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Adidas zieht mit 100 Jobs nach Luzern

Europas grösster Sportartikelhersteller verlegt die Abwicklung des globalen Handelsgeschäfts von den Niederlanden nach Luzern. Steuergeschenke habe man nicht versprochen, sagt die Wirtschaftsförderung.
Maurizio Minetti
Ein Adidas-Laden in Berlin. (Bild: Krisztian Bocsi/Bloomberg, 4. März 2015)

Ein Adidas-Laden in Berlin. (Bild: Krisztian Bocsi/Bloomberg, 4. März 2015)

Ob Umsatz, Gewinn oder Aktienkurs: Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas hat in den letzten Jahren Rekord an Rekord gereiht. Wie das jüngste Geschäftsjahr verlaufen ist, wird der Konzern mit Sitz im bayerischen Herzogenaurach am nächsten Mittwoch bekannt geben. CEO Kasper Rorsted hat ein Gewinnwachstum bis 20 Prozent und einen Umsatzanstieg um bis zu 9 Prozent in Aussicht gestellt.

Künftig wird man auch in Luzern mit Interesse die Geschäfte von Adidas verfolgen. Grund: Die Marke mit den drei Streifen verlegt einen Kernbereich ihres Konzerns nach Luzern. Dazu hat Adidas kürzlich in Luzern eine Zweigniederlassung gegründet. Die Gründung stehe in Zusammenhang mit Plänen, «bestimmte Aktivitäten unseres globalen Handelsgeschäfts nach Luzern zu verlagern», bestätigt Adidas-Sprecherin Claudia Lange Recherchen unserer Zeitung.

Zusammenlegung mit Chamer Sitz wird geprüft

Es geht dabei um den globalen Handel mit Schuhen, Bekleidung, Accessoires und Ausrüstung. Seit 2008 wickelt dies Adidas vor allem in Amsterdam ab, zum Teil aber auch noch am Hauptsitz in Herzogenaurach. Die bestehende niederländische Gesellschaft bezieht unter anderem Waren von Vertragsherstellern und verkauft sie an Vertriebsgesellschaften des Konzerns. Wer heute bei Adidas im Internet Ware bestellt, bekommt die Rechnung von der Adidas International Trading BV in Amsterdam. Künftig dürfte diese Rechnung von der neuen Gesellschaft in Luzern kommen. Über die Handelsgesellschaft wird auch die Tochtermarke Reebok gehandelt.

«Durch die Verlagerung werden in Luzern bis Mitte 2020 voraussichtlich hundert Stellen entstehen», sagt Sprecherin Lange. Erste Mitarbeitende sollen bereits im laufenden Jahr den neuen Standort beziehen. Noch unklar ist, wo sich die Niederlassung in Luzern befinden wird.

Der Konzern prüft ausserdem eine Zusammenlegung der bestehenden Adidas-Niederlassung in Cham am neuen Luzerner Standort. In Cham sind heute rund 40 Personen vor allem in Vertriebsfunktionen beschäftigt. Der Entscheid, nach Luzern zu ziehen, ist erst vor wenigen Wochen gefallen. Welche anderen Standorte evaluiert worden sind, verrät die Adidas-Sprecherin nicht. Warum ausgerechnet Luzern? «Ziel war es, Funktionen an einem Standort zu bündeln. Entscheidend für einen Umzug in die Schweiz und Luzern waren für uns unter anderem die Nähe zur Adidas-Zentrale in Herzogenaurach und zu wichtigen strategischen Partnern sowie die Attraktivität des Standortes für bestehende und zukünftige Mitarbeitende», sagt Lange. Die Steuern hätten selbstverständlich eine Rolle gespielt, doch sei dies nur einer von vielen Faktoren gewesen.

Dass Europas grösster Sportartikelhersteller nach Luzern zieht, ist für die Wirtschaftsförderung Luzern ein grosser Coup. «Ich habe grosse Freude, dass die Ansiedlung dank einer intensiven und ganz tollen Teamarbeit möglich wird», sagt Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. Erste Kontakte habe es im Oktober gegeben. Später wurde auch der Regierungsrat in den Prozess involviert. Buck betont, dass der Kanton «keine Steuergeschenke» mache. «Sicher ist, dass die Luzerner Adidas-Niederlassung gemäss dem kantonalen Steuergesetz besteuert wird und deshalb dem Kanton und der zukünftigen Standortgemeinde substanzielle Steuereinnahmen bringen wird», sagt Buck. Er glaubt, dass viele Mitarbeitende ihren Wohnsitz im Kanton Luzern haben werden, «was dem Kanton und entsprechenden Wohngemeinden zusätzliche Steuereinnahmen bringen wird».

Public Eye kritisiert Steuerstrategie

Dass mit Adidas ein internationaler Konzern nach Luzern kommt, sorgt aber auch für Kritik. Die Nichtregierungsorganisation Public Eye glaubt, dass Adidas nur aus Steuergründen nach Luzern zieht. «In den Niederlanden sind Lizenzeinnahmen steuerfrei. Wenn Adidas nun von dort wegzieht, kann das nur bedeuten, dass Luzern noch attraktivere Steuerbedingungen anbietet», sagt Mediensprecher Oliver Classen. Er sieht Analogien zum sogenannten Fashion Valley im Tessin. Dem italienischen Fiskus seien die Tessiner Steuerkonstrukte von Luxusmarken wie Gucci schon lange ein Dorn im Auge. Nachdem schon Hugo Boss in Zug präsent sei, könnte seiner Meinung nach nun «ein Zentralschweizer Fashion Valley entstehen». Im Hinblick auf die Konzernverantwortungsinitiative stelle sich zudem die Frage, ob der Luzerner Adidas-Sitz künftig für allfällige Menschenrechtsverletzung in den Produktionsländern zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Adidas produziert unter anderem in China.

Die Adidas-Sprecherin sagt dazu, Adidas halte sich unabhängig vom Standort an die jeweils geltenden steuerlichen Regeln und Gesetze. Insgesamt liege die effektive Steuerquote von Adidas über dem Durchschnitt der Unternehmen, die im wichtigsten deutschen Aktienindex DAX zusammengefasst seien.

Was den Umgang mit Menschenrechten in der Beschaffungskette angeht, sagt Lange: «Die Einhaltung fairer und sicherer Arbeitsbedingungen sowie fairer Löhne in Fabriken der gesamten Beschaffungskette sind integraler Bestandteil unserer Unternehmenspolitik. Für unsere eigenen Produktionsstandorte und externen Zulieferbetriebe haben wir klare Regeln hinsichtlich Gesundheit, Sicherheit, Arbeitsrechte und Umweltschutz aufgestellt.»

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