Spreitenbach
ABB präsentiert in Spreitenbach die neue Welt des Stroms

Der weltweit führende Technologiekonzern arbeitet an Lösungen zur effizienten Energieversorgung. Am 23. und 24. April präsentiert das Unternehmen an der «Power & Automatisation World» in Spreitenbach neue Technologien und Projekte.

Matthias Niklowitz
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Die Frage ist, wie der Strom zu Küste und Fabriken kommt: Windpark Nysted in Dänemark

Die Frage ist, wie der Strom zu Küste und Fabriken kommt: Windpark Nysted in Dänemark

Press Photo

An einer Reihe von Kundenanlässen präsentiert sich ABB weltweit als Technologieführer bei Strom und Automatisierung. Diese Woche ist die Schweiz dran: Am 23. und 24. April findet in Spreitenbach die diesjährige schweizerische Ausgabe «Power & Automatisation World» mit einer Reihe von Referaten lokaler Spitzenmanager, Experten und Meinungsführern statt.

Ende März hatte ABB im Rahmen dieser Reihe einen Stopp in Orlando/Florida gemacht. Dabei hatten Konzernchef Joe Hogan und Enrique Santacana, Leiter des Nordamerikageschäfts von ABB, die Richtung vorgegeben, in die der Konzern geht:

So hat ABB seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung seit 2007 um 70 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar ausgebaut.

In sieben Forschungszentren, unter anderem in der Schweiz, beschäftigen sich die Experten mit Projekten zu Strom und Automatisierung. Ein Fünftel der Gelder fliesst in bahnbrechende Projekte, der Grossteil dient der Weiterentwicklung bestehender Technologien.

Datenflut durch Netzsteuerung

Ein grosses Potenzial sieht ABB in der Energiewende. Direkt führt das zu zahlreichen neuen Technologien wie der Gleichstrom-Hochspannungsübertragung über lange Distanzen.

ABB Die neue Welt des Stroms

Um Strom aus Windparks in der Nordsee oder Photovoltaikanlagen im Süden in die Schweiz zu transportieren, braucht es laut den Experten von ABB eine stabile Übertragung, die möglichst wenig Energieverluste aufweist. Gerade für lange Distanzen eignet sich die verlustarme und stabile Gleichstromübertragung besser als der auf Wechselstrom basierende Energietransfer.

Nachteil der Gleichstromübertragung war jedoch bis heute, dass der Strom nur zwischen zwei Punkten transportiert werden konnte – ähnlich einer Autobahn ohne Ein- und Ausfahrten. Mit der Entwicklung des Hochspannungs-Gleichstrom-Hybridschalters wurde ein hundert Jahre altes Rätsel der Elektrotechnik gelöst. Denn nun lässt sich Gleichstrom in der Grössenordnung eines grossen Kraftwerks in Millisekunden unterbrechen.

Ein von ABB entwickelter Schalter kombiniert schnellste Mechanik mit Leistungselektronik. Er ermöglicht es, die Effizienzvorteile der Gleichstromübertragung zu nutzen, ohne die Netzstabilität zu gefährden. Im Gegenteil – künftig kann Strom aus Windparks effizient ins Netz integriert und der Stromtransfer bei Bedarf unterbrochen werden. (NIK)

Der Konzern arbeitet an Lösungen, mit denen Strom auch über Unterwasserkabel transportiert werden kann sowie an speziellen Leistungsschaltern. Weitere grosse Projekte sind lokale Energiesysteme für Gebäude, kleinere Transformatoren und Verarbeitungseinrichtungen, damit die Unmenge von Daten, die mit den neuen alternativen Stromerzeugungstechnologien anfallen, bewältigt werden kann.

Ebenso attraktiv sind die indirekten Vorteile der Energiewende. Dabei sieht Hogan grosse Synergien zwischen den beiden grossen ABB-Themen Strom und Automatisierung. Die billige Energie dank den neu erschlossenen Schiefergas- und Schieferölvorkommen in den USA führt zu einer eigentlichen Reindustrialisierung.

Neue Fabriken werden indes anders konzipiert als die Fertigungsanlagen, die man vor 10 oder 20 Jahren aufgegeben hatte. Industrieroboter spielen in der Produktion eine ungleich grössere Rolle.

Quartalszahlen am Mittwoch

Ob und wie gut sich ABB damit vom wirtschaftlichen Umfeld abkoppeln kann, wird sich in den zur Wochenmitte fälligen Quartalszahlen weisen. Analysten von Morgan Stanley weisen darauf hin, dass ABB zwar eine Reihe von grösseren Projekten seit Jahresanfang gewonnen hat. Aber in den USA schlagen die Einsparungen der Bundesregierung genauso durch wie die wirtschaftliche Malaise in Teilen Europas und die Abschwächung in China. Mit einer Enttäuschung rechnet aber niemand.