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Adoboli muss Grossbritannien verlassen

Nach dreijährigem juristischem Tauziehen steht der frühere UBS-Trader vor der Ausweisung.
Sebastian Borger, London
Kweku Adoboli vor einem Gerichtstermin. (Bild: Facundo Arrizabalaga/Keystone (London, 16. November 2012))

Kweku Adoboli vor einem Gerichtstermin. (Bild: Facundo Arrizabalaga/Keystone (London, 16. November 2012))

Schwerer Rückschlag für Kweku Adoboli: Nach dreijährigem juristischem Tauziehen steht dem früheren UBS-Trader die Abschiebung in sein Geburtsland Ghana bevor. Das Londoner Appellationsgericht hat in letzter Instanz entschieden, die Einsprüche des 38-Jährigen gegen die Entscheidung des britischen Innenministeriums seien wirkungslos. Der Betroffene nahm den lang erwarteten Bescheid mit Tränen auf. «Ich bin hier zu Hause», sagte er.

Adoboli ist der Sohn eines früheren UNO-Diplomaten aus Ghana. Mit seiner Familie verliess er das Land seiner Geburt als Vierjähriger, seit einem Vierteljahrhundert lebt er in Grossbritannien, wo er auch die Universität besuchte, ehe er beim Schweizer Weltkonzern UBS anheuerte.

In der Londoner UBS-Investmentbank arbeitete Adoboli als Trader am Desk für börsenko­tierte Aktienbündel (ETFs). Dort missbrauchte er seine Vertrauensposition und führte über Jahre hinweg eine Schattenbuchhaltung. Als die Deals aufflogen, entstand der Bank im September 2011 ein Schaden von 2,3 Milliarden Dollar. CEO Oswald Grübel verlor den Job, Adoboli wurde in Haft genommen. Weil der «rogue trader» sich zunächst kooperativ zeigte, konnte schlimmerer Schaden von der Bank abgewendet werden. Während seines Prozesses plädierte Adoboli in allen Punkten auf unschuldig: Kollegen und Vorgesetzte seien in seine Schattenbuchhaltung, den sogenannten Regenschirm, eingeweiht gewesen – oder hätten über Unstimmigkeiten hinweggeschaut, solange die Gewinne stimmten.

Adoboli liess sich nie einbürgern

Tatsächlich sprachen die Aufsichtsbehörden FSA in England sowie die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma in einem Bericht von «schwerwiegenden Mängeln, mangelhafter Überwachung und unklaren Verantwortlichkeiten» in der Abteilung Global Synthetic Equities (GSE), die für Adobolis Handelsraum zuständig war. «Wir haben dieses Kapitel abgeschlossen», teilte die UBS damals mit und verwies auf Disziplinarverfahren und Entlassungen gegen die Betroffenen.

Die Geschworenen sprachen den Trader vom Vorwurf der fal-schen Bilanzierung frei, hielten ihn aber des Betrugs für schuldig. Der Vorsitzende Richter verhängte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und liess kein gutes Haar an Adoboli: Dieser habe «einen Hang zum Glücksspiel und war arrogant genug, alle Vorschriften zu missachten».

Die harte Urteilsbegründung liegt der Ausweisungsverfügung durch das Innenministerium zu Grunde. Zwar verhielt sich der Straftäter im Gefängnis so untadelig, dass er nach Verbüssung der Hälfte seiner Strafe im Juni 2015 auf Bewährung entlassen wurde. Dem Gesetz zufolge werden aber grundsätzlich alle Verurteilten ausgewiesen, deren Strafen über vier Jahre hinausgehen. Eine grosse Gruppe von Freunden hat Adoboli mit mehr als 20000 Pfund unterstützt, eine Petition für seinen Verbleib erhielt 50000 Unterschriften, seine örtliche Unterhaus-Abgeordnete Hannah Bardell hält ihn für «einen Gewinn für unser Land».

Zum Verhängnis wird Adoboli, dass er vor seiner Verurteilung die ihm zustehende Einbürgerung ins Vereinigte Königreich versäumte. Er hat jetzt eine Verwaltungsbeschwerde gegen das Innenministerium verfasst, deren Erfolgsaussichten allerdings als gering gelten.

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