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AGROCHEMIE: Dunkle Wolken über der neuen Syngenta

Die Chinesen haben bei Syngenta die Kontrolle übernommen. Gleichzeitig bezieht der Agrokonzern in einem Rechtsstreit in Amerika eine herbe Niederlage.
Daniel Zulauf
Eine Sturmfront über einem Maisfeld im US-Bundesstaat Nebraska. (Bild: Ryan McGinnis/Getty (Kearney))

Eine Sturmfront über einem Maisfeld im US-Bundesstaat Nebraska. (Bild: Ryan McGinnis/Getty (Kearney))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Seit Montag regieren bei Syngenta in Basel definitiv die Chinesen (siehe Box). An der letzten Generalversammlung des Konzerns, an der ChemChina bereits rund 95 Prozent der Aktien vertrat, wählten die Aktionäre den Vorsitzenden des chinesischen Staatsbetriebs, Ren Jianxin, auch zum Präsidenten von Syngenta. Der bisherige Amtsinhaber Michel Demaré wurde wie geplant ins Vizepräsidium relegiert.

Die Stabübergabe stand allerdings unter keinem guten Stern. Am vergangenen Freitag hatte ein Geschworenengericht in Kansas einer Sammelklage von 7300 amerikanischen Bauern gegen den vormaligen Schweizer Agrokonzern stattgegeben. Das Gericht sprach ihnen einen Schadenersatz von 218 Millionen Dollar zu.

Bauern konnten Mais nicht exportieren

In den nächsten Wochen und Monaten folgen in der gleichen Angelegenheit weitere Gerichtsurteile. Nach Auskunft der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Finanzanalysegesellschaft Sustain­alytics sieht sich Syngenta in der Sache mit 440000 amerikanischen Klägern konfrontiert. Es handelt sich um Bauern, die ihren Mais nicht wie gewohnt nach China exportieren konnten. Syngenta hatte mit Blick auf die Erntesaison 2011 den Verkauf einer neuen Genmaissorte namens Viptera lanciert. Doch China liess den Import dieser Sorte erst im Dezember 2014 zu. Die Kläger machen geltend, sie seien von Syngenta falsch informiert worden. Das Gericht befand, Syngenta habe die Maissorte mit aggressiven Methoden vermarktet. Die Bauern machen Syngenta nun für Ertragsausfälle verantwortlich, und sie klagen, dass die ausgefallenen Exporte zu einem Überangebot an Mais und zu tieferen Preisen geführt habe.

Gemäss Sustainalytics schätzen die Kläger ihren wirtschaftlichen Schaden auf 5 Milliarden bis 7 Milliarden Dollar. Die Höhe der Schadensumme kommt daher, dass sich auch Bauern, die keinen Viptera-Mais angepflanzt haben, als Opfer der chinesischen Importsperre sehen. Bei der Verschiffung von Mais werden typischerweise verschiedene Sorten vermischt. Im Bestreben, Viptera vom eigenen Boden fernzuhalten, hätten die Chinesen auch den Import von Millionen von Tonnen anderer Maissorten unterbunden. Eine Syngenta-Sprecherin erklärte auf Anfrage, man bedaure das Urteil. Es werde bloss dazu führen, dass den amerikanischen Bauern künftig der Zugang zu den modernsten Technologien verwehrt bleibe. Das Urteil sei nicht gerechtfertigt und werde angefochten, teilte Syngenta weiter mit.

Viele offene Rechtsfälle in der Branche

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die vielen noch offenen Rechtsstreitigkeiten, mit denen die grossen Agrokonzerne auch nach der jüngsten Fusions- und Übernahmewelle konfrontiert bleiben. Im vergangenen Jahr wurde Monsanto von einem Gericht in St. Louis zu einer Schadenersatzzahlung an drei Kläger im Betrag von über 46 Millionen Dollar verurteilt. Hinter dem Fall verbirgt sich eine potenziell riesige Altlast mit einem hohen Schadenpotenzial für die Aktionäre.

Der Fall geht auf das Jahr 1979 zurück. Ab 1935 hatte Monsanto eine Lymphdrüsenkrebs erregende Chemikalie verkauft. Dabei habe das Unternehmen sein Wissen über die Gefahren des toxischen Stoffes für Mensch und Umwelt verheimlicht, bis die Chemikalie mit der Bezeichnung PCB 1979 verboten wurde. Mit dieser Begründung reichte im Dezember auch der Bundesstaat Washington Klage gegen Monsanto ein. Als Monsanto-Chef Hugh Grant im Sommer 2015 in der Schweiz weilte, um die Syngenta-Aktionäre für einen Zusammenschluss mit Monsanto zu gewinnen, sagte er: «Jedes Unternehmen hat Altlasten. Das ist einfach eine Realität, und sie gilt ganz speziell für alte Firmen wie unsere oder Syngenta.»

Inzwischen ist Monsanto auf dem Weg, von Bayer übernommen zu werden. Im Urteil von Sustainalytics wird dies wahrscheinlich auch das Risikoprofil von Bayer erhöhen – namentlich im Bereich des Pflanzenschutzes und des Saatgutgeschäfts. Die Zusammenlegung trage den Firmen auch zunehmende Kritik bezüglich Marktdominanz und aggressiven Lobbyings ein, stellen die Nachhaltigkeitsanalysten fest. Die Fusion führe zu höheren Reputations- und Regulierungsrisiken. Sustainalytics stellt sich ablehnend zur Fusion, hält aber fest, dass sie Bayer die Chance gäbe, innovativere Angebote für die Bauern zu entwickeln.

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