Abschwung in der Baubranche: Anliker streicht 70 Jobs

Das Luzerner Bauunternehmen Anliker streicht 70 Arbeitsplätze. Und auch sonst wird die Branche jäh abgebremst.

Gregory Remez
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Wann sich das Baugewerbe wieder zu alter Grösse aufrichtet, ist ungewiss: Anliker-Baustelle in Malters.

Wann sich das Baugewerbe wieder zu alter Grösse aufrichtet, ist ungewiss: Anliker-Baustelle in Malters.

Eveline Beerkircher (23. März 2020)

Die Umwälzungen im Baugewerbe machen selbst vor Branchengrössen wie der Luzerner Unternehmensgruppe Anliker nicht halt: Wie nun bekannt wurde, plant die in Emmenbrücke ansässige Bau- und Immobilienfirma einen Abbau ihres Personals. Bis Juni sollen 70 Stellen gestrichen werden, bestätigt Roland Dubach, Leiter der Bausparte, einen entsprechenden Beitrag von «SRF Regionaljournal». Die eine Hälfte werde man durch Frühpensionierungen auffangen können, bei der anderen Hälfte aber seien Entlassungen nicht zu vermeiden.

Die Belegschaft ist am Montagabend über den geplanten Schritt informiert worden. Es stehe zurzeit aber noch nicht fest, welche Mitarbeitenden konkret betroffen sein werden. Dies sei nun Teil interner Abklärungen, sagt Dubach, der neben seinem Amt als Bauspartenleiter auch die Finanzen der Gruppe verantwortet.

Coronaeffekt spielt nur indirekte Rolle

Fest steht dagegen: Es wird alle Abteilungen treffen, sowohl das Baustellenpersonal als auch Büroangestellte und Kader. «Der Schnitt erfolgt entlang der ganzen Pyramide», sagt Dubach. Denn der Stellenabbau sei nicht Folge eines «Coronaeffekts», sondern auf allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen zurückzuführen, die durch die aktuelle Krise lediglich beschleunigt worden seien. Insofern hätte auch eine Einführung von Kurzarbeit, auf die man bewusst verzichtet habe, nichts dagegen ausrichten können. «Wir haben bereits vor zwei Jahren eine strategische Neuausrichtung vorgenommen, um auf die bevorstehenden Umsatzverlagerungen zwischen den einzelnen Bausegmenten vorbereitet zu sein. Der nun eingeläutete Stellenabbau ist eine Folge davon.»

Laut Dubach dürften die Segmente Tief- und Umbau künftig wichtiger werden, während der lange Zeit volumenmässig boomende Hochbau an Bedeutung verliert. «Wir kommen gerade aus einer Phase, in der über alle Bausegmente hinweg hohe Volumen gefahren wurden. Das wird in Zukunft kaum mehr so sein, beispielsweise dürfte der konjunktursensible Wirtschaftsbau noch über Jahre hinweg unter den Folgen der Krise leiden.»

Zentralschweiz kommt glimpflich davon

Die ausschliesslich in der Deutschschweiz tätige Anliker-­Gruppe beschäftigt insgesamt 1700 Mitarbeitende, deren 1000 sind es alleine am Hauptsitz in Emmenbrücke. Vom Stellenabbau betroffen seien in der Zentralschweiz aber lediglich fünf bis sechs Personen, sagt Dubach auf Nachfrage. Ohne Corona hätte man den Stellenabbau wohl mit natürlichen Fluktuationen meistern können – ohne harte Entlassungen. Die Krise habe die Planungsunsicherheit aber erhöht. Dubach spricht dabei eine Entwicklung an, die auch der Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) bestätigt. Nach einem guten Jahresstart sei die Baukonjunktur durch das Coronavirus jäh abgebremst worden, kommentiert der SBV den Bericht.

Dabei gehört der Bau – wirft man mal einen Blick auf die aktuellen Zahlen – zu den weniger stark betroffenen Branchen der Krise. Unter anderem auch deshalb, weil Baustellen abgesehen von wenigen Ausnahmen, etwa im Tessin oder in der Westschweiz, während des Lockdowns geöffnet blieben. Dubach warnt allerdings vor verfrühter Euphorie. «Das Baugewerbe reagiert immer mit leichter Verzögerung auf aktuelle Entwicklungen», sagt er. Die Aufträge, die jetzt ausgeführt würden, seien alle vor Corona ausgelöst worden. Den Volumenrückgang werde man daher wohl erst 2021 so richtig zu spüren bekommen.

Umsatz im Bauhauptgewerbe im ersten Quartal zwei Prozent gesunken

Die Coronakrise hat dem Schweizer Bauhauptgewerbe im ersten Quartal 2020 zugesetzt. Die Prognosen für das zweite Quartal sehen noch schlechter aus. Mit einem 5-Punkte-Plan will der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) die Branche nun wieder auf Kurs bringen.