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ABGAS-SKANDAL: Erste Haftstrafe im VW-Dieselskandal

Erstmals ist in den USA ein Beteiligter des VW-Dieselskandals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden: Der 63-jährige James Liang, ein langjähriger Ingenieur im Volkswagen-Konzern, muss 40 Monate hinter Gitter.
Renzo Ruf, Washington
Volkswagen musste nach dem Abgas-Skandal Tausende Fahrzeuge zurückziehen. (Bild: Michael S. Williamson/Getty (Baltimore, 17. Mai 2017))

Volkswagen musste nach dem Abgas-Skandal Tausende Fahrzeuge zurückziehen. (Bild: Michael S. Williamson/Getty (Baltimore, 17. Mai 2017))

Renzo Ruf, Washington

Er hatte sich mehr oder weniger freiwillig der amerikanischen Justiz gestellt und versprochen, bei den umfangreichen Ermittlungsarbeiten in der VW-Dieselaffäre eine hilfreiche Rolle zu spielen. Dieses Verhalten aber kam James Liang (63) gestern nur wenig zugute. Ein Bundesrichter in Detroit (Michigan) verurteilte den VW-Ingenieur aufgrund der Rolle, die er im Skandal um ­manipulierte Abgaswerte von Dieselmotoren gespielt hatte, zu einer 40 Monate dauernden Gefängnisstrafe und einer Busse von 200000 Dollar.

Damit statuierte Richter Sean Cox, eingesetzt von Präsident George W. Bush, am langjährigen Volkswagen-Angestellten ein Exempel, hatte die Anklagebehörde doch nur eine Strafe von 36 Monaten Gefängnis und eine Busse von 20000 Dollar gefordert. ­Liangs Anwalt hatte darauf plädiert, den Ingenieur bloss zu einem zwölfmonatigen Hausarrest zu verurteilen.

«Schlüsselrolle» in der Affäre

Liang arbeitete seit gut zehn Jahren für den deutschen Autobauer in Kalifornien. Bereits vor seinem Umzug in die USA war er federführend in der Entwicklung des Dieselmotors EA 189 beteiligt, mit dem VW den lukrativen amerikanischen Markt erobern wollte. Rasch stiessen die Volkswagen-Ingenieure aber auf eine schier unüberwindbare Hürde – sie taten sich schwer damit, die richtige Balance zwischen den ­hohen Stickoxid-Grenzwerten in den USA und den hohen Erwartungen der Kunden in einen Dieselmotor zu finden. Also tricksten die VW-Angestellten, indem sie 2006 ein sogenanntes «Defeat Device» entwickelten, das eingesetzt werden konnte, um die staatlichen Abgaskontrollen zu überlisten. Nach seinem Umzug in die USA verbesserte Liang diese Software-Applikation weiter.

Im September 2016, während einer Gerichtsanhörung in Detroit, gab er zu, dass er gewusst habe, dass die amerikanischen Aufsichtsbehörden keine Ahnung von den Tricksereien gehabt hätten. So habe er 2007 an Sitzungen mit der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) und der kalifornischen Aufsichtsbehörde Carb (California Air Resources Board) teilgenommen, ohne auf das «Defeat Device» aufmerksam zu machen.

Richter Cox begründete die Strafzumessung mit der Schwere des Verbrechens, das Liang begangen habe – und damit, dass der Deutsche eine «Schlüsselrolle» in der Dieselaffäre gespielt habe. Die Reue, die der VW-Ingenieur nun empfinde, entschuldige seine Verbrechen nicht. Der deutsche Staatsbürger äusserte sich während der Gerichtsanhörung nicht. Er hatte seine Taten aber im vorigen Jahr zugegeben, als er ein umfassendes Schuldeingeständnis unterzeichnet hatte. Sein Anwalt wies darauf hin, dass Liang mit den Ermittlungsbehörden kooperiere. Auch sei er aufgrund des Medienrummels um sein Verfahren zum «weltweiten Aushängeschild» des Skandals geworden.

Liang war in der Tat der erste Verantwortliche, der sich im Zuge der Dieselaffäre in den USA vor Gericht verantworten musste. Ein zweiter VW-Angestellter, der Deutsche Oliver Schmidt, hatte sich vor drei Wochen allerdings ebenfalls im Sinne der Anklage für schuldig befunden. Er wird seine Strafzumessung voraussichtlich im Dezember erfahren, ebenfalls aus dem Mund von Bundesrichter Sean Cox. Auf den Delikten, die er begangen hatte, steht eine Gefängnisstrafe von bis zu 7 Jahren. Alle anderen Angeklagten in der VW-Dieselaffäre – rund eine Hand voll, darunter der ehemalige VW-Manager Bernd Gottweis – befinden sich in Deutschland; sie scheinen keine Pläne zu hegen, sich der amerikanischen Justiz zu stellen. Der VW-Konzern selbst hatte zu Jahresbeginn in den USA einen Schlussstrich unter die strafrechtlichen Ermittlungen in der Dieselaffäre gezogen und eingewilligt, Bussgelder in der Höhe von 4,3 Milliarden Dollar zu bezahlen.

VW-Ingenieur James Liang. (Bild: Virginia Lonzano/AP)

VW-Ingenieur James Liang. (Bild: Virginia Lonzano/AP)

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