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AGRO-TOURISMUS: Südtirol weckt Schweizer Neugier

Ferien auf dem Bauernhof sind beliebt. Die Erfolgsgeschichte aus Südtirol ruft Schweizer Landwirte auf den Plan.
Für Kinder sind sie ein Erlebnis: Ferien auf dem Bauernhof. Die Einnahmen, die Bauern mit solchen Dienstleistungen generieren, können sehr wohl einschenken. (Bild: pd)

Für Kinder sind sie ein Erlebnis: Ferien auf dem Bauernhof. Die Einnahmen, die Bauern mit solchen Dienstleistungen generieren, können sehr wohl einschenken. (Bild: pd)

Denise Weisflog

Birgit Pomella führt ihre Gäste durch den Obst- und Weinbau und bewirtet sie anschliessend mit selbst gemachten Fruchtsäften. Die Bäuerin aus Kurtatsch an der Weinstrasse vermietet vier Ferienwohnungen inklusive Hofanschluss. Ihr Betrieb, der Lindenhof, ist einer von 1700 Bauernhöfen im Südtirol, die unter der Dachmarke Roter Hahn auf den Zusatzerwerb Tourismus setzen. Im vergangenen Jahr generierten sie insgesamt 2 299 147 Übernachtungen (+188,2 Prozent); im Gründungsjahr der Marke, im Jahre 1999, waren es noch 797 688. Die jährlichen Gesamteinnahmen liegen heute bei 79,5 Millionen Euro; das ist mehr, als mit der Weinwirtschaft erzielt wird (78,8 Millionen Euro).

Höchste Dichte in Europa

«Ferien auf dem Bauernhof» ist eine Südtiroler Erfolgsgeschichte. Ihr Ursprung geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück, als wohlhabende Städter aus Bozen und Meran die Sommermonate auf hoch gelegenen Höfen verbrachten. Heute bieten 13 Prozent der insgesamt 20 000 Bauern in Südtirol Agrotourismus an, das ist europaweit die höchste Dichte. «Unsere Landwirtschaft ist sehr klein strukturiert, weshalb die meisten Bauern nach Diversifikationsmöglichkeiten suchen», sagt Hans J. Kienzl, Leiter der Dachmarke Roter Hahn beim Südtiroler Bauernbund. Zimmer und Wohnungen auf dem eigenen Hof zu vermieten, sei für viele eine bessere Alternative, als auswärts Arbeit zu suchen. «Besonders die Bäuerinnen sehen darin eine gute Möglichkeit, sich selbst zu bestätigen und zu verwirklichen», erklärt Kienzl.

Viel Potenzial auch in der Schweiz

Das Südtiroler Modell findet weltweit Beachtung. Kienzl beriet bereits Delegationen aus Norwegen, Spanien, Portugal, Südamerika, Australien und China und im Rahmen des EU-Interreg-Projekts IV zwischen Italien und der Schweiz auch interessierte Betriebe aus dem Kanton Graubünden.

Hierzulande steckt der Agrotourismus noch in den Kinderschuhen, auch wenn er eine beliebte Ferienform ist und die Strukturen laufend ausgebaut werden. Rund 400 Anbieter sind in der Vereinigung Agrotourismus Schweiz zusammengeschlossen, die jährlich ungefähr 270 000 Übernachtungen verzeichnet. Dazu kommen etwa 1000 weitere Objekte, die individuell vermietet werden. Oliver von Allmen, Geschäftsführer Agrotourismus Schweiz, sieht ein grosses Potenzial für diese Art von Tourismus, allerdings müssten noch einige Hürden überwunden werden. «Eines der Hauptprobleme ist, dass die Anbieter in der Landwirtschaftszone kaum in touristische Infrastruktur investieren können», sagt von Allmen. Mit der zweiten Revision der Raumplanung sollen diese Vorschriften gelockert und so den Landwirten eine Möglichkeit zur Diversifizierung eröffnet werden. Dabei sollen laut von Allmen aber keine Bauernhofhotels entstehen, sondern eine Kombination zwischen Tourismus und Produktion, die das Erlebnis Bauernhof authentisch vermittle.

Ein weiterer Stolperstein für den Schweizer Agrotourismus sei der Föderalismus. «Was in einem Kanton bewilligt wird, ist im Nachbarkanton schon verboten. Das macht die Beratung schwierig», erklärt von Allmen.

Dass Ferien auf dem Bauernhof auch in der Schweiz einen Boom erleben könnten, hält von Allmen für durchaus realistisch. Man befinde sich in engem Kontakt zum Schweizerischen Bauernverband, der auf politischer Ebene versuche, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu verbessern. Laut Christine Badertscher, Bereich Internationales und Raumplanung beim Schweizer Bauernverband (SBV), ist jedoch nicht vorauszusehen, was in der Politik schlussendlich entschieden werde. «Der SBV setzt sich für pragmatische Lösungen ein bei zweckgebundenen, bestehenden Gebäuden. Allerdings ist auch der Schutz des Kulturlandes wichtig. Dieser muss bei Bauvorhaben für die Paralandwirtschaft berücksichtigt werden», sagt Badertscher. Wichtig sei, dass innerhalb des Agrotourismus der Landwirtschaftsbetrieb im Vordergrund stehe und das Haupteinkommen mit der Produktion von Nahrungsmitteln erwirtschaftet werde. «Hotelbetriebe, die das Gewerbe konkurrieren, sollen keine entstehen», erklärt Badertscher.

«Politik muss mitziehen»

Doch selbst wenn sich die hiesigen Rahmenbedingungen ändern, dürfte der Schweizer Agrotourismus kaum die vom Südtirol gelegte Messlatte erreichen. «In Italien ist der Agrotourismus historisch gewachsen, unsere Organisation hat eine 20-jährige Geschichte.» Ausserdem profitiere das Südtirol von grossen Vorteilen im Bereich Raumplanung sowie Direktinvestitionen der EU.

Dies bestätigt Hans J. Kienzl. «Die Politik muss mitziehen», sagt der Chef der Dachmarke Roter Hahn. Im Südtirol sei dies geschehen. Einerseits bezüglich der Raumplanung, anderseits habe man transparente Bewertungskriterien für die Höfe entwickelt.

Leidenschaft nötig

In einem weiteren Punkt sind sich die Geschäftsführer von Agrotourismus Schweiz und dem «Roten Hahn» einig: Wenn kein Herzblut und keine Dienstleistungsbereitschaft da ist, Gäste aus aller Welt zu empfangen, nützen alle gesetzlichen Anpassungen und Subventionen nichts.

Hinweis

Weitere Informationen gibt es unter: www.roterhahn.it sowie www.agrotourismus.ch

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