiesshofer.

Kompletter Konzernumbau

Das Sparprogramm erfolgt im Rahmen eines kompletten Konzernumbaus. ABB wolle schlanker und agiler werden, sagte Spiesshofer. Aus den bisher fünf Divisionen sollen bis Anfang nächsten Jahres vier werden.

Die drei bisherigen Energiesparten gehen in den beiden neu geschaffenen Divisionen Stromnetze und Elektrifizierungsprodukte auf. Die beiden bisherigen Divisionen Industrieautomation und Antriebe sowie Prozessautomation werden angepasst.

ABB hat bereits jetzt ein Sparprogramm am Laufen: Jährlich sollen drei bis fünf Prozent der Umsatzkosten eingespart werden. Die angestrebten Einsparungen von einer Milliarde beim Personal bis Ende 2017 kommen nun noch dazu. (SDA)