Autoindustrie
Airbags brechen ihrem Hersteller das Genick

Der japanische Zulieferkonzern Takata ist nach grosser Rückrufaktion pleite – und stellt die Branche vor Probleme.

Lars Nicolaysen
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Takata willigte wegen seiner defekten Airbags in eine Strafzahlung von einer Milliarde Dollar ein.

Takata willigte wegen seiner defekten Airbags in eine Strafzahlung von einer Milliarde Dollar ein.

Keystone/AP/SHIZUO KAMBAYASHI

Der grösste Rückruf in der Automobilgeschichte wegen defekter Airbags hat den japanischen Zulieferkonzern Takata in die Knie gezwungen. Das 1933 gegründete Unternehmen meldete am Montag in Japan und in den USA Insolvenz an.

Grund für diesen Schritt sind die horrenden Kosten und Schulden wegen des Rückrufs von weltweit mehr als 100 Millionen Airbag-Modulen. Mit Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,6 Milliarden Franken) ist es eine der grössten Pleiten in Japans Wirtschaftsgeschichte.

Die Tochterfirmen von Takata in Europa seien dagegen nicht betroffen, hiess es. Dort seien keine Insolvenzverfahren geplant. Die globale Geschäftstätigkeit und die Lieferungen an die Autokunden sollten ohne Unterbrechung fortgeführt werden.

Zur Finanzierung einer Restrukturierung soll Takata nun an den chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Franken) verkauft werden. Beide Seiten erzielten eine Grundsatzvereinbarung, wonach KSS nahezu alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte übernimmt – darunter auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern.

Ausgenommen ist der Bereich für Gasgeneratoren mit dem Stoff Ammoniumnitrat, die für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwortlich gemacht werden. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeuchtigkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen, Splitter können dann durch den Fahrzeuginnenraum geschleudert werden.

Takata kündigte an, die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Rückrufe fortzusetzen. Mittelfristig soll der Geschäftsbereich eingestellt werden. Der Rest von Takata dürfte auf eine Abwicklung zusteuern. Der geplante Verkauf an KSS soll helfen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen.

Takata hatte sich im Januar mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen gab kriminelle Vergehen zu und willigte ein, Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar zu zahlen. Gegen drei Manager wurden Strafanzeigen gestellt. Laut Anklageschrift sollen sie mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben. Die Mängel haben allein in den USA zum Rückruf von 70 Millionen Airbags geführt.

Grosser Player für Branche

Mit einem Weltmarktanteil von 20 Prozent bei Airbags ist Takata für die Autobranche nicht einfach zu ersetzen. Daher suchten die betroffenen Autohersteller seit Jahren nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann. Durch den nun geplanten Zusammenschluss nahezu aller Bereiche von Takata und KSS würde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60 000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen.

«KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens», sagte Shigehisa Takada, Vorstandschef von Takata. Lange Zeit hatte die Gründerfamilie, die bislang 60 Prozent an Takata hielt, versucht, eine aussergerichtliche Lösung zu finden. Die Autohersteller jedoch bestanden auf einem Insolvenzverfahren.

Überbrückungskredit geplant

Die Grossbank Sumitomo Mitsui will Takata nun einen Überbrückungskredit von bis zu 25 Milliarden Yen einräumen, um die Finanzierung seiner Lieferanten zu sichern. Japans Autohersteller haben sich zudem verpflichtet, Takata während des Insolvenzverfahrens finanziell zu unterstützen. «Das Unternehmen arbeitet darüber hinaus mit der Kundengruppe an einer Vereinbarung, dies auch auf globaler Ebene zu tun», teilte Takata weiter mit.

Die betroffenen Autohersteller hatten bereits in vergangenen Jahren Kosten für die Rückrufe übernommen, um das Airbag-Desaster ohne eigene Produktionsprobleme abzuwickeln. Eine weitere finanzielle Belastung für die Hersteller dürfte sich in Grenzen halten.(sda/DPA)