Interview

«Acht Schafe für einen feinen Stoff»

Sarah Bünter
Drucken
Teilen
Benjamin J. Fuchs, Geschäftsleiter der Weba. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Benjamin J. Fuchs, Geschäftsleiter der Weba. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Wie oft tragen Sie Weba-Produkte selbst?

Benjamin J. Fuchs: Ich gehöre zu denjenigen, die unsere Produkte als Erste testen dürfen. Daher trifft man mich häufig mit beispielsweise einem unserer Hemden an. Bis unsere Produkte auf den Markt kommen, braucht es jedoch einige Testphasen.

Verarbeiten Sie Wolle von Schweizer Merinoschafen ?

Nein, leider nicht. Unsere Merinowolle kommt vorwiegend aus Australien und teilweise aus Neuseeland. Nur diese Länder verfügen über die feinste Merinowolle, die wir in unseren Prozessen brauchen. Wir haben acht Merinoschafe als Botschafter für unseren feinen Stoff hier in ­Appenzell. Es ist wichtig, dass wir eine emotionale Verbindung schaffen. Mit unseren Schafen können wir auch die Entwicklung besser vorantreiben.

Wie sieht das konkret aus?

Wir planen ein Kundenzentrum, in dem wir mit Schautafeln und direkten Berührungspunkten zu den Schafen unsere Produktion aufzeigen.

Dass ein Textilunternehmen in der Schweiz investiert, ist nicht mehr alltäglich. Ein Zeichen für eine neue Blütezeit in dieser Branche?

Jene Schweizer Textilindustrieunternehmen, welche die schwierigen Zeiten in dieser Branche überstanden haben, taten dies mit Innovation in Nischen. Dazu gehören auch wir. Eine neue Blütezeit damit vorauszusagen, wäre daher etwas zu hoch gegriffen.

Warum haben Sie sich eigentlich für den Standort Schweiz entschieden?

Ein Know-how auf diesem Niveau finden wir nur hier in der Schweiz. Für Entwicklungsprozesse in unserer Nischenproduktion ist dieses Wissen ausschlaggebend. Von solchen Innovationen und Entwicklungen hängt unsere Zukunft gerade unter dem hohen internationalen Konkurrenzdruck ab.

Sie schreiben nachhaltige, soziale und ökonomische Verantwortung gross. Seit wann haben diese Standards eine Bedeutung?

Als Schweizer Unternehmen sind wir da schon immer vorbildlich unterwegs. Das Thema Nachhaltigkeit hat aber in den vergangenen ein bis zwei Jahren sehr viel an Bedeutung gewonnen. Gerade bekannte Modelabels wie beispielsweise Chanel und Gucci verlangen solche hohen Standards. Damit reagieren diese Labels auf ein zunehmendes Kundenbedürfnis.

Wie wichtig ist Ihr Standort in Ägypten heute?

In Ägypten werden 80 Prozent unserer Stoffe produziert. Daher ist dieser Standort für unsere Gruppe sehr wichtig. In der Schweiz produzieren wir unsere Luxusstoffe.

Was bedeutet Tradition in einem Unternehmen wie der Alba-Gruppe?

Wir blicken seit 75 Jahren als Familienunternehmen auf eine grosse Tradition zurück. Darauf sind wir gerade im Hinblick auf die vergangenen Entwicklungen in dieser Branche stolz.