Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Abbruch der Gespräche: Bei Implenia stehen die Zeichen endgültig auf Konfrontation – das müssen Sie wissen

Die Suche nach einem Kompromiss ist gescheitert. Der aktivistische Investor Veraison erklärt die Gespräche für gescheitert. Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zum bevorstehenden Kampf um den grössten Schweizer Baukonzern
Niklaus Vontobel
Umkämpft: Der Baukonzern Implenia (Bild: Chris Iseli)

Umkämpft: Der Baukonzern Implenia (Bild: Chris Iseli)

Noch am Samstag hatte die «Schweiz am Wochenende» geschrieben, es sei derzeit noch offen, ob es überhaupt dazu kommt: Zur grossen Schlacht um Implenia. Implenia halte sich noch zurück, im Hintergrund würden Gespräche laufen. Heute hat nun Veraison bestätigt, dass es Gespräche gab, ein Kompromiss gesucht wurde – doch die Gespräche seien gescheitert.

Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zum bevorstehenden Kampf um den grössten Schweizer Baukonzern:

Was ist neu?

In einem Presse-Statement heisst, man habe Gespräche geführt mit dem Verwaltungsrat und dessen Beratern. Dabei habe eine Lösung gesucht, die die Interessen der bestehenden Aktionäre besser schütze. Zuvor hatte Veraison dem Verwaltungsrat vorgeworfen, er arbeite hin auf eine schleichende Enteignung dieser bestehenden Aktionäre.

Veraison gestand dem Implenia-Verwaltungsrat auch zu, er habe seine Bedenken ernst genommen und sei offen für Alternativen gewesen. Doch habe er nur weiter verhandeln wollen, wenn sich Veraison an Vorbedingungen halte, namentlich eine Stillhaltevereinbarung ab. Das lehnte Veraison ab. Die Verhandlungen sind gescheitert, zumindest fürs Erste. «Wir sehen uns veranlasst, die Gespräche mit Implenia betreffend Alternativen abzubrechen.»

Damit ist die Suche nach einem Kompromiss abgebrochen. Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum anstehenden Konflikt.

Worum wird überhaupt gestritten?

Der Implenia-Verwaltungsrat hatte vorgeschlagen: Man werde die Entwicklungs-Division in der Implenia-Gruppe belassen. Aber ein Teil der Projekte werde herausgenommen aus der Entwicklungs-Division und in ein neues Anlagevehikel überführt. In dieses Vehikel können sich dritte Investoren einkaufen. Implenia bekäme neues Kapital, die Projekte könnten rascher vorangetrieben werden. Die Pläne wurden am Investorentag vorgestellt. Im Deutsch der Manager lauten sie: Ausbau der eigenen Wertschöpfungskette. Man könnte auch sagen: Implenia rüstet auf im Wettbewerb um das Geschäft mit Schweizer Boden.

Dieser Vorschlag wurde von Veraison hart kritisiert. Intransparent sei das Vorgehen: Es bleibe unklar, zu welchem Preis die Projekte überführt werden ins neue Anlagevehikel. Enteignet würden die Aktionäre, weil sie keine klaren Rechte am Anlagevehikel hätten. Veraison bevorzuge einen anderen Weg. Die Entwicklungs-Sparte soll von Implenia abgetrennt und an die Börse gebracht werden. Das sei eine saubere, transparente Lösung. Veraison fordert darum eine ausserordentliche Generalversammlung, an dieser soll es eine konsultative Abstimmung über die Abspaltung geben.

Wie geht es nun weiter?

Veraison hat beim Implenia-Verwaltungsrat beantragt, dass dieser eine ausserordentliche Generalversammlung einberuft. Dort sollen dann die Aktionäre befragt werden, ob sie damit einverstanden sind, die Entwicklungs-Division abzuspalten und an die Börse zu bringen. Die Abstimmung wird allerdings nicht bindend sein, sondern nur konsultativ.

Ausserdem soll an der ausserordentlichen Generalversammlung entschieden werden, ob der aktuelle Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Meister abgewählt werden soll. Ihm soll die Schuld dafür gegeben werden, dass sich der Aktienkurs in seiner Amtszeit sehr schlecht entwickelt hat. An seiner Stelle soll Peter Bodmer neuer Präsident werden, ein ehemaliger Implenia-Mann.

Der Verwaltungsrat muss nun über dieses Begehren entscheiden.

Wie wird der Konflikt entschieden?

Veraison selber hält nur etwa 2 Prozent an Implenia. Doch sein Wort erhält zusätzliches Gewicht: Er hatte die Unterstützung von Implenia-Grossaktionär Max Rössler. Zusammen bilden Veraison mit Chef Gregor Greber eine Aktionärsgruppe. Der 79-jährige Rössler ist Implenia treu, seit diese im Jahr 2006 gegründet wurde. Er hält rund 16 Prozent.

Rösslers Forderungen lassen sich in der Öffentlichkeit auch nicht abtun, als das übliche Spiel von Aktivisten: Unternehmen in zwei Teile zerschlagen, an der Börse lässt sich mit den zwei Teilen dann mehr Kasse machen als nur mit dem ganzen Unternehmen. Rössler kann man nun wirklich nicht vorwerfen, es auf das schnelle Geld abgesehen zu haben.

Er scheint noch zu taktieren. Einmal hat er platziert, eine Abspaltung der Entwicklung gehe ihm zu weit. Zuletzt betonte er aber seine Sorgen, dass ihm die Pläne des Implenia-Verwaltungsrates tatsächlich schaden könnten, er als in gewisser Weise enteignet würde.

