Rücktritt
«Ackermann ist nicht der Typ, der einfach die Segel streicht»

Management-Berater Bernhard Bauhofer bewertet den Rücktritt von Joe Ackermann positiv. Der Schritt unterstreicht seine menschlichen Züge. Dennoch geht er davon aus, dass der Manager keinen ähnlichen Posten mehr anstreben wird.

Isabel Strassheim
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Management-Berater Bernhard Bauhofer

Management-Berater Bernhard Bauhofer

Zur Verfügung gestellt

Herr Bauhofer, wie schätzen Sie den Rücktritt Joe Ackermanns beim Versicherer Zurich ein?

Bernhard Bauhofer: Es ist natürlich moralisch heikel das zu bewerten, solange die Hintergründe nicht vollständig bekannt sind. Aber Stand heute kann ich sagen, dass mich das positiv überrascht hat.

Wie das?

Wahrscheinlich waren die Vorwürfe gegen ihn so gross, dass er sich in seinem fortgeschrittenen Alter überlegt hat, ob er sich das noch weiter antun will. Und vor allem: Ob er nicht die gängigen Führungsprinzipien in der Wirtschaft hinterfragen muss.

Sie meinen, nun stellt er sich die Sinnfrage?

Sein Rücktritt bei Zurich stellt einen massiven Einschnitt dar. Er ist nicht der Typ, der die Segel einfach streicht, sondern einer, der in schwierigen Zeiten an Bord bleibt. Hier scheint es aber nun nicht um Zahlen und Fakten zu gehen, sondern um das Menschliche. Und das wirft die Frage nach dem Sinn in der Wirtschaft auf.

Kommt Ackermann damit für neue Posten in der Wirtschaft nicht mehr in Frage?

Ich glaube, das war es für ihn. Aber nicht, weil es ihm an Angeboten fehlten sollte. Im Gegenteil, seine menschlichen Züge, die nun zum Tragen kommen, machen ihn eher attraktiv. Aber wahrscheinlich haben ihn die jüngsten Ereignisse so geprägt, dass er nicht mehr weiter machen will.