ABB
ABB streicht in der Schweiz 205 Stellen

Beinahe jede fünfte Stelle von ABB Turbo Systems in Klingnau, Baden und Deitingen verschwinden bis Ende des nächsten Jahres.

Merken
Drucken
Teilen
ABB

ABB

Aargauer Zeitung

Niklaus Mäder

Bittere Nachricht gestern Nachmittag für die Angestellten von ABB Turbo Systems in Baden, Klingnau und Deitingen. Die Geschäftsleitung informierte sie, dass das Unternehmen bis Ende des nächsten Jahres 205 Stellen streicht. Somit geht beinahe jeder fünfte der insgesamt 1135 Arbeitsplätze verloren. 125 Mitarbeiter werden die Kündigung erhalten. Der Mediensprecher von ABB Schweiz, Lukas Inderfurth, begründet die drastische Massnahme damit, dass die Nachfrage im Schiffsbereich zusammengebrochen sei.

Die Turbolader von ABB Turbo Systems kommen vor allem bei Frachtschiffen und zu einem kleineren Teil bei Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz. Da weltweit eine grosse Überkapazität an Schiffen besteht und momentan dennoch weitere, bereits früher bestellte Schiffe in Betrieb gehen, rechnet Inderfurth nicht damit, dass sich der Markt schnell erholen wird. Um der Lage Herr zu werden, hatte ABB Turbo Systems zuerst Überstunden und Ferienguthaben abgebaut. Im Juni führte das Unternehmen daraufhin Kurzarbeit ein. Nun habe eine sorgfältige Analyse der Geschäftsaussichten gezeigt, dass diese Massnahmen nicht ausreichen, um die Kapazitäten dem mittelfristig zu erwartenden Auftragsvolumen anzupassen, heisst es von der ABB Schweiz.

Kritik seitens der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Angestellte Schweiz kritisiert den Abbau als «überstürzt und übersensibel». Die ABB würde den Stellenabbau auf mittelsichere Prognosen stützen. Die Arbeitnehmerorganisation erwartet vom Technologiekonzern, dass dieser zuerst andere Möglichkeiten ernsthaft prüft und umsetzt. Ein Vorwurf, den Inderfurth nicht gelten lassen will. Das Unternehmen würde auch auf natürliche Fluktationen setzen.

Zudem spiele die interne Jobbörse: Erst kürzlich hätten vier Mitarbeiter von Turbo Systems nach Turgi gewechselt, wo der Technologiekonzern Leistungselektronik und Mittelspannungsantriebe produziert. Im Rahmen des Stellenabbaus komme es weiter zu 35 Frühpensionierungen. Die ABB hat einen Sozialplan ausgearbeitet. Dieser sieht unter anderem ein Arbeitsmarktzentrum vor, das die Stellensuchenden unterstützt. Bewusst habe man zudem frühzeitig informiert, damit die Betroffenen genügend Zeit für die Suche nach einer neuen Beschäftigung erhalten, so Inderfurth. Gemäss dem ABB-Mediensprecher betreffen die Kündigungen Angestellte aller Altersgruppen und mit unterschiedlichsten Qualifikationen.

Konzernweites Sparpaket

Der ABB-Konzern kämpft auch insgesamt - wie andere Industrieunternehmen - mit der aufgrund der Wirtschaftskrise weggebrochenen Nachfrage. So sanken bei der ABB Schweiz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres die Auftragseingänge um 32 Prozent, beim Gesamtkonzern lag der Rückgang bei 27 Prozent. Konzernchef Joe Hogan hatte bereits im April angekündigt, bis Ende des nächsten Jahres die Kosten um 2 Milliarden Dollar senken zu wollen.