Was steht auf dem Spiel – schutzlos ohne Lex Koller?

Veraison sagt, wenn der Implenia-Verwaltungsrat sich mit seinen Plänen durchsetze, würden die bestehenden Aktionäre enteignet. Diese Angst hat wahrscheinlich auch Rössler dazu bewogen, sich mit Veraison und Gregor Greber zusammenzutun. Implenia selber hat sich bislang kaum öffentlich geäussert. Man prüft noch Vorschläge und analysiert generell die Situation. Am Finanzmarkt hat man die möglichen Folgen einer Aufspaltung wohl genau im Auge. Eine davon hinge mit der Lex Koller zusammen.

Dies Lex Koller schränkt ausländische Investitionen in schweizerischen Boden stark ein. Das hat zur Folge, dass die Implenia heute nicht von ausländischen Investoren übernommen werden könnte. Das hatte sich schon gezeigt, als der britische Hedgefonds Laxey im Jahr 2007 einen Übernahmeversuch startete. Der damalige Implenia-Verwaltungsrat verweigerte Laxey die vollständige Eintragung der Aktien. Laxey war blockiert und verlor den Übernahmekampf. Im November 2009 gab er auf.

Eine Abspaltung der Entwicklungs-Division würde Implenia als reines Bauunternehmen zurücklassen. Dieses könnte dann auch von ausländischen Investoren übernommen werden. Der grösste Schweizer Baukonzern ginge in ausländisches Eigentum über. Welche Folgen dies für die Arbeitsplätze in der Schweiz hätte, ist noch unklar.

Was macht die Entwicklungs-Division eigentlich genau?

Die Entwicklung fängt damit an, dass Implenia neue Areale findet. Solche, die vielleicht zunächst gar nicht bebaut werden dürfen. Es fehlt an Bewilligungen und Implenia muss erst Behörden überzeugen. Oder es sind zu kleine Grundstücke und Implenia kauft mehrere zusammen. Erst dann entsteht überhaupt eine bebaubare Fläche. Ist alles bereit, holen die eigenen Entwickler dann Offerten ein beim konzerneigenen Baugeschäft. Das fertige Projekt wird Investoren angeboten und verkauft. Nun fahren die Baukräne auf.

An der Entwicklungs-Division wollen beide Lager etwas ändern, der Implenia-Verwaltungsrat und Veraison – warum eigentlich?

Heute muss Implenia aus der Entwicklungs-Wertschöpfungskette genau an der Stelle ausscheiden, aber der andere erst das grosse Geld verdienen. Implenia liefert zwar noch das schlüsselfertige Projekt ab. Aber der Deal steht noch, das Finanzielle ist ausgehandelt. Doch ein Branchenkenner sagt: «Nach dieser Phase kommt die eigentliche Wertsteigerung.» Mit den von Implenia erstellten Büros, Läden oder Wohnungen verdienen die Investoren gutes Geld: vorhersehbar, ohne Schwankungen. Und vor allem: Sie machen extra Gewinne, weil für die Projekte in den Büchern höhere Werte eingesetzt werden können. Erst wird bewertet nach Land und Baukosten. Später nach den künftigen Einnahmen. Am Ende klopft vielleicht eine Versicherung an, die anders rechnet – und das Doppelte der Baukosten zahlt. Implenia hat davon nichts mehr.

Dieser Status quo ist für Implenia gallig. Denn eigentlich erledigt sie die wichtigste Arbeit in dieser Wertschöpfungskette. Sie findet passenden Boden und macht ihn erst bebaubar. «Das ist das, was in der Branche alle wollen», sagt der Kenner. Areale, die jedermann kaufen, haben einen Marktpreis. Sie sind teuer, der grosse Reibach ist nicht möglich. Implenia will sich also ein grösseres Stück abschneiden vom Geschäft mit der Entwicklung. Sie will ihre Grundstücke neu selber bis zum Ende entwickeln: auf eigene Rechnung bauen, die Gebäude auf die eigenen Bücher nehmen. Doch dafür braucht sie Geld, das sie heute nicht hat.

Wer sind auf Seiten von Implenia die entscheidenden Figuren?

Hans Ulrich Meister wurde im Frühling 2016 neuer Verwaltungsratspräsident vom Implenia. Zuvor hatte er rund 30 Jahre lange für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse gearbeitet. Am Ende war er im Kampf um die nächste Stufe auf der Karriereleiter bei der Credit Suisse unterlegen. Meister wurde vom damaligen Langzeit-Chef Anton Affentranger zu Implenia geholt. Doch im Herbst 2018 musste Affentranger gehen. Es hiess, Affentranger und Meister hätten sich entzweit.

Der CEO André Wyss trat im Oktober 2018 als neuer Chef an. Wyss hatte drei Jahrzehnte beim Pharmakonzern Novartis hinter sich, auf den Chef-Posten hatte er es in Basel nicht geschafft. Als er bei Implenia anfing, hatte der Konzern an der Börse bereits einen Einbruch hinter sich. Die Erwartungen an das Auslandgeschäft waren nicht erfüllt worden. Wyss räumte auf. Im Dezember gab er bekannt, im Auslandsgeschäft seien Abschreibungen nötig. Später ging der langjährige Finanzchef. Doch der Kurs fiel nur noch tiefer. Wyss hatte quasi unfreiwillig das Terrain für Veraison bereitet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.