Abgang von Rigi-Bahn-CEO: Selbst Dritte konnten nicht kitten

An der Generalversammlung der Rigi Bahnen waren die Erfolge für einmal von kleinerem Interesse. Vielmehr musste Verwaltungsratspräsident Karl Bucher Stellung nehmen, weshalb er sich so kurzfristig von CEO Stefan Otz getrennt hat.

Jürg Auf der Maur
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Stefan Otz. (Key)

Stefan Otz. (Key)

Beim Verfassen des Geschäftsberichts schien noch die berühmte Rigi-Sonne. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat wollten den Aktionären über ihre Erfolge berichten. Doch jetzt kam alles anders. Vor zwei Wochen trennten sich CEO Stefan Otz und der Verwaltungsrat für alle überraschend per sofort. In einer Medienmitteilung erklärte Verwaltungsratspräsident (VRP) Karl Bucher damals, dass die Vorstellungen über die Zukunft und wie diese angegangen werden sollte, nicht zusammengepasst haben.

Bei Mitarbeitern und in den Dörfern beidseits der Rigi sorgte die Schlagzeile für einen Knall. Das Bedürfnis, mehr über die Ursachen zu vernehmen, war gross und blieb es auch am Donnerstag. Wohl nicht zuletzt deshalb nahmen rekordverdächtige 740 Aktionäre an der Generalversammlung der Rigi Bahnen AG auf Rigi-Staffel teil.

Vorwürfe von Mitarbeitern an den Verwaltungsratspräsidenten

Karl Bucher. (Key)

Karl Bucher. (Key)

Verwaltungsratspräsident Karl Bucher ging denn auch gleich zu Beginn auf die Auseinandersetzung ein und gab Erklärungen zum Fall Otz ab. Er lobte Otz für dessen Arbeit. Nicht zu Unrecht, denn die Zahlen zeigten in den letzten drei Jahren bei der Königin der Berge allenthalben steil nach oben. «Er hat die Rigi zünftig durchgewirbelt», erklärte Bucher und dankte dem geschassten CEO. Otz sei schnell, zupackend, offen und kommunikativ gewesen. Gestritten wurde intern aber offenbar schon lange über die Regeln und Kompetenzen, die zwischen Verwaltungsrat und CEO gelten. Bucher: «Obwohl wir versuchten, das Verhältnis mit Dritten zu kitten und die Probleme zu regeln», sei nichts mehr zu machen gewesen. Es brauche Vertrauen, und das war offenbar nicht mehr gegeben. So habe sich der Verwaltungsrat als Ganzes für die sofortige Trennung entschieden. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt nun der einheimische Marcel Waldis, der seit elf Jahren bei den Rigi Bahnen arbeitet, die CEO-Funktion interimistisch.

Er verstehe, so Bucher, dass das Personal im ersten Moment irritiert reagiert habe. Das zeigte sich dann auch unter dem Traktandum Varia, als ein Mitarbeiter und Kleinaktionär dem Verwaltungsratspräsidenten vorwarf, dem CEO zu stark reingeredet zu haben. Es sei schade um den guten Mann, den der Betrieb nun verliere. Verwaltungsrat Urs Wullschleger wies die Vorwürfe postwendend vehement zurück. Bucher mache seine Arbeit sehr gut und richtig. Und der Trennungsentscheid sei, anders als behauptet wurde, vom Verwaltungsrat einstimmig gefällt worden.

Neues Rollmaterial: Vertrag ist unter Dach

Dass es trotz Turbulenzen vorwärts gehen soll, zeigt der Vertrag mit der Stadler-Rail AG, welche Peter Spuhler persönlich am Mittwoch mitunterzeichnete. Für 37 Mio. Franken werden die Rigi Bahnen beim Bahnhersteller sechs neue Kompositionen bestellen, die spätestens ab Herbst 2021 den Betrieb aufnehmen werden. Noch sind viele Fragen offen. Weder die Farbe, noch die Fenstergrösse sind definitiv geklärt.