ABGAS-SKANDAL: «Unsere Kunden vertrauen uns»

Noch ist unklar, wie sich VW aus der Affäre um den Abgas-Schwindel zieht. Klar ist aber, wie die Kunden in der Zentralschweiz reagieren.

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Viele VW-Kunden vertrauen nach wie vor in die Autos. Das merkt auch die Garage Pargger AG in Stans, die VW-Autos vertreibt (Bild). (Bild Nadia Schärli)

Viele VW-Kunden vertrauen nach wie vor in die Autos. Das merkt auch die Garage Pargger AG in Stans, die VW-Autos vertreibt (Bild). (Bild Nadia Schärli)

Charly Keiser

Die Volkswagen AG – besser bekannt als VW – ist seit Mitte September in aller Munde. Täglich ist der deutsche Autokonzern in den Medien präsent. Dies wegen des Abgas-Skandals, von dem rund elf Millionen Fahrzeuge mit einem VW-TDI-Dieselmotor betroffen sind. Der Betrug des Unternehmens aus Wolfsburg kostete den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn den Job. Und dies, obwohl er sich zuvor «in aller Form bei den Kunden, den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten» entschuldigt hatte.

Fehlende Entschuldigung von VW

«Ich bin schon enttäuscht, dass sich VW bei uns Händlern nicht auch entschuldigt hat», bekennt Christoph Pargger von der gleichnamigen Garage in Stans. Denn der Aufwand wegen des Abgas-Skandals sei für die betroffenen VW-Garagen sehr gross, ergänzt er und präzisiert: «Ich muss beispielsweise rund eine Stunde pro Tag für Kundengespräche rund um den Skandal aufwenden.» So wollten viele seiner Kunden wissen, ob ihr Auto betroffen und wie der momentane Informationsstand sei, erklärt er. Als Landgarage sei die Beziehung zu den Kunden stark und nahe und darum zum Glück entsprechend mässig sei deren Unmut. «Unsere Kunden vertrauen uns und verhalten sich sehr anständig und geduldig. Der Grund ist sicher auch, dass die VW gute Autos sind und es auch bleiben.»

Ruhe erst Anfang nächstes Jahr

Pargger erklärt, was VW «beim immer noch gescheitesten Dieselmotor» beeinflusst hat, und sagt: «Es war zwar dumm von VW, ihre Motoren bei den Tests auf Kosten von weniger Kohlenstoffdioxid mehr Stickstoffdioxid ausstossen zu lassen; aber ob das für die Umwelt nachteilig ist, muss stark bezweifelt werden.»

Klar sei hingegen, dass es noch Monate dauere, bis das Thema definitiv vom Tisch sei, ist sich Pargger sicher und schätzt: «Ich werde wohl in den ersten Monaten des kommenden Jahres einen halben Automechaniker mehr brauchen, um all die Umrüstungen der Kundenfahrzeuge bewältigen zu können. Und dies, obwohl wohl 50 Prozent der Arbeiten mit einem Software-Update zu realisieren sind.» Im ersten Quartal, so hofft Pargger, sollten die Umrüstungen und Nachbesserungen gemacht sein. Dann kehre wohl langsam Ruhe ein, und man höre später höchstens noch etwas über die Höhe der Bussen und Entschädigungen.

Optimistische Garagisten

Ähnliche Erfahrungen wie Pargger hat Ivan Strickler gemacht. «Die Reaktionen unserer Kunden waren human und sogar eher positiv», betont der Chef der Garage Strickler in Baar und ergänzt: «Wir haben ehrlich gesagt einen grösseren Ansturm befürchtet; aber unsere Klienten sind wirklich sehr geduldig.» Dazu beigetragen habe sicher auch die schnelle und gute Reaktion von VW auf den Skandal. Aber trotzdem hätten sich bei ihm viele Kunden per Mail oder Telefon erkundigt, sagt der Garagenchef. «Doch der Verkauf und der übrige Betrieb läuft gleich wie immer.» Trotz des Skandals hätten Kunden Dieselfahrzeuge bestellt, verrät Strickler und gibt zu bedenken: «Aber es wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis wieder alles so ist wie noch vor einem Monat.»

Nur wenig Anrufe von Kunden hat Ruedi Füchslin vom Autohaus Füchslin AG in Einsiedeln entgegennehmen müssen, wie er sagt. «Wir hören immer mal wieder die eine und andere Bemerkung – werden aber von unseren Kunden nicht negativ angegangen.» Die Leute wollten in erster Linie ein Auto, das fährt und wenig Probleme macht, erklärt Füchslin, und dies treffe auf die VW entsprechend zu. «Wir nehmen es, wies kommt», sagt Füchslin und fügt an: «Wir können es ja sowieso nicht ändern.»

Von der Situation profitieren

Vorwärts schauen und das Beste aus der Sache machen will Josef Albisser von der Kreuz-Garage in Willisau. «Wenn wir unseren Job richtig machen, können wir mit gutem Service für die Kunden letztendlich sogar von der Situation profitieren», sagt der Patron und ergänzt: «Die Kunden wollen für ihre guten Autos einen Topservice, und diesen bieten wir ihnen.»

Amag zensiert und verbietet

Keine Auskunft, wie sich ihre Kunden verhalten und wie die Situation eingeschätzt werde, ist bei der Amag in Cham und Ebikon sowie der Garage Röthlin in Kerns und der Christen Automobile in Schattdorf zu bekommen. Die Betriebe verweisen auf die Order sowie das Kommunikationsverbot des VW-Importeurs Amag Schweiz AG in Schinznach Bad, dass Anfragen an die dortige Kommunikationsabteilung zu richten seien. «Ich will meinen Namen nicht in der Zeitung lesen», sagt einer der Angesprochenen, und ein anderer versucht die Überbringer der Botschaft für die Betrügereien bei VW verantwortlich zu machen, indem er uns schreibt: «Ich äussere mich nicht. Die Medien haben schon genug Schaden verursacht.»