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AHV: Die Hürde für das Rentenmaximum

Viele Arbeitnehmer haben über 40 Jahre lang jeden Monat brav ihre AHV-Beiträge bezahlt. Trotzdem erhalten sie nach der Pensionierung nicht die Maximalrente von zurzeit 2350 Franken. Warum ist das so?
Rainer Rickenbach
Ein Sägewerkmitarbeiter überwacht die Bearbeitung von Bauholz auf einer Hobelmaschine. Bild: Christian Beutler/Keystone (Unterstammheim, 7. März 2016)

Ein Sägewerkmitarbeiter überwacht die Bearbeitung von Bauholz auf einer Hobelmaschine. Bild: Christian Beutler/Keystone (Unterstammheim, 7. März 2016)

Walter F. ist auf die Altersvorsorge nicht gut zu sprechen. Seit er mit 18 Jahren die Lehre als Maschinenschlosser absolvierte, wurden ihm bis zu seiner Pensionierung 4,2 Lohnprozente für die AHV abgezogen. Ebenso viel legte sein Arbeitgeber drauf. Als er dann mit 65 die Rentenbescheinigung erhielt, glaubte er zuerst an einen Fehler: Auf der Abrechnung wurde ihm nicht die höchstmögliche AHV-Rente von monatlich zurzeit 2350 Franken in Aussicht gestellt, sondern eine sogenannte Vollrente in der Höhe 2124 Franken.

Das macht immerhin einen Unterschied von 226 Franken im Monat aus, die er weniger erhält. «Ich habe doch immer einbezahlt. Warum erhalte ich nicht den höchstmöglichen Betrag?», fragte Walter F. zuerst sich selbst und dann die zuständige AHV-Ausgleichskasse.

Maximalrente ab einem bestimmten Durchschnittslohn

Die Antwort: Walter F. hatte zwar sein Arbeitsleben lang lückenlos seine Lohnprozente an die AHV-Kasse abgeliefert. Doch damit erfüllte er erst eine von zwei Voraussetzungen. Um auf die Maximalrente von 2350 Franken zu kommen, spielt auch der durchschnittliche Lohn eine Rolle. Der massgebende Durchschnittslohn liegt heute bei 84 600 Franken (brutto, also vor den obligatorischen Lohnabzügen). Wer diese Summe erreicht und immer seine Beiträge entrichtet hat, erhält die Höchstrente von 2350 Franken. Sie wird als Maximalrente bezeichnet. Wer weniger verdiente und entsprechend tiefere Beiträge einzahlte, muss sich auch nach über 40 Beitragsjahren mit einer geringeren Rente zufrieden geben. Es handelt sich um die sogenannte Vollrente. Die Versicherten zahlten zwar ihre Beiträge immer, verdienten für eine Maximalrente aber zu wenig.

«Wer mehr Beiträge bezahlt, soll bei gleicher Einzahlungszeit auch etwas mehr Rente erhalten», erklärt Urs Hof­stetter, Direktor der Ausgleichskasse Luzern. Diese Unterscheidung, die bei Neurentnern oft für Verärgerung sorgt, wird auch die bundesrätliche Rentenreform 2020 überdauern. Hofstetter: «Wie hoch die Rente ausfällt, hängt weiterhin von der Dauer und der Höhe der Beitragszahlungen ab.» Am andern Ende der Lohnskala, bei den Spitzenverdienern, gilt die Maximalrente von heute 2350 Franken als oberstes Limit. Egal, ob jemand ein durchschnittliches Jahresgehalt von einer halben oder einer ganzen Million hatte und in 40 Arbeitsjahren mehrere Millionen Franken an die AHV ablieferte – mehr als die Maximalrente gibt es nicht. «Die AHV ist ein Solidarwerk, und ihre Aufgabe ist es, als Teil der ersten Säule die Existenz zu sichern», sagt Hofstetter. Spitzenverdienern bietet sich immerhin die Möglichkeit, mit Pensionskassen-Einkäufen über die zweite Säule ihr Rentenniveau steuerbegünstigt in die Höhe zu hieven.

Im Gegensatz zu den Einkommensmillionären spielt es für Durchschnittsverdiener indes sehr wohl eine Rolle, ob für sie monatlich 226 Franken mehr oder weniger Renteneinkommen herausschaut. Es spielt schon bei der Planung eine Rolle, mit der sich ältere Berufstätige auf ihre Rentenzeit vorbereiten. Nur: Kaum jemand kann seine Lohnkarriere auswendig herunterbeten und schnell mal ausrechnen, ob es für die 84 600 Franken reicht. Wie merkt man, ob man die Maximalrente erhalten wird? Und wenn es nicht reicht, was lässt sich unternehmen? «Herrscht Unsicherheit, können sich die AHV-Versicherten an die Ausgleichskasse ihres Kantons oder Berufsverbandes wenden und eine Rentenvorausberechnung anfordern. Dazu ist ein Anmeldeformular notwendig. Sinn macht diese Berechnung aber nur für Leute, die um die 60 Jahre alt sind. Bei 40- oder 50-Jährigen ist es zu früh, da sich bis zur Pensionierung mit der Lohnentwicklung und der persönlichen Situation noch einiges verändern kann», sagt Hofstetter. Anders als bei den Pensionskassen, wo sich mit Einkäufen Lücken schliessen lassen, gibt es aber bei der AHV keine Möglichkeit, mit Einzahlungen das Rentenniveau anzuheben. Vorsorgefachleute empfehlen, stattdessen den Hebel bei der zweiten oder dritten Säule anzusetzen.

Beitragslücken führen zu kleineren Renten

Auch Gutverdienende können sich nicht in jedem Fall auf eine Maximalrente verlassen. Wenn sie nämlich längere Zeit nicht in der Schweiz, sondern im Ausland arbeiteten, kann der Auslandaufenthalt Beitragslücken hinterlassen. Wer beispielsweise ein Jahr lang keine Beiträge bezahlte, muss mit einer Rentenkürzung von 2,27 Prozent (1/44 der Beitragsjahre) rechnen, auch wenn das durchschnittliche Einkommen für eine Maximalrente hoch genug ausfällt.

Bei Eltern werden die Erziehungsaufgaben angerechnet. Für die Zeit, in der sie sich um ihre Kinder bis 16 Jahre kümmerten, erhalten sie Erziehungsgutschriften. Diese werden bei der späteren Rentenberechnung dem Erwerbseinkommen zugerechnet. Wer eine lange Berufszeit hinter sich hat, profitiert zudem vom sogenannten Aufwertungsfaktor. Mit ihm wird der für die AHV massgebende Durchschnittslohn rechnerisch angehoben. Dazu ein Beispiel: Hat ein heute 65-jähriger Mann 1972 als damals 21-Jähriger seinen ersten AHV-Beitrag einbezahlt, wird sein Durchschnittseinkommen um den Faktor 1,168 aufgewertet. So erreichen die Versicherten leichter den für die Maximalrente massgebenden jährlichen Durchschnittslohn von 84 600 Franken.

Rainer Rickenbach

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