ABB verabschiedet sich aus dem Elektrizitätsgeschäft

Nach dem Verkauf der Stromübertragungs-Sparte wird der Konzern in vier unabhängige Einheiten aufgespalten.

Daniel Zulauf
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Es kommt selten vor, dass ein Weltmarktführer sein Kerngeschäft an einen Konkurrenten weitergibt. Genau diesen Schritt vollzieht ABB nun mit dem soeben besiegelten Verkauf der Stromübertragungssparte an den japanischen Industriemulti Hitachi. ABB erhält für gut 80 Prozent der Stromnetzsparte netto 7,6 bis 7,8 Milliarden US-Dollar.

Die Stromübertragung bildet sozusagen der letzte Rest des Urgeschäftes des vor dreissig Jahren aus der Fusion der schweizerischen Brown Boveri mit der schwedischen Asea hervorgegangenen ABB-Konzerns. Ganz ohne äusseren Druck kommt die Trennung allerdings nicht zustande. Die schwedische Investmentgesellschaft Cevian, die hinter der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg den zweitgrössten Aktienanteil besitzt, hatte den Schritt schon vor drei Jahren öffentlich und mit einiger Vehemenz gefordert, war damit bei ABB-CEO Ulrich Spiesshofer zunächst aber auf taube Ohren gestossen.

Cevian kritisierte die unterdurchschnittliche Rentabilität des Stromübertragungsgeschäftes im Vergleich mit den anderen ABB-Aktivitäten sowie den hohen Kapitalbedarf und die schwere Planbarkeit des mehrheitlich von grossen öffentlichen Infrastrukturaufträgen abhängigen Geschäftes.

Am Montag zeigte sich der ABB-Chef «sehr, sehr glücklich» über die getroffene Vereinbarung. Durch die Massnahme entstehe «eine neue ABB, ein fokussierter Leader in der digitalisierten Industrie». Hinter dem plakativen Statement gibt es einige profanere Gründe für den Gesinnungswandel. Einer davon ist, dass Spiesshofer so endlich auch seinen kritischen Grossaktionär auf die eigene Seite ziehen kann. Ein anderer Grund für Spiesshofers neue Einsicht dürfte die enttäuschende Umsatzentwicklung in den übrigen Sparten gewesen sein. Der CEO hatte in den fünf Jahren seines Wirkens als ABB-Chef die eigenen Wachstumsziele immer wieder verfehlt und damit nicht nur bei Cevian den Verdacht genährt, dass der Konzern zu breit aufgestellt und zu verzettelt ist, um die sich bietenden Gelegenheiten in den Märkten auch entschlossen ergreifen zu können.

Wenig überraschend legt Cevian den Finger just auf «die weitere Vereinfachung des Geschäfts». In der Schweiz arbeiten 2800 von insgesamt 6500 Angestellte in der Stromnetz-Division. Einen Stellenabbau sieht Spiesshofer nicht. Er verspricht sich von der Neuorganisation jährliche Einsparungen von 500 Millionen Dollar.