Pharma

Abbau: Wie viele müssen bei Novartis über die Klinge springen?

Nach Roche hat auch Bayer ein Restrukturierungspaket publik gemacht. Im Fall Novartis ist die Auslegeordnung noch nicht beendet.

Ruedi Mäder
Drucken
Teilen

Keystone

Die Massierung negativer Botschaften aus der Pharmabranche innerhalb weniger Tage war happig: Mitte Woche kündigte Roche den Abbau von weltweit 4800 (von total 82000) Arbeitsplätzen an, wobei auch Basel und Burgdorf mit einem Verlust von 770 Stellen bluten müssten.

Tags darauf gab der Chemie- und Pharmakonzern Bayer aus Leverkusen bekannt, der Abbau von netto 2000 Jobs, ebenfalls innert zweier Jahre, sei beschlossene Sache. Effektiv kappen will Bayer 4500 Stellen, im Gegenzug sollen in erster Linie in Schwellenländern 2500 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Bayer beschäftigt rund 108000 Personen.

Bei Roche stehen nun die so genannten Konsultationsgespräche an, in deren Verlauf der Arbeitgeber die Abbaumassnahmen konkretisieren will. Derweil richtet sich der Blick nun auch auf den anderen grossen Basler Gesundheitskonzern, Novartis. Gemäss Angaben eines Informanten des «Sonntags» werde in der Novartis-Zentrale «ein Sparpaket in ähnlichem Ausmass wie bei Roche» geschnürt. Das hiesse, dass auch bei Novartis mit gegenwärtig rund 100000 Beschäftigten mehrere tausend Vollzeitstellen in Gefahr wären.

Novartis will Netzwerk straffen

Gesichert sind jene Angaben, die der amerikanische Novartis-Konzernchef Joe Jimenez am Tag der Roche-Hiobsbotschaft in London vor Investoren machte: Man habe Sparpotenziale in verschiedenen Bereichen und in allen Divisionen ausgemacht. Man sehe Möglichkeiten, mittels Produktivitätsverbesserungen Betriebsgewinn und Wertschöpfung zu steigern.

Konkret will Novartis das globale Netzwerk mit knapp 90 Produktionsstandorten straffen, «Exzellenzzentren» bilden und die Auslastung der strategischen Standorte konzernweit auf 80 Prozent hieven. Gemäss eigener Darstellung weist Novartis Produktionskosten von 25 Prozent des Umsatzes auf, wogegen sich die Top-3-Konkurrenten auf einem Niveau von rund 15 Prozent bewegen. Dass Roche mit 30 Prozent noch teurer fabriziert, kann für Novartis nur ein schwacher Trost sein.

Ansetzen will die Novartis-Spitze zusätzlich beim Aufwand für Marketing und Vertrieb: Der Anteil der Spezialitäten am Produktsortiment soll innert vier Jahren von heute 65 auf 75 Prozent des Umsatzes steigen. Im Gegenzug soll der Anteil der via Hausärzte verkauften Arzneien für den Massenmarkt gesenkt werden. Novartis hat auch bekräftigt, die Präsenz in den Wachstumsmärkten Asiens und Südamerikas deutlich ausbauen zu wollen, wobei auch Firmenzukäufe infrage kämen.

Laut «Sonntag» soll der Umsatzanteil der sechs grössten Schwellenländer bis 2014 auf rund 20 Prozent verdoppelt werden. In dieser Hinsicht ist Roche zumindest punkto Pharmageschäft weiter. Konzernchef Severin Schwan hatte im Gespräch mit der az erläutert, Roche erwirtschafte schon heute einen Fünftel des Pharmaumsatzes in den «Emerging Markets» und wachse in den dortigen Märkten zweistellig